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Dokumentinformationen
Autor(en): A. Dounavi, M. Karopka, M. Dacasa, I. Hebel
Originalartikel: Dounavi, A.; Karopka, M.; Dacasa, M.-C. ; Hebel, I.(2004): Überflutungstolerante Eschenvorkommen in der Rheinaue?, FVA-Einblick 4/2004.
Online-Version: Stand: 30.11.2004
Redaktion: FVA, D
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch

Überflutungstolerante Eschenvorkommen in der Rheinaue?

Forstwirtschaft in den Rheinauen erfolgt wegen der schwankenden Wasserstände de  Rheins unter besonderen Bedingungen. Der Klimawandel macht eine künftige Zunahme von Hochwasserereignissen wahrscheinlich. Die Ausweisung von Poldergebieten wird den überflutungsbetroffenen Waldflächenanteil zukünftig noch deutlich erhöhen. Wer unter diesen Bedingungen Waldbau im Rheintal betreibt, kann dort schnell nasse Füße bekommen (Abb. 1).

Überflutete Rheinaue
Abb. 1: Sommerhochwasser in den Rheinauen.

Die seit 1999 vom Institut für Landschaftsökologie in Bühl durchgeführten Untersuchungen der Auswirkungen von Hochwasserereignissen auf Laubhölzer in den Rheinauen haben gezeigt, dass zahlreiche Baumarten, insbesondere durch langanhaltende Hochwässer in der Vegetationszeit, geschädigt werden.

2001 wurde im Rahmen einer Diplomarbeit an der FVA die genetische Konstellation eines Eschenbestandes im Kommunalwald Wintersdorf, Fbz. Rastatt, untersucht. Dabei zeigte sich, dass die genetische Diversität am Enzymgenort Alkohol-Dehydrogenase (ADH) deutlich höher war als an Eschen anderer Herkünfte. ADH spielt eine wesentliche Rolle beim Umschalten des pflanzlichen Stoffwechsel bei Sauerstoffmangel auf alkoholische Gärung und ist beim Abbau pflanzeneigener Alkoholprodukte beteiligt. Diese Fähigkeit wird bei Überflutungsverhältnissen für Pflanzen überlebenswichtig.

Trotzen die Eschen der Überflutung?

Die Ergebnisse lassen die Vermutung zu, dass im Rheintal überflutungsangepasste Eschenprovenienzen vorkommen. Sie bildet die Arbeitshypothese für das Eschenprojekt, in dem zwei Fragen näher untersucht werden: Unterscheiden sich die genetischen Strukturen der Rheintalpopulationen stark von denen anderer Populationen aus nicht überfluteten Gebieten? Hat bei der Esche in der Rheinaue eine Selektion von überflutungstoleranten Ökotypen stattgefunden?

Zunächst musste geklärt werden, inwieweit sich die oben genannten Erkenntnisse des Wintersdorfer Eschenbestandes auf das weitere Oberrheintal übertragen lassen.

Probeflächen für die Isoenzymanalyse

Lage der Untersuchungsbestände
Abb. 2: Untersuchungsbestände in den 4 verschiedenen Wuchsgebieten.


Zu diesem Zweck wurde ein Transekt mit insgesamt 14 Beprobungsflächen entlang des Rheins zwischen Kenzingen und Karlsruhe gelegt. Sieben Flächen liegen westlich des Hochwasserdamms in der Überflutungsaue und entsprechend dazu sieben weitere Flächen östlich des Hochwasserdamms in der Altaue (Abb. 2). Ausgewählt wurden dabei möglichst alte, über 60-jährige Bestände mit einem Eschenanteil von über 60%, bei denen man von einer Anpassung an die Standortverhältnisse ausgehen konnte. Die Vorauswahl der Eschenbestände erfolgte über FOGIS. Pro Bestand wurden von 50 Einzelbäumen Zweige für die Isoenzymanalyse gewonnen.

Zusätzlich wurden drei weitere Eschenbestände in nicht überflutungsgefährdeten Regionen beprobt und mit den Eschenpopulationen der Rheinauen verglichen:

Im Isoenzymlabor der FVA wurde anschließend die genetische Variation am Enzymsystem ADH-B untersucht (Abb. 3).

Zymogramm
Abb.3: Zymogramm mit der Bandenstruktur der Allele am Genort ADH-B.

Die Ergebnisse der Analysen sind in Tabelle 1 dargestellt. Die Eschenpopulationen des Rheintal-Transektes zeigen dabei eine viel höhere genetische Variation am Genort ADH-B als die Populationen der anderen Regionen. Auffallend ist die hohe genetische Variation der Eschenpopulationen aus dem Rheintal bzw. die Dominanz des Genotyps 4x4 bei den Herkünften Schwarzwald, Schwäbische Alb und Vogesen. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass in den überflutenden Regionen eine positive Selektion für verschiedene Genotypen stattfindet, in diesem Fall beispielsweise deutlich für das Allel 3. Dadurch wird die genetische Variation in den Eschenpopulationen der Rheinauen erhöht. Diese Variationsbandbreite scheint bei der Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen wie zum Beispiel Hochwassersituationen von Vorteil zu sein.

Nachkommenschaftsprüfungen sollen den Beweis liefern

Häufigkeit der versch. Genotypen
Tab. 1: Häufigkeiten der verschiedenen Genotypen am Genort ADH-B für die Populationen Rheintal, Vogesen, Schwarzwald und Schwäbische Alb.

Um diese Vermutung unter Praxisbedingungen zu testen, sollen im kommenden Frühjahr an mehreren Standorten in der Überflutungsaue des Rheintals Nachkommenschaftsprüfungen mit den Eschenherkünften Rheintal, Schwarzwald, Schwäbische Alb sowie zwei weiteren Vergleichsherkünften aus Bayern angelegt werden, in denen die Eschen einer Art „Crashtest“ unterzogen werden.

Während der Beprobung der Bestände im Rheintal-Transekt stellte sich zudem heraus, dass in einigen Eschenbeständen des Rheintals auch andere Eschenarten wie z.B. Fraxinus angustifolia vorkommen.

Ob die beschriebene Variationsbreite auch auf andere Artanteile innerhalb der Populationen bzw. Hybridisierung der Arten untereinander zurückzuführen ist, wird derzeit im DNA-Labor der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg untersucht.

Links

Dossier Hochwasser


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