| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Robert Nörr, Reinhard Mößmer | |
| Originalartikel: | Nörr, R.; Mößmer, R. (2004): Eiche unter Birke: Flächig, punktuell oder gar nicht pflegen? LWFaktuell Nr. 46, Seite 24-26. | |
| Online-Version: | Stand: 30.11.2004 | |
| Redaktion: | LWF, D | |
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Eiche unter Birke: Flächig, punktuell oder gar nicht pflegen?
Jungbestandspflege auf Sturmkahlflächen von 1990
Sechs Jahre sind vergangen, seit die LWF erste
Versuchsergebnisse zur Jungbestandspflege von Eiche in dichter
Birkennaturverjüngung vorstellte (LWFaktuell 15). Zwei Beobachtungsflächen
wurden auf Grund des starken Birkenwachstums seither erneut gepflegt. Als Folge
der Pflege sind deutliche Unterschiede hinsichtlich Wachstum und Qualität der
Eichen festzustellen.
Was bisher geschah...
1995 pflegte das Forstamt Anzing im Rahmen eines Praxisversuchs eine Eichenkultur auf Sturmkahlflächen von 1990. Die Eichen litten damals sichtbar unter dem Konkurrenzdruck des sehr dichten Birkenschirmes. Auf einer Teilfläche entnahmen die Waldarbeiter alle Birken (Variante „Vollpflege“), auf einer zweiten Fläche pflegten sie Eichentrupps (Variante „punktuelle Pflege“) heraus (siehe Kasten). Die Ergebnisse der ersten Pflege sind in LWFaktuell Nr. 15/1998 sowie am Schluss des Artikels kurz zusammengefasst.
Vier Jahre nach der ersten Pflege hatten die Birken erneut die Eichen zum Teil deutlich überwachsen. Besonders auf der Variante „Vollpflege“ wuchsen die Stockausschläge mit unerwarteter Geschwindigkeit. Um auch die weitere Dynamik des Birkenwachstums beobachten zu können, blieb eine Hälfte der „Vollpflege“ unbehandelt (Variante „Vollpflege 1x“), die zweite Hälfte wurde 1999 zum zweiten Mal flächig gepflegt (Variante „Vollpflege 2x“). Auf der „Vollpflege 2x“ wurden 39 Auslesebäume (163 N/ha) und ihre Konkurrenten ermittelt, auf der „Vollpflege 1x“ 36 Auslesebäume (150 N/ha). Auf der Variante „punktuelle Pflege“ löste eine positive Auslese die Trupppflege ab, da die Waldbau-Richtlinien für die Läuterung einen Übergang zur positiven Auslese vorsehen. Insgesamt wurden 119 Auslesebäume ausgewählt (170 N/ha) und sehr kräftig von der Konkurrenz befreit (Entnahme bis zu acht Weichlaubholz-Konkurrenten).
Der Eichen-Pflege-Versuch in Stichpunkten
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Entwicklung der Pflegeflächen bis heute
Wachstum der Eiche. Auf der „Vollpflege 1x“ nahm die Sprosshöhe der Auslesebäume von 1999 bis 2002 mit 2,5 m deutlich schneller zu als die der Auslesebäume auf der „Vollpflege 2x“ mit 1,7 m. Grund für diese Entwicklung ist die starke, aber nicht übermächtige Birkenkonkurrenz auf der ersten Fläche. Viele der restlichen Eichen setzten allerdings deutlich zurück oder starben ab. Die Eichen der „punktuellen Pflege“ lagen mit Höhenzuwächsen von 2,2 m dazwischen (Abb. 1).
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| Abb. 1: „Punktuelle Pflege“: Sprosshöhenentwicklung der Eichen-Auslesebäume, der höchsten und der durchschnittlichen Konkurrenzbirken 1993-2002; vor den Pflegeeingriffen 1995 und 1999 hatte der Durchschnitt aller Birkenkonkurrenten die Eiche deutlich überwachsen. |
Wachstum der Birke. Im Jahr 1999 war auf der „punktuellen Pflege“ trotz des sehr kräftigen Eingriffs die höchste Konkurrenzbirke um 1,5 m höher als die Eichen-Auslesebäume. Der Wuchsvorsprung steigerte sich bis ins Jahr 2002 noch auf 2 m (Abb. 1). Auf der „Vollpflege 2x“ sind im Jahr 2003 nur noch vereinzelt Birken zu finden, Stockausschläge spielen keine Rolle mehr. Auf der „Vollpflege 1x“ sind noch 6.800 vorherrschende bis mitherrschende Birken pro ha vorhanden. Das „auf den Stock setzen“ dämpfte anscheinend das Höhenwachstum der Birken so stark, dass sie die Eichen-Auslesebäume nur vereinzelt überwuchsen (Abb. 2).
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| Abb. 2: „Vollpflege 1x“: Sprosshöhe 2003 der Eichen-Auslesebäume und Konkurrenzbirken; die Birken weisen ein ähnliches Höhenwachstum wie die Eichen-Auslesebäume auf. |
Die Pflegevarianten unterscheiden sich im Jahr 2003...
...im Wachstum der Eichen. Die zweite flächige Freistellungen wirkte sich (signifikant) negativ auf das Wachstum der Eichen-Auslesebäume aus (Höhenwachstum – 23 %, Dickenwachstum – 4 %). Die Jahrestrieblängen waren deutlich reduziert (Frostschäden). Die „Vollpflege 1x“ und die „punktuelle Pflege“ unterschieden sich im Höhenwachstum kaum. Das Dickenwachstum reagierte auf die unterschiedlichen Pflegevarianten nur schwach.
