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Dokumentinformationen
Autor(en): Abteilung Waldwachstum
Erscheinungsjahr: 2000
Erstveröffentlichung: Merkblätter der FVA Baden-Württemberg, Nr. 20/2000: Wertästung
Redaktion: FVA, D
Sprachen: Druckansicht  deutsch

Die Wertästung

Baumarten und Bestände

Ästung mit Leiter
Abb.1: Ästung von Laubholz (Foto: Andreas Ehring)

Bei der Beurteilung der Qualität von Stammholz ist dessen Astigkeit ein wesentliches
Merkmal. In 80-90% der Fälle ist die Astigkeit sortierungsentscheidend mit entsprechendem Einfluss auf den Verkaufspreis. Dies macht eine rechtzeitige Ästung der Z-Bäume sinnvoll und rentabel.
Grundsätzlich können alle Baumarten geästet werden.
Ästungswürdig sind qualitativ gute und wüchsige Bestände, die im Erntealter Durchmesser erwarten lassen, bei denen das Verhältnis von astfreiem Mantel zu astigem Kern bei mindestens 2:1 liegt.
Bestände mit erhöhten Risiken, z. B. durch Sturm, Rotfäule, Schnee, Duft, Schälen u. a. sollten nicht geästet werden.
Bei totasterhaltenden Baumarten ist zur Wertholzproduktion eine Grünästung grundsätzlich erforderlich. Dies gilt insbesondere für weitständig erwachsene Bäume.

Arbeitstechnik

Entscheidend für das Ergebnis ist eine rechtzeitige Ästung. Dabei sollten die Grünaststärken 3 cm nicht überschreiten. Die Länge der grünen Krone muss nach der Ästung noch 40-50% der Baumhöhe betragen, um die Gefahr einer Wasserreiserbildung und eines sozialen Abstiegs zu vermeiden. Aus dem gleichen Grund sind die geästeten Bäume bei Konkurrenz mit anderen Bäumen freizustellen.
Eine Grünästung läßt bei sorgfältiger Durchführung im allgemeinen keine Probleme mit holzzerstörenden Pilzen erwarten, wenn die Äste nicht zu dick sind (s.u.) und mit glatt schneidendem Werkzeug rindeneben (Abb. 2a) bzw. bei Astwülsten auf Astring geschnitten wird (Abb. 2b).

Richtige Schnittführung
Abb. 2.: Schnittführung bei Grünästung: a) ohne Astwulst b ) mit Astwulst

Wichtig ist, dass der gesamte Ast entfernt wird (kein Stummeln!). Formschnitte sind i.d.R. überflüssig. In baumzahlarmen Jungbeständen können jedoch Zwiesel- oder Steilastschnitte sinnvoll sein.
Ästungsmaßnahmen sind sorgfältig zu planen und pfleglich durchzuführen.
Voraussetzung für eine zielgerechte Durchführung und Kontrolle ist ein schriftlicher Arbeitsauftrag. Besonders zu beachten sind:

Um Kambiumschäden zu vermeiden, dürfen Steighilfen (mit Ausnahme von
Leitersystemen) nur außerhalb der Saftzeit eingesetzt werden.

Ästungshöhen

Ästungszeitpunkt

Eine Trockenästung kann ganzjährig vorgenommen worden, eine Ästung mit Baumvelo nur außerhalb der Vegetationszeit. Bei Grünästung ist der Zeitraum zwischen Winterende und Beginn der Vegetationszeit oder nach Abschluss des Längenwachstums (Juni/Juli) für die Wundreaktion und Überwallung am günstigsten. Laubbaumarten, die zum Bluten neigen, wie z.B. Ahorn und Nussbaum, werden bevorzugt zwischen Juni und August geästet.
Bei Grünästung innerhalb der Vegetationszeit ist auf eine besonders sorgfältige
Ästungstechnik zu achten, da die Gefahr von Rinden- und Kambiumverletzungen sehr hoch ist.

Anzahl der zu ästenden Bäume

Es werden nur Z-Bäume geästet, ausgenommen Reichhöhenästung.
Zur Ästung auf 5 m und höher werden im Anhalt an die Waldentwicklungstypen
Baden-Württembergs (Richtlinie landesweiter Waldentwicklungstypen,
Landesforstverwaltung Baden-Württemberg 1999) folgende Baumzahlen je ha empfohlen:

Baumart
Ästungsbäume / ha
Douglasie 100-150
Eiche 70-90
Kiefer 100-200
Esche/Ahorn 60-80
Europ. Lärche/Jap. Lärche 100-150
Kirsche 60-80
Fichte 150-250
Nußbaum 60-80
Tanne 150
Pappel 100
Tab. 1: Empfohlene Anzahl der zu ästenden Bäume je Baumart und Hektar


Die Zahlen gelten für Reinbestände mit durchschnittlichen Leistungserwartungen.
In Mischbeständen ist die Zahl der zu ästenden Bäume über die gewünschten (bzw.
im Bestand möglichen) prozentualen Baumartenanteile herzuleiten.

Zeitbedarfswerte

Die Zeitbedarfswerte dienen lediglich zur überschlägigen Arbeitsplanung, sie gelten
nur für Nadelbaumarten, durchschnittliche Arbeitsverhältnisse und Leistungen. Für
Laubbaumarten liegen noch keine ausreichenden Erfahrungswerte vor.
Der Zeitbedarf kann je nach Arbeitsgerät, Baummerkmalen und Gelände stark
abweichen. Vorgabezeiten können daraus nicht direkt hergeleitet werden.

 Ästungsstufe
(m)
 Zeitbedarf
(min/Baum)
 Ästungsgerät
 bis 2,5   3-6  Hand-/Stangensäge
 0-5,0  8-15  Stangensäge/Distelleiter
 5,0-10,0  15-22  Distelleiter
 >10  25-34  Baumvel
Tab. 2: Zeitbedarfswerte bei unterschiedlichen Ästungshöhen und -verfahren

Arbeitssicherheit

Es gelten die Vorschriften des §7 UVV "Forsten" sowie die GUV 0.1 §16, GUV 1.13 §1,7, GUV 6.4 §16/1, §20 sowie GUV 10.4.
Insbesondere ist auf folgende Punkte zu achten:

Im Fallbereich von Ästen darf sich nur die mit dem Schneidevorgang beschäftigte Person aufhalten.
Bei starkem Wind, Regen, Schneefall, Nebel usw. ist die Arbeit einzustellen.
Bäume dürfen nur mit einwandfreier Ausrüstung bestiegen werden.
Hierzu gehören:

Dokumentation

Die zu ästenden Bestände werden von der Forsteinrichtung festgelegt.
Ein langfristig sicherer Nachweis ist unabdingbare Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg einer Wertästung. Sie ist daher auf Ästungskarten und im Forsteinrichtungswerk einzutragen.
Dabei sind festzuhalten:

Nicht dokumentierte Ästungen in Altbeständen können an einer einheitlichen astfreien Schaftlänge der herrschenden Bäume mit kurzem Übergang zur Dürrastzone erkannt werden.
Im Zweifelsfall können Quirlschnitte im Zopfbereich des Stammholzstückes Klarheit schaffen.

Kontakt

Dr. Sebastian Hein
Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
Wonnhalde 4
79100 Freiburg im Breisgau
Tel. +49 761 4018 252

Andreas Ehring
Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
Wonnhalde 4
79100 Freiburg im Breisgau
Tel. +49 761 4018 253


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