| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Manuel Karopka | |
| Originalartikel: | Karopka, Manuel (2005): Die Schwarzpappel - Baum des Jahres 2006. FVA-Einblick 3/2005. | |
| Online-Version: | Stand: 21.12.2005 | |
| Redaktion: | FVA, D | |
| Verfügbare Sprachen: |
Druckansicht
|
|
Die Schwarzpappel - Baum des Jahres 2006
|
|
|
Abb. 1: Mächtiger Stamm einer Schwarzpappel |
Jedes Jahr im Herbst bestimmt das Kuratorium "Baum des Jahres" den Baum, der für das nachfolgende Jahr im Zentrum des Interesses der Bevölkerung stehen soll. Für 2006 wurde die Schwarzpappel (Populus nigra L.) gewählt. Diese Baumart müsste eigentlich weit verbreitet sein, ist aber inzwischen so selten geworden, dass sie in den Roten Listen bedrohter Pflanzenarten steht.
Ein Grund ist sicher die mangelnde ökonomische Bedeutung der einheimischen Schwarzpappel. Das Holz ist ausgesprochen leicht, weich und anfällig für Pilz- und Insektenbefall. Auf den ihr zusagenden Standorten entlang von Gewässern werden Hybridpappeln oder wirtschaftlich interessantere Laubbaumarten angebaut. Dazu kommt, dass die Schwarzpappel in den Flussauen keine ausreichenden ökologischen Bedingung mehr vorfindet (Grundwasserabsenkung). Zusätzlich gefährden unkontrollierte Kreuzungen mit fremdländischen Pappelarten bzw. Rückkreuzungen mit euro-amerikanischen Pappelsorten den Genpool.
Erkennungsmerkmale
Weltweit gibt es etwa 60 Pappelarten. Die zweifelsfreie Bestimmung einer Schwarzpappel erfolgt durch einen Gentest oder eine gezielte morphologische Ansprache im Jungpflanzenstadium. Schwarzpappeln können bis zu 30 m hoch , bis zu 2 m dick und beachtliche 200 Jahre alt werden. Die Rinde ist in der Jugend grau, bei alten Bäumen finden wir eine schwärzliche Netzborke, Brettwurzeln und kropf- artige Verdickungen (Maserknollen). Die Wurzeln können sich sehr weit vom Stamm aus im Oberboden ausbreiten. Sie wachsen aber nicht unter die mittlere Grundwasserlinie und sind daher als Uferbefestigung nur bedingt geeignet.
Im Freistand bilden sich fast
so breite wie hohe Kronen mit weit ausladenden Ästen und großen Blättern, die
schon bei leichtem Wind auffallend flattern. Die Blattform ist sehr variabel,
sie ist in der Regel dreieckig bis rhombisch, mit ausgezogenen Spitzen und
beidseitig grün. Die Blattgröße variiert zwischen 5 und 12 cm Länge sowie 3 und
8 cm Breite.
Die Baumart ist zweihäusig, es gibt männliche und weibliche
Individuen. Die Blüten erscheinen im April und Mai noch vor der
Blattentfaltung. Sie sind in 5 bis 11 cm langen, hängenden Kätzchen
zusammengefasst. Die männlichen
Kätzchen sind rötlich, die weiblichen gelbgrün. Die Früchte sind Kapseln, die
schon Ende Mai bis Anfang Juni am Baum aufplatzen und die flaumigen Samen
herausfallen lassen. Der Wind trägt die Wattebüschel über weite Strecken - fast
jeder kennt diesen "Pappelschnee".
Interessant ist die Verwendung des
Pappelflaums als Füllung von Kissen und Decken und neuerdings auch als
Isoliermaterial. Die Fasern halten so warm wie Daunen, leiten die Feuchtigkeit
aber wesentlich besser und schneller weiter. Kein Textilmaterial schafft die
Kombination zwischen Leichtigkeit, Wärmeisolation und Feuchtetransport besser
als Pappelflaum.
Wuchsleistung
Die Schwarzpappel ist eine raschwüchsige Baumart. Während eine Buche 120 bis 140 Jahre benötigt, um zu einem ausgereiften Baum heranzuwachsen, nimmt dies bei einer Pappel nur 30 bis 50 Jahre in Anspruch. Das wirkt sich auch auf das Volumen aus. Vitale Schwarzpappeln produzieren auf optimalen Standorten bis 20 m³ Holz je Jahr und ha, die Buche hingegen nur rund 8 m³ Holz.
Verbreitung und Standort
|
|
|
Abb. 2: Der Baum des Jahres 2006 liebt die Gewässernähe |
Die Heimat der Schwarzpappel
ist ganz Europa mit Ausnahme von Skandinavien und Nordrussland, Teile von
Nordafrika sowie weite Teile von West- und Zentralasien. Wegen ihres hohen
Licht-, Wasser- und Nährstoffbedarfs gehört die Schwarzpappel zu den
konkurrenzschwachen Baumarten, die fast nur in natürlichen Weichholz-
Auewäldern direkt am Flussufer eine Chance haben. Sie ist gut an wechselnde
Wasserstände angepasst und verträgt Überflutungen auf gut durchlüfteten,
kiesigen Böden. Stagnierende Nässe verträgt sie nicht, In Baden-Württemberg erfasste
die FVA die letzen autochthonen Schwarzpappelvorkommen im Land. Nach den
bislang durchgeführten Erhebungen existieren Restbestände in den ehemaligen
Auewaldbereichen am Rhein sowie Einzelbaumvorkommen am Bodensee und am Neckar.
In zehn Forstbezirken mit Schwerpunkt in der Oberrheineben wurden über Tausend
Altpappeln erfasst. Ein Ergebnis war, dass Jungwuchs weitgehend fehlt. Bei der
starken Überalterung der Bestände droht ein Zusammenbruch der Restpopulation
und der Verlust der Art in Baden-Württemberg. Um dem entgegenzuwirken, betreibt
die FVA im Versuchsgarten in Emmendingen ein Mutterquartier, aus dem
nachgewiesen autochthone Jungpflanzen nachgezogen und an Untere Forstbehörden,
Wasserwirtschaftsämter und Naturschutzverbände abgegeben werden können.
In den
letzten Jahren wurde somit durch die Auspflanzung einiger Tausend Jungpflanzen
ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung dieser seltenen Baumart in
Baden-Württemberg geleistet.
Verwendung
Das langfaserige und gut trocknende Holz ist weich. Es zeichnet sich durch einen hohen Zelluloseanteil aus. Es hat ein geringes Gewicht und einen hohen Abnutzungswiderstand. Es eignet sich für die Herstellung von Holzschuhe und Kisten und ist aufgrund der hellen Färbung besonders geeignet für Küchengeräte wie Löffel und Kellen. Wegen der guten Ausschlagfähigkeit werden Pappeln in holzarmen Gegenden zur Brennholz- und Futterlaubgewinnung im Kopfholzbetrieb bewirtschaftet.
Die Rinde wird zum Gerben und
Gelbfärben benutzt, das Holz auch zum Korbflechten. Gelegentlich wird Holz aus
dem Bereich der arttypischen Maserknollen für die Anfertigung
charakteristischer Furniere verwendet, zudem ist es sehr begehrt zum Drechseln.
|
|
|
Abb. 3: Allee am Rheindamm im Nebel. Typisch die Masserknollen am Stamm. |
Die heilkundliche Verwendung
der Schwarzpappel geht bis ins Altertum zurück. Die gerbstoffhaltige Rinde von
jungen Zweigen ist ein fiebersenkendes Mittel und wird in Pulverform zusammen
mit Eichen- und Silberweidenrinde verabreicht. Am häufigsten werden die noch
geschlossenen Knospen verwendet, die ätherisches Öl und Glykoside enthalten.
Ihre Substanzen wirken desinfizierend und zusammenziehend. Aus der Rinde kann
ein harntreibender und leberreinigender Sud gewonnen werden.
Links
- Die Bäume des Jahres
- Schwarzpappeln in Salzburg
- Blick ins Genetiklabor: Schwarzpappel oder nicht?
- www.baum-des-jahres.de
Kontakt
- Manuel Karopka
- Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
- Wonnhalde 4
- 79100 Freiburg im Breisgau
- Wie beurteilen Sie diesen Beitrag?
| sehr interessant interessant weniger interessant nicht interessant |
Durchschnittliche Bewertung dieses Beitrags:
8 Bewertung(en)
|


