| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Manuel Karopka, Mirjam Milad | |
| Originalartikel: | - | |
| Online-Version: | Stand: 26.02.2007 | |
| Redaktion: | FVA, D | |
| Verfügbare Sprachen: |
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Die Waldkiefer (Pinus sylvestris L.) - Baum des Jahres 2007
Die gemeine Kiefer, auch Föhre oder Forche genannt, ist eine der wichtigsten Wald- und Wirtschaftsbaumarten Europas. Sie ist die bekannteste und in Mitteleuropa am weitesten verbreitete Art der Gattung Pinus, zu der auf der nördlichen Erdhalbkugel etwa 90 Arten gehören.
Ihre Verbreitung betrifft den gesamten eurasischen Raum und reicht vom
Polarkreis im Norden bis in den Süden der Türkei sowie von Westdeutschland bis
weit in den Osten nach Asien hinein. Darüber hinaus gibt es isolierte Vorkommen
in Schottland und den Pyrenäen.
Waldkiefern bevorzugen kontinentales Klima,
daher verläuft ihre natürliche westliche Verbreitungsgrenze quer durch
Deutschland. Verbreitungsschwerpunkte sind hier die sandigen Regionen
Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns, die nordwestdeutschen Geestgebiete,
der Oberrheingraben zwischen Karlsruhe und Mainz/Frankfurt sowie das bayerische
Alpenvorland.
Die Höhenobergrenze ihres Vorkommens liegt in den Alpen zwischen
1700 und 2000 m.
Kennzeichen, morphologische Merkmale
Waldkiefern gehören
zu den 2-nadeligen Kiefern. Die Nadelpaare sitzen 3 - 4 Jahre am Zweig und erreichen ein Länge von 2,5 bis 7
cm. Die Färbung schwankt von gelbgrün bis blaugrün und ist standortsabhängig.
Kiefern werden bis zu 35 m, auf guten Standorten gelegentlich sogar bis zu 40 m
hoch. Die Rinde hat eine charakteristisch rötlich-braune Rinde, die, im
Sonnenlicht reflektierend, auch als Spiegelrinde bezeichnet wird.
Kiefern können ein Alter von 800 bis 1000 Jahren erreichen.
Blüte
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| Abb. 1: Kiefernblüte |
Waldkiefern sind
einhäusig, d.h. weibliche und männliche Blüten kommen am Baum gemeinsam vor.
Die männlichen Blüten sind gelb, die weiblichen rötlich, dabei aber unscheinbar
und nur bei genauem Hinsehen als Blüten erkennbar. Die Blütezeit ist im
Mai/Juni, die Samenreife findet in den Zapfen im September/Oktober des
folgenden Jahres statt.
Krone
Die Kronen ausgewachsener Waldkiefern sind oft asymmetrisch und unregelmäßig
ausgeprägt, im Gipfelbereich schirmförmig und haben ein südländisches Aussehen.
Wurzelsystem
Auch das Wurzelsystem ist sehr variationsreich. Auf tiefgründigen lockeren
Böden bilden sie Pfahlwurzeln aus, ein kompaktes Herzwurzelsystem auf schweren,
lehmigen Böden und ein weitverzweigtes, flachstreifendes Wurzelsystem auf
flachgründigen bzw. felsigen Böden.
Habitus
Die Stammform der
Kiefer kann sehr unterschiedlich ausfallen und ist stark herkunftsabhängig. So
gibt es in Hochlagen des Nordschwarzwaldes Provenienzen von ausgesprochener
Geradschaftigkeit, die sog. "Schwarzwälder Höhenkiefer". Im
südwest-deutschen Raum kommen hingegen verstärkt Typen mit krummen Schaftformen
und geringer Höhe vor.
Es gibt zudem zahlreiche Varietäten, die nur in bestimmten Regionen vorkommen
und dort angepasst sind, z.B. die Schottische Waldkiefer (Scots-Pine, var.
Scotica), die Lapplandkiefer, (var. Laponica) oder die Engadiner Waldkiefer
(var. engadinsis) (HECKER 1985).
Bedeutung
Die Kiefer ist eine gefragte Wirtschaftsbaumart. Ihr Anteil an der Waldfläche
Deutschlands beträgt ca. 24 %, was etwa 2,5 Mio. ha an Kiefernbeständen
entspricht (BMVEL, 2004). Damit
ist sie die zweithäufigste Baumart nach der Fichte. Nach der letzten Eiszeit
nahm die Kiefer zusammen mit der Birke weite Teile Mitteleuropas ein. Die
offene Landschaft und die Rohböden boten ihr als Pionierpflanze ideale
Bedingungen. Sie schuf so vor ca. 8000 Jahren die Grundlage für die Ausbreitung
weiterer Laubbäume. Da die Kiefer jedoch eine typische Lichtbaumart ist, konnte
sie mit den konkurrenzstärkeren Laubbaumarten, wie der Buche, nicht mithalten
und wurde weitgehend auf nährstoffarme, sehr trockene oder moorige Standorte
zurückgedrängt. Optimale Wuchsbedingungen findet sie jedoch auf lehmigen Sanden
oder sandigen Lehmen.
