| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Koni Häne | |
| Originalartikel: | Häne, K. (2000): Baum des Jahres 2000: Die Sand- oder Hängebirke. - Bündnerwald 53, 4: 57-59. | |
| Online-Version: | Stand: 10.10.2007 | |
| Redaktion: | WSL, CH | |
| Verfügbare Sprachen: |
Druckansicht
|
|
Die Sand- oder Hängebirke (Betula pendula) - Baum des Jahres 2000
Der Name
|
|
Jedes Kind kennt die Birke, denn ihre Rinde macht diesen Baum unverwechselbar. Foto: Botanische Bilddatenbank (www.unibas.ch/botimage/) |
|
|
Als Pionierbaumart bildet die Birke Tausende von kleinen Samen, die durch den Wind über weite Strecken verbreitet werden. Foto: Webseite Zeigerwerte Waldflora, L. Walthert (WSL) |
In vielen Sprachen verdankt die Birke (Betula pendula) ihren Namen der leuchtend weissen Rinde. Sei dies im Mittelhochdeutschen "birche", oberdeutsch "Bir(i)hha", indogermanisch "bherg" oder "bherk", altnordisch "biork" oder "birki", norwegisch "bjerk", serbokroatisch "breza" sowie in russisch "bereza". So sind einige Tausend Orts- und Flurnamen und sogar ein Flussname (Beresina = Birkenfluss) von der Birke abgeleitet. Dazu einige Beispiele aus der Schweiz: Birch, Birchegg, Birchwil, Birkenfeld, Bürchen. Auch Familiennamen wie Bircher, Birchler, Birchmeier, Pirkmeier errinnern an diese Baumart.
Den heutigen Gattungsnamen "Betula" gaben ursprünglich die Römer der Birke. Das gallische Wort "betu" (= Harz ableiten) errinnert an die früher aus dem klebrigen Birkensaft hergestellte Art Bitumen. Eine weitere Herleitung des botanischen Namens «betula» soll von "batuare" (lat. schlagen) herrühren, weil den mit der Lebensrute aus Birkenreisig "geschlagenen" (berührten) Menschen ein langes, fruchtbares Leben beschieden war. Noch heute gehören in Skandinavien die im Frühjahr geschnittenen zarten Birkenzweige zum Sauna-Ritual.
Der Baum
Die bis gegen 30 m hohe Birke hat in der Jugend eine schmale, spitzkegelige Krone, die sich mit zunehmendem Alter unregelmässig entwickelt. Die dreieckig bis rhombisch mit doppelt gesägten, frischgrünen Blättern versehenen Äste sind lang und hängen im Alter herab (Hängebirke). Die bis 4 mm langen Knospen sind bräunlich bis glänzend grün und leicht zugespitzt. Die gelborangen männlichen Kätzchen blühen vom März bis anfangs Mai. Die kurzgestielten weiblichen Kätzchen erreichen bis zum Frühherbst eine kräftige, bräunliche Färbung. Die einzelnen Kätzchen entwickeln einige hundert flugfähige Samen, welche vom Herbstwind über grosse Strecken verfrachtet werden können.
Verbreitung und Standort
Die Sand-, Weiss-, Warzen- oder Hängebirke hat sich nach der letzten Eiszeit vor gut 12'000 Jahren vielerorts in den gemässigten und kühlen Zonen der Nordhalbkugel verbreitet. Die Gattung Betula ist weltweit mit rund 40 Arten vertreten. Gemäss Landesforstinventar kommt sie in der Schweiz mit einem Stammzahlanteil von 1,3% am häufigsten auf der Alpensüdseite sowie im Wallis vor. Unsere "Rekordbirke" weist immerhin einen BHD von 79 cm und die stattliche Höhe von 29 m auf. Die lichtbedürftige Birke gedeiht bevorzugt auf feuchten bis trockenen, nährstoffarmen und eher sauren Böden.
