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Dokumentinformationen
Autor(en): Milena Conzetti
Originalartikel: Wohlgemuth, T. (2007): Neues Leben nach dem Waldbrand. Jahresbericht der Eidg. Forschungsanstalt WSL 2006: 24-25. ISSN 1424-2699
Online-Version: Stand: 04.03.2008
Redaktion: WSL, CH
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch english français

Neues Leben nach dem Waldbrand

Die rundblättrige Glockenblume war eine der häufigsten Arten nach dem Brand. / La campanule aux feuilles arrondies fut l’une des espèces les plus fréquentes après l’incendie.
Die rundblättrige Glockenblume war eine der häufigsten Arten nach dem Brand.
Foto: M. Serena
 
Leeren einer Insektenfalle auf der Waldbrandfläche. / La zone incendiée au-dessus de Loèche, en Valais.
Leeren einer Insektenfalle auf der Waldbrandfläche.
Foto: S. Schnydrig
 
Das Waldbrandgebiet oberhalb Leuk, Wallis. / Vidage d’un piège à insectes sur la surface incendiée.
Das Waldbrandgebiet oberhalb Leuk, Wallis.
Foto: T. Wohlgemuth (WSL)

Der Wald oberhalb von Leuk im Wallis brannte in einer einzigen Nacht ab. Wie schnell wächst auf dem verkohlten Boden ein neuer Schutzwald? Forschende der WSL ­untersuchen die Wiederbesiedlung der Waldbrandfläche.

Ein Flammenmeer erhellt die Nacht über Leuk. In Windeseile breitet sich ein Waldbrand über den Hang bis zur Waldgrenze aus. Das Feuer bedroht die Dörfer Leuk und Albinen sowie einige Weiler. 260 Personen müssen evakuiert werden. Der grösste Schweizer Waldbrand der letzten 30 Jahre zerstört in der Nacht vom 13. auf den 14. August 2003 über 300 Hektaren Wald mit etwa 200 000 Bäumen. Vom Leuker Schutzwald, er ­sicherte auch die Strasse nach Leukerbad, bleiben nur verkohlte Stämme und Asche übrig. Darum müssen sofort Schutzmassnahmen gegen Steinschlag und Lawinen ergriffen werden. Das ­Feuer verursacht einen Sachschaden von 7,6 Millionen Franken. Und war eines Brandstifters Werk.

Eine wichtige Frage lautet: Wann steht hier wieder ein Wald, der Schutzfunktionen übernehmen kann? Forschende der WSL wollen diese für die Einheimischen wichtige Frage beantworten und untersuchen in mehreren Projekten Aspekte der natürlichen Wiederbesiedlung durch Pflanzen und Tiere. Die Arbeiten bilden das Kernthema «Waldbrand im Wallis» des Forschungsprogramms Walddynamik. Folgende Fragen sind dabei von ­besonderem Interesse:

Die Forschenden haben ihre Daten mittels Stichproben im gesamten Waldbrandgebiet erhoben – von 800 Metern über Meer bis zur Waldgrenze auf rund 2100 Metern. Bisher wurden Analysen über Klima, Boden, Vegetation und ­Wirbellosenfauna durchgeführt. Auch Luftbilder werden ausgewertet.

Rasche Wiederbesiedlung

Wo das Feuer am stärksten wütete, ­wurden neben den oberirdischen Pflanzenteilen auch Wurzeln und Samen im Boden zerstört. In den ersten zwei Jahren nach dem Brand wuchsen dort kaum Pflanzen. Doch bereits im Jahr 2006 war die Vegetationsbedeckung auf der gan­zen Brandfläche annährend ausgeglichen. Am schnellsten besiedelten das rote ­Seifenkraut und rundblättrige Glockenblumen den Boden. Die Brandintensität spielt für die Wiederbesiedlung durch Pflanzen eine wichtige, aber nur kurz­fristige Rolle.

Die Untersuchungen zur Artenvielfalt ergeben ein erstaunliches Bild. Auf den ersten Blick war ein Jahr nach dem Brand kaum Vegetation vorhanden. Doch die Forschenden zählten auf der 2500 m2 grosse Probeflächen durchschnittlich ­bereits fünfzig Pflanzenarten. Ebenso ­viele Arten wuchsen vor dem Brand auf gleicher Fläche im Wald. Zwei Jahre nach dem Brand explodierte die Artenvielfalt förmlich und übertraf an vielen Orten auch kleinflächig die Vielfalt des früheren Waldes. Die Untersuchungen zeigen, dass ein Brand mittelfristig eine Zunahme der Artenvielfalt bedeutet: Zu den Waldarten gesellen sich Pionierpflanzen wie das Weidenröschen.

Und die Bäume? Nach dem Brand wuchsen in höheren Lagen vor allem junge Laubbäume wie Zitterpappeln und Gebirgsweiden, in tieferen Lagen auch Eichen. Nadelbäume überlebten bisher kaum die Keimlingsphase. Die Forschenden vermuten Trockenheit auf dem aschehaltigen Boden als Ursache – vor­ ­allem im unteren Teil der Brandfläche.

Damit sind längst nicht alle Fragen ­beantwortet. Die WSL untersucht zum Beispiel weiter, welche Auswirkungen die Klimaerwärmung auf die Feuerhäufigkeit und die Waldverjüngung hat.

Auftauchen verschollener Pflanzen

Zwei Jahre nach dem Feuer schoss an vielen Stellen im Brandgebiet der farbenprächtige Erdbeerspinat (Blitum virgatum) aus dem Boden. Im Gebiet galt die Pflanze bislang als verschollen. Doch im Boden der Brandfläche müssen Millionen von feuerbeständigen Samen gelagert ­haben. Diese werden hauptsächlich durch Ziegen und Gämsen verbreitet. Das Auftreten des Erdbeerspinats am ganzen Hang wird mit der früher üblichen Waldbeweidung durch Ziegen und Schafe erklärt.

Extremereignisse im Wald

Die WSL-Forschungsgruppe Störungsökologie untersucht die Bedeutung extremer Ereignisse wie Dürre, Sturm, Waldbrand oder Räumung für die Waldentwicklung. Die Bedeutung dieser Störungen wird aufgrund der wachsenden Nachfrage nach Holz und der Klimaerwärmung zunehmen.

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