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Abb. 2: Kiefernsamenplantage im Liliental (Kaiserstuhl). |
Im ausgehenden Mittelalter begann man, die Kiefer
großflächig künstlich einzubringen. Vor allem devastierte Böden konnten
aufgrund der Anspruchslosigkeit der Kiefer gegenüber Wasser- und
Nährstoffhaushalt bepflanzt werden. Die meisten der heutigen Kiefernflächen
entsprechen nicht den natürlichen Waldgesellschaften, sondern sind aus
Pflanzung hervorgegangen. Informationen über das dabei verwendete
Vermehrungsgut liegen nur in Einzelfällen vor. Durch ihre große Toleranz
gegenüber Trockenheit und hohe Temperaturen, ist eine zunehmende Bedeutung der
Kiefer angesichts des fortschreitenden Klimawandels wahrscheinlich. Es gibt in Baden-Württemberg derzeit 372 zugelassene
Kiefernerntebestände und 2 Samenplantagen, die die Versorgung des Landes mit
Saatgut sichern.
Holz
Das sehr harzreiche Holz hat ein warme, gelbliche bis schwach rötliche Färbung. Es ist ein gutes und gefragtes Konstruktionsholz im Innen- und Außenbau (Fenster, Türen, Dielen, Möbelbau). Kiefernholz verformt sich wenig und hat eine gute Dauerhaftigkeit. Es ist jedoch relativ weich. Seit einigen Jahren nimmt auch das Interesse an industrieller Nutzung für die Zellstoff-, Spanplattenindustrie sowie Energieholzwirtschaft stetig zu.
Historische und andere Nutzungen
In
der Vergangenheit verwendete man die sog. Kienspäne aus dem harzreichen Holz
der Kiefer als Lichtquelle. Der Ruß, der beim Verbrennen von Kiefernholz
entstand, wurde zur Herstellung von Farben, Tusche, Druckerschwärze und
Schuhcreme genutzt.
Eine besondere Bedeutung erlangte die Kiefer bei der Gewinnung von Baumharz:
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Abb. 3: Harzgewinnung |
Dafür wurde am unteren Stammteil die Rinde entfernt und der Stamm fischgrätartig eingeritzt. Das austretende Harz wurde in Gefäßen aufgefangen und diente u. a. als Grundstoff für Lacke, Leime, pharmazeutische und kosmetische Artikel. Vor allem in Ostdeutschland findet man heute noch Bestände, die Spuren dieser ehemaligen Nutzungsform zeigen.
Darüber hinaus wurden Holzteer bzw. Pech sowie Terpentinöl aus Kiefernholz hergestellt.
In der Heilkunde werden Extrakte aus Kiefernnadeln traditionell bei Erkältungskrankheiten und der Behandlung von Muskelschmerzen eingesetzt. Auch in Saunaaufgüssen, Bade- oder Massageöle sind die ätherischen Öle der Kiefer enthalten.
Gefährdungen und Krankheiten
Die Waldkiefer kann von einer Vielzahl unterschiedlicher Schädlinge befallen werden, die besonders in künstlich begründeten Reinbeständen und auf ungeeigneten Standorten erhebliche wirtschaftliche Einbußen hervorrufen können.
Insekten, wie z. B. die Raupen von Kiefern-Spinner, Kiefern-Spanner, Nonne und Forleule verursachen durch Nadelfraß massive Schäden bis hin zum Absterben des Baumes. Jungbestände und Kulturen können durch den Fraß von Großem und Kleinem Waldgärtner (Triebe) sowie vom Großen Braunen Rüsselkäfer (Rinde) stark geschädigt werden. Der Larvenfraß der Kiefernbuschhornblattwespe führt zu Zuwachsverlusten und schwächt den Baum gegenüber Sekundärschädlingen.
Unter
den Pilzen bewirkt der Erreger der Kiefernschütte starken Nadelverlust vor allem bei Kiefern-Reinkulturen in windstillen, feuchten Lagen.
Wurzel- und
Stammfäulen werden u. a. durch Kiefern-Baumschwamm, -Feuerschwamm,
-Wurzelschwamm, Hallimasch und Krause Glucke hervorgerufen.
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Abb. 4: Junge Kiefern |
Erreger des sog. Kienzopfes ist der Kiefernrindenblasenrost, der zu Verharzung, Deformation und später zum Absterben der Kronen führt. Kieferndrehrost verursacht eine Verkrümmung von Trieben.
Darüber hinaus kann die Kiefernmistel, eine Unterart der Mistel, welche ausschließlich Kiefern parasitiert, Schäden bewirken. Ihre Senker verursachen Löcher im Holz sowie Verkienung. Starker Befall kann das Absterben von einzelnen Ästen aber auch ganzer Bäume bewirken.
Feuerökologie
Leichte Waldbrände und Bodenfeuer haben in den Kiefernwäldern Nordeuropas eine
wichtige ökologische Bedeutung. Durch das kühle Klima werden Pflanzenreste, wie
Nadelstreu, nur schwach zersetzt. Die Kiefern entziehen dem Boden mehr
Nährstoffe als durch Zersetzung zugeführt wird.
Daher würden die Standorte zunehmend verarmen, wenn nicht gelegentliche Bodenbrände, meist durch Blitzschlag ausgelöst, die Zersetzung beschleunigen und Boden und Bewuchs mit Asche düngen würden. Ausgewachsene Kiefern haben daher im unteren Stammbereich eine hohe Resistenz gegenüber Bränden entwickelt.
Kontakt
Manuel Karopka
Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilung Biometrie
Wonnhaldestr. 4
D-79100 FreiburgTel: +49 761 4018 181
Fax: +49 761 4018 333
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