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Dokumentinformationen
Autor(en): Dr. Kornelia Dobiáš und Egbert Gleich (Landesforstanstalt Eberswalde, LFE)
Originalartikel: Dobiáš, K.; Gleich, E. (2006): Untersuchungen zur Funktionsfähigkeit der ersten Wildbrücke Brandenburgs. Archiv f. Forstwesen u. Landsch.ökol. 40, 4: 177-181.
Online-Version: Stand: 04.05.2009
Redaktion: FVA, D
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch

Untersuchungen zur Funktionsfähigkeit der ersten Wildbrücke Brandenburgs

Landschaftszerschneidungen haben vielfältige negative Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere. Tierarten mit hohem Raumanspruch sind am stärksten betroffen. Wildspezifische Bauwerke können Zerschneidungseffekte an Verkehrstrassen deutlich verringern.

Im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin wurde 2005 Brandenburgs erste Grünbrücke über die BAB 11 am km 57,15 fertiggestellt. Wissenschaftliche Untersuchungen begleiten die Erfolgskontrolle zur Funktionsfähigkeit der Grünbrücke als Wildtierpassage.

Mit Hilfe einer Video-Überwachungsanlage wurden die Wildbewegungen auf der Grünbrücke im Zeitraum von Mai 2005 bis April 2006 ermittelt. Häufigster "Nutzer" der Grünbrücke ist das Damwild. Daneben wechselt Rehwild, Schwarzwild, Feldhase, Rotfuchs, Dachs, Marder und Marderhund über die Brücke. Die Überquerung der Autobahn erfolgt überwiegend nachts, die meisten Wildtiere ziehen ruhig oder sogar äsend über die Grünbrücke. Ein Nachweis der Brückennutzung durch die Indikatorart Rotwild konnte bislang nicht erbracht werden.

Störende Einflüsse von Menschen auf der Grünbrücke nehmen im Verlauf der Untersuchungen ab. Im Bereich der Grünbrücke wurde die Autobahn Ende 2004 teilweise wilddicht gezäunt. Die Tendenz von Wildunfällen ist rückläufig. Gegenwärtig laufen im Bereich der Grünbrücke außerdem Telemetrie-Projekte an Rot- und Damwild sowie Markierungsarbeiten an Schwarzwild zur Untersuchung des Raum-Zeit-Verhaltens der Wildtiere.

Die Erfolgskontrolle ist auf 10 Jahre ausgelegt.

Einleitung

Erste Grünbrücke in Brandenburg
Abb. 1: Die erste Wildbrücke Brandenburgs.

Die Fragmentierung unserer Landschaft bedroht Tiere und Pflanzen auf eine schleichende und auf den ersten Blick recht unauffällige Art und Weise. Durch die vom Menschen geschaffenen, vorwiegend lineare Strukturen (Straßen, Bahnlinien, Kanäle, Leitungstrassen) beginnt mit dem Moment der Bauausführung ein Prozess, der sich über viele Jahre und Jahrzehnte hinzieht und zum regionalen Verschwinden bestimmter Arten und zu schweren Beeinträchtigungen der betroffenen Biotope führen kann (KRAMER-ROWOLD u. ROWOLD 2001; SUCHANT et al. 2004).

Landschaftszerschneidungen haben Auswirkungen, die weit über die bebaute Fläche hinaus gehen; sie verändern das lokale Klima sowie den Wasserhaushalt und beeinträchtigen auf diese Weise den Boden und die Vegetation. Betroffen sind grundsätzlich alle sich am Boden bewegenden Tierarten, von Wirbeltieren bis Insekten.Tierarten mit hohem Raumanspruch, rückläufigem Bestand, hoher Verkehrsmortalität oder allgemein starker Gefährdung reagieren am empfindlichsten (BARTH u. GLAGLA-DIETZ 2005; JAEGER et al. 2005).

Wildspezifische Bauwerke können die Zerschneidungseffekte an Verkehrstrassen deutlich verringern, wenn sie optimal platziert, dimensioniert und gestaltet sind (BARTH u. GLAGLA-DIETZ 2005). Um die Durchlässigkeit der Landschaft im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin zu erhalten und damit große, unzerschnittene Wanderungs- und Ausbreitungsräume zu sichern, ist eine Grünbrücke über die Bundesautobahn (BAB) 11 errichtet worden (Abb. 1).

Sie soll insbesondere einen Beitrag dafür leisten, unserer größten einheimischen Säugetierart, dem Rotwild, langfristig gesunde Populationen zu sichern und auch anderen raumbeanspruchenden Arten, wie beispielsweise dem Wolf, Möglichkeiten zur Wiederansiