| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Berthold Heinze | |
| Originalartikel: | Heinze, B. (2002): Schwarzpappeln in Salzburg - eine Baumart an der Verbreitungsgrenze. NaturLand Salzburg, (3): 35-38 | |
| Online-Version: | Stand: 20.10.2005 | |
| Redaktion: | BFW, A | |
| Verfügbare Sprachen: |
Druckansicht
|
|
Schwarzpappeln in Salzburg -
eine Baumart an der Verbreitungsgrenze
Die Stadt Salzburg ist vielen Besuchern als kulturelles Reiseziel bekannt. Die Natur wird von solchen Besuchern meist nur als angenehme Landschaftskulisse zur Stadt wahrgenommen. Mitunter sind aber auch im Stadtgebiet selbst interessante und beachtenswerte Naturdenkmäler zu entdecken. Eines davon sind die Schwarzpappeln im Lehener Park (Abb. 1).
|
|
|
|
|
Abb. 1: Alte Schwarzpappeln - eine Besonderheit im Lehener Park (Bilder: B. Heinze). |
Abb. 2: Die charakteristische Borke, Wasserreiser und Maserknollen sind ein Kennzeichen der echten europäischen Schwarzpappel |
Abb. 3: Gallläuse (Gattung Pemphigus) können Verformungen des Blattstieles und der Blattspreite verursachen |
Dass es keine gewöhnlichen Pappeln sind, sieht man erst auf den zweiten oder dritten Blick. Die oft eigenwilligen Formen — Doppelstämme, oft gewunden und mit Maserknollen und Wasserreisern übersät — passen so gar nicht in das Bild eines "schönen", geradwüchsigen, "gepflegten" Parkbaumes. Die Musterung der Borke mit den X-förmig auseinander brechenden Leisten erinnert eher an Robinien (Abb. 2). Besonders aufmerksamen Betrachtern fallen vielleicht auch noch die Gallen an Blattstielen oder Blattadern auf, die von bestimmten Läusen hervorgerufen werden (Abb. 3). All das sind Kennzeichen der echten europäischen Schwarzpappel (Populus nigra L). Diese Baumart wird einerseits in Europa immer seltener, und Wissenschaftler und Naturschutzexperten kümmern sich in Arbeitskreisen und Projektgruppen um die Erhaltung (Heinze und de Vries, 1998). Andererseits scheint das Salzburger Stadtgebiet aber schon immer an der Verbreitungsgrenze dieser Baumart gelegen zu sein.
Charakterbaum der Tiefland-Auwälder
|
|
|
Abb. 4: Weibliche Bäume tragen im Frühsommer regelmäßig reichen Fruchtbehang |
Die Schwarzpappel ist ein Charakterbaum der Tiefland-Auwälder entlang der großen Flüsse und dringt nördlich der Alpen praktisch nicht in das Gebirge vor. Selbst den Experten vom Haus der Natur sind flussaufwärts der Salzach nur mehr einzelne Bäume bekannt, und praktisch keine natürliche Verjüngung. Aus diesem Grund steht die Schwarzpappel in der Roten Liste gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen des Landes Salzburg als "stark gefährdet" (Gefährdungsstufe 2; Wittmann et al. 1996).
Insgesamt gibt es rund 30 Bäume im Lehener Park, einer steht vor dem Eingang der HAK/HAS 2 in der Johann Brunauer Straße. Der Park liegt auf einer Seehöhe von 424 m, und der Schwarzpappelbestand nimmt etwa 1,5 ha ein. Es gibt sowohl männliche als auch weibliche Bäume; zu Pfingsten 2002 waren zumindest fünf Bäume mit Fruchtständen übersät, die teilweise schon die flugfähigen Samen, die „Pappelwolle“, gebildet hatten (Abb. 4).
Die Bäume im Park wirken aber aus mehreren Gründen nicht wie absichtlich gepflanzte Stadtbäume - die unregelmäßige Anordnung, die unregelmäßigen Stammformen und die unmittelbare Nähe zur Salzach sprechen für eine natürliche Ansamung. "Verdächtig" sind auch die vier Graupappeln am nordwestlichen Rand des Parkes und einige Baumweiden; diese Baumarten sind auch am natürlichen Standort typische Begleiter der Schwarzpappel. Und bei genauer Betrachtung bemerkt man, dass die Bäume die tiefsten Standorte im Park einnehmen. Schwarzpappeln lieben als Auwaldbäume das Grundwasser und halten auch Überschwemmungen aus.
Alter ungeklärt
Im Salzburger Stadtmuseum ist ein Modell zu sehen, das die Stadt und ihre unmittelbare Umgebung im Jahr 1860 darstellt. Deutlich sind im Fluss nördlich der Eisenbahnbrücke Schotterinseln mit Baumbestand zu erkennen. Es ist gut möglich, dass die Lehener Schwarzpappeln Überreste aus der Zeit vor der Flussregulierung von 1860 bis 1880 sind. Das würde auf ein wirklich hohes Alter der Bäume schließen lassen; die Experten des Gartenamtes Salzburg schätzen die Bäume auf eher 60-80 Jahre. Damit würde ihr Ursprung in die Zeit der Uferbefestigungen im Zuge das Glandurchstiches ca. 1930 fallen.
Schwarzpappeln im Auwald werden kaum älter als 140 Jahre; gegen Ende ihres Lebens werden sie oft an der Stammbasis im Inneren hohl — das macht die Altersbestimmung mit Jahresringen unmöglich — und werden dann von stärkeren Stürmen geworfen.
Bereits vorher brechen oft alte Äste ab und stellen eine Gefahr dar, deshalb sind auch im Lehener Park einige Bäume stark zurückgeschnitten worden. Das halten sie meistens ganz gut aus und reagieren dann mit starkem Neuaustrieb. Auch die beachtlichen Durchmesser von an die 100 cm bei manchen Bäumen deuten auf ein hohes Alter hin, allerdings gibt es kaum Vergleichswerte für diese Baumart in Westösterreich.
Es ist auch denkbar, dass die Pappeln auf ein anderes Ereignis, vielleicht eine Überschwemmung oder Baumaßnahmen kurz vor dem Samenflug von Altbäumen in der Umgebung, zurückgehen. Das Gelände ist in alten Karten als "Militär-Schießstätte" eingezeichnet; dort haben sich die Schwarzpappeln vermutlich ungestört entwickeln können. Die Verbreitung dieser Baumart folgt einem ganz eigenartigen Muster aus "Kolonisierung" passender neuer Standorte in großen zeitlichen und geographischen Abständen, und lokalem Aussterben, wenn die Bäume ihr Höchstalter erreicht haben.
Überschwemmungen als Wegbereiter
Passende Standorte für Schwarzpappelsämlinge werden nämlich natürlicherweise
nur durch starke Überschwemmungen geschaffen, wenn durch die Kraft des strömenden Wassers das Ufer einerseits abgegraben, aber an anderer Stelle wieder neu aufgeschüttet wird. Diese Zustände gibt es seit den Flussregulierungen kaum mehr. Aus diesem Grund können sich Schwarzpappeln auch nicht direkt unter den Altbäumen ansamen, und Schwarzpappelbestände werden immer seltener.
Kleine Restbestände am Rande des Verbreitungsgebietes einer Art haben meist nur geringe Bedeutung für die Arterhaltung. Diese kleinen Vorposten oder Pioniere entstehen und vergehen in ständigem Wechsel, gespeist aus dem Hauptverbreitungsgebiet.
Im Fall der Schwarzpappeln ist die Lage aber nicht mehr so einfach, da die Art auch im Hauptverbreitungsgebiet entlang der Tieflandflüsse durch Verlust des Lebensraumes stark fragmentiert und auf Restbestände reduziert ist. Deshalb sind die Pappeln im Lehener Park auch von Bedeutung für die Erhaltung der genetischen Vielfalt der Baumart.
Baumschutz in Salzburg zuwenig — Erhaltung sichern
Die Bestimmungen zum Baumschutz in der Stadt Salzburg werden wohl einstweilen noch für den Fortbestand dieses seltenen Vorkommens sorgen. Allerdings werden die Bäume irgendwann einmal ihr natürliches Lebensende erreichen. Es wäre sinnvoll, ihre Gene und damit die genetische Vielfalt der Art zu erhalten. Das kann man bei Schwarzpappeln selbst in diesem Alter dadurch versuchen, dass man während der Vegetationsruhe Steckholz schneidet und in der Baumschule bewurzelt. Auch die frischen Samen von Pappeln keimen sehr leicht; es ist dann aber in der Baumschule viel Aufmerksamkeit notwendig, um die Sämlinge über das erste Jahr zu bringen. Dort kann man die vegetative (Steckholz) oder generative (Samen) Art gezogenen Bäumen dann weitervermehren und die Pflanzen für Aufforstungen verwenden.
Auch das Ausbringen an Standorten, wo sie bis ins Blühalter gelangen können, um eventuell wieder für natürlichen Schwarzpappel-Nachwuchs zu sorgen, wäre wünschenswert. Das Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft unterhält in Tulln, NÖ, eine Sammlung von Schwarzpappel-Genotypen aus ganz Österreich, die aber im Umfang begrenzt ist (Heinze 1998). Es wäre schön, wenn zur Erhaltung der Vielfalt dieser Baumart in den einzelnen Bundesländern etwas größere regionale Sammlungen angelegt werden könnten. Solche Pflanzungen können durchwegs auch an ungewöhnlichen Standorten oder in ungewöhnlicher Form erfolgen. Parkanlagen, wiederbegrünte Schottergruben, Alleen und dergleichen würden sich eignen.
| Dank: Ich danke Dr. Helmut Wittmann (Institut für Ökologie, Haus der Natur) und Dipl.-Ing. Wolfgang Saiko (Gartenamt Stadt Salzburg) für die freundlichen Auskünfte. |
Weiterführende Information
- Originalbeitrag "Schwarzpappel in Salzburg - eine Baumart an der Verbreitungsgrenze" (Download, 390 kB)
Projekt SEBA: Seltene Baumarten fördern (mehr)
Kontakt
- Berthold Heinze
- Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft
- Institut für Genetik
- Hauptstraße 7
- A-1140 Wien
- Tel.:++43-1-87838-0
- Wie beurteilen Sie diesen Beitrag?
| sehr interessant interessant weniger interessant nicht interessant |
Durchschnittliche Bewertung dieses Beitrags:
8 Bewertung(en)
|