Waldbauliche und ökologische Bedeutung
Die oft zu Unrecht verschmähte Birke übernimmt bei der schnellen Wiederbewaldung sowie zur Waldrandschliessung eine wichtige Rolle. Als robuste "Vorwaldbaumart" bereitet sie weniger robusten Baumarten das Gelände vor. Wegen ihrer Kälterestistenz leidet sie wenig unter Spätfrost. Sie fördert die Hummusanreicherung und ermöglicht, dank ihrer lichten Krone, das Heranwachsen anderer Bäume. Zudem schützt sie auf Halden und baumlosen Hängen den Boden vor Erosion.
Als idealer Lebensraum vieler Tiere, Pilzen und Flechten hat die Birke eine wichtige ökologische Bedeutung. So wurden beispielsweise auf einer Birkenart in Grossbritannien rund 200 und in Russland gar 570 Insektenarten gezählt. Zudem haben mehr als 30 Vogelarten die Samen dieser Baumart genutzt. Das häufig anzutreffende Totholz dient vielen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraumsubstrat.
Holz und Verwendung
Das gelblichweisse, lang- und feinfaserige, nicht sehr harte, jedoch zähe und biegsame Birkenholz ist leicht bearbeitbar und deshalb bei Wagnern, Drechslern, Musikinstrumentenbauern und vor allem bei Möbelherstellern geschätzt. Als sogenanntes "Edelbrennholz" ist die Birke bei Chemineéliebhabern äusserst beliebt. Früher fand der Russ dieses Holzes als Druckerschwärze Verwendung. Auch wurde die wasserundurchlässige und gegen Pilzbefall äusserst resistente Rinde früher zur Herstellung von Dachbedeckungen, Körben und zur Verkleidung von Kanus genutzt. Ebenfalls bekannt sind Rindenstücke als Papierersatz. Aus Knospen und Blättern wurde Birkenöl zubereitet, das zum Geschmeidigmachen von dünnem Leder diente. Aus Birkensaft und Zucker wurde Wein hergestellt, der auch zu Birkenchampagner weiter verarbeitet wurde.
Brauchtum und Heilkunde
Die zart anmutende Birke, auch liebevoll "Braut des Waldes" genannt, wurde bei den Kelten, Slawen und Germanen kultisch verehrt. So sollen beispielsweise in der Walpurgisnacht Hexen auf Besen aus Birkenholz reiten und ihre Zweige Zauberei abwehren. Als Symbol der Jugend, der Fruchtbarkeit und des Wachstums erlebt diese Baumart in Form von Maibäumen bei Frühjahresfesten vielerorts ein Wiederaufleben. Ein an das Haus der Verehrten gestellter Baum dient als Zeichen der Liebe und als symbolischer Heiratsantrag. Wenn dazu dann noch das Lied "Drei weisse Birken..." ertönt, sollte dem Glück nichts mehr im Wege stehen! Noch heute werden bei kirchlichen Festen frischbelaubte Birken als Schmuck aufgestellt.
Die Bedeutung der Birke als Heilpflanze ist gross und umfangreich. Dies hatte sich auch der bekannte Kräuterpfarrer Johann Künzle zu Nutzen gemacht. So beschreibt er den Gebrauch und die Wirkung von Blättern, Knospen und Saft der Birke vor allem als Blutreinigungsmittel bei Rheuma und Gicht sowie als Wundheilmittel. In Deutschland werden für die Kosmetikindustrie jährlich etwa 85'000 Liter Birkensaft vorwiegend zu Haarwasser, Badezusätzen und Shampoos verarbeitet. Ein Baum liefert im Frühjahr (März) insgesamt 40 bis 50 (pro Tag 5 bis 8) Liter Birkensaft.
|
|
Im Walliser Dorf "Bürchen" ist man sichtlich stolz, ein Birkendorf zu sein. Foto: K. Häne (WSL) |
Bauernregeln
- Am Allerheiligen geh' in den Wald, nimm von der Birke einen Span, und da siehst du es ihm an, ob der Winter warm ist oder kalt.
- Ist der Span trucken, wird ein warmer Winter anrucken; aber ist er nass genommen, wird ein kalter Winter kommen.
- Halten Birk' und Weid' ihr Wipfellaub lange, ist zeitiger Winter und gut Frühjahr im Gange.
- Fliesst im Dezember noch der Birkensaft, dann kriegt der Winter keine Kraft.