...in der Verteilung der Eichen-Auslesebäume. Die Verteilung der Auslesebäume auf der Fläche ist bei den Varianten vergleichbar. Im Schnitt steht alle 8 m ein Auslesebaum, größere Lücken sind nicht vorhanden. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass 150 bis 170 Auslesebäume/ ha im Alter von 12 Jahren selbst auf Katastrophenflächen die unterste Grenze von Auslesebaumzahlen bei Eiche darstellen. Auf der Fläche der „punktuellen Pflege“ sind noch zahlreiche schwächere, nicht geförderte Eichen vorhanden, die eine entwicklungsfähige Krone besitzen. Auf der Fläche der „Vollpflege 1x“ hingegen lassen sich nur noch wenige „Reserve“- Eichen finden.
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| Abb. 3: Entwicklung des h/d-Wertes der Pflegevarianten von 1999-2002; auf der verringerte sich der h/d- Wert deutlich, auf der „Vollpflege 1x“ nahm er sogar etwas zu. |
...in der Qualität der Eichen. Das Forstamt Anzing schätzte die Qualität der Eichenflächen vor der Pflege 1995 als mittel bis schlecht ein und wertete sie für alle Flächen als vergleichbar ein. Unterschiede in der Qualität der Eichen sind daher weitgehend auf die unterschiedliche Behandlung zurückzuführen.
Als die LWF die Ergebnisse am Forstamt Anzing vorstellte, beurteilten alle Teilnehmer (Ministerium, Forstdirektion und Forstamt) die „Vollpflege 2x“ eindeutig am schlechtesten.
- Schaftform: Nur jede dreißigste Eiche der „Vollpflege 2x“ besitzt einen geraden Schaft (keine Krümmung über 2 cm/lfm), bei der „punktuellen Pflege“ ist es jede vierte, bei der „Vollpflege 1x“ fast jede zweite Eiche. Auch wenn davon auszugehen ist, dass die Eiche in den Folgejahren die Krümmungen zum Teil auswachsen wird, zeigt Abb. 4 die unterschiedliche Qualitätsentwicklung der Pflegevarianten.
- Schaftneigung: Mit durchschnittlich 86° haben selbst die Eichen der ehemaligen Trupppflege (Variante „punktuelle Pflege“) entgegen aller Befürchtungen weitgehend lotrechte Schäfte entwickelt.
- Astreinigung: Wie wegen der freiflächenähnlichen Situation der „Vollpflege 2x“ zu erwarten war, begannen die grünen Äste bereits ab einer Höhe von 0,5 m. Auf den beiden anderen Flächen traten grüne Äste erst ab einer Höhe von 2 m auf. Die Birke beschleunigte damit entscheidend die Astreinigung.
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| Abb. 4: Schaftkrümmung der Eichen-Auslesebäume im Jahr 2003; die „Vollpflege 1x“ wies die geringste, die „Vollpflege 2x“ die größte Schaftkrümmung auf. Ein Schaft gilt als gerade, wenn die Krümmung < 2cm/lfm beträgt; als bogig, wenn eine Krümmung >2cm/lfm ist und als geschlängelt, wenn mehr als eine Krümmung >2 cm/lfm vorhanden ist. |
Beurteilung der Pflegevarianten nach acht Jahren
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Ohne Pflege keine Eiche...
Nach der Diplomarbeit von LAMATSCH (1997) standen auf einer Nullfläche unter vergleichbaren Bedingungen im Jahr 1996 die Eichen mit 0,5-1,5 m Höhe deutlich unter der Birke mit 2-5 m Höhe. Ein weiteres Zurückfallen der Eiche war zu erwarten. Da auch diese Fläche inzwischen gepflegt wurde, liegen hierzu leider keine Daten vor.
Auf einer ehemaligen, erstmalig im Jahr 2001 gepflegten Nullfläche erreichten die Eichen mit 1-3,5 m eine deutlich geringere Höhe als die Birken mit 6 bis 10 m. Auf diese Pflege reagierten die Eichen bis 2003 kaum. Ohne eine weitere extrem starke Pflege, die sich aber aus Gründen der Stabilität verbietet, wird hier die Eiche wohl untergehen. Deshalb gilt unter den Anzinger Verhältnissen: ohne Pflege keine Eiche.
Schlussfolgerungen aus dem Praxisversuch im Forstamt Anzing1. Pflegenotwendigkeit
2. Flächige Eingriffe
3. Trupp- oder streifenweise Eingriffe
4. Zweite Pflege
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Wir danken dem Forstamt Anzing für die tatkräftige Unterstützung dieses Versuchs sowie Alfred Wörle und Katja Boschi für die engagierte und zuverlässige Betreuung der Versuchsflächen.
Literatur
NÜßLEIN, S.; LAMATSCH, K. (1998): Truppweise Jungbestandspflege in Wiederaufforstungen nach Vivian/Wiebke. LWF aktuell Nr. 15, S. 3 – 7
LAMATSCH, K. (1997): Konkurrenz von Birken in Eichenkulturen auf oberbayerischen Grundmoränenstandorten und Möglichkeiten der Konkurrenzregulierung. Diplomarbeit Ludwigs-Maximilians- Universität München, 89 S.
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