Wichtigste Quellenangaben
- Rudolf Beyse: Pionier mit grosser Familie (Forstzeitung 2/00)
- Walter Kienli: Die Gehölze der schweizerischen Flora
- U.B. Brändli: Die häufigsten Waldbäume der Schweiz
- Deutsches Forstlexikon
Download
- Birken in der Philatelie (PDF, 2.0 MB)
- An der Hochschule Wädenswil beschäftigten sich Studenten mit der Hängebirke. Ihr Gehölzportrait entstand im Rahmen von "Portraits einheimischer Waldgehölzarten" unter der Leitung von Urs-Beat Brändli (WSL). Sie können das Portrait als PDF-Version (152 KB) herunterladen.
Links
- Übersicht über alle Bäume des Jahres
- Eiche unter Birke: Flächig, punktuell oder gar nicht pflegen?
- Herstellung von Birkensaft in Finnland
Kontakt
Konrad Häne
Eidg. Forschungsanstalt WSL
Paläo-Ökologie
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 BirmensdorfTel: +41 44 739 22 35
Fax: +41 44 739 22 15
Urs-Beat Brändli
Eidg. Forschungsanstalt WSL
Wissenschaftlicher Dienst LFI
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 BirmensdorfTel: +41 44 739 23 43
Fax: +41 44 739 22 15
- Wie beurteilen Sie diesen Beitrag?
| sehr interessant interessant weniger interessant nicht interessant |
Durchschnittliche Bewertung dieses Beitrags:
10 Bewertung(en)
|
- Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu diesem Beitrag.
| 15.12.2006 | Verfasser BirkensaftKontor |
| Birkensaft und Pollenallergie | |
| Birkensaft und Pollenallergie Bezogen auf den Artikel über Birkensaft und Pollen in der schwedischen Zeitschrift "Land" (15/02) wollen wir eine weiter Untersuchung zu diesem Thema anstellen. Pollenallergie wird heutzutage entweder durch den Versuch, die Pollenmenge in der Umgebung des Allergikers zu reduzieren oder durch Linderung der Symptome mit Hilfe verschiedener Medikamente (Antihistaminika) behandelt. Die momentan einzige Methode, die wirklich versucht die Allergie zu heilen, wird Immuntherapie (Desensibilisierung) genannt. Hier wird dem Patienten wiederholt kleine Mengen Pollenallergen injiziert, um den Körper daran zu gewöhnen. Dies benötigt jedoch eine große Anzahl Spritzen mit dichtem Intervall, was natürlich viele Allergiker von dieser Behandlung abgehält. Zudem gibt es auch eine orale Immuntherapiemethode (SLIT), bei der das Allergen als Kapsel oder Tropfen gereicht wird und eine Zeit unter der Zunge wirken darf, bevor der Rest geschluckt wird. Diese Methode soll hervorragend funktionieren. Vielleicht funktioniert Birkensaft auf genau diese Weise! Wir glauben, daß Birkensaft einen desensibilisierenden Effekt hat. Der Saft könnte kleine Mengen einer Substanz (vielleicht das Allergen selbst) enthalten, die von der Schleimhaut aufgenommen wird und dadurch bewirkt, daß sich der Körper an die Birke gewöhnt. Das könnte die heftige Reaktion dämpfen, sobald sich Pollenkörper in der Luft befinden. Die positiven Auswirkungen auf die Volksgesundheit wären so groß, daß auch ein Forschungsprojekt gerechtfertigt wäre. Und genau hierfür benötigen wir Erfahrungsberichte die erzählen ob und inwieweit Birkensaft allergiehemmend wirken kann. Zunächst können ja alle, die es wagen, einen Selbstversuch machen. Die Methode ist einfach, billig und wahrscheinlich ungefährlich. Birkensaft ist zu allen Zeiten als Lebensmittel angesehen worden. Fall jemand bereits Erfahrung gemacht hat, so würden wir uns sehr über eine Info freuen. Mit freundlichen Grüßen Ihr BirkensaftKontor [url]www.Birkensaft.de[/url] |
|
| Kommentar beantworten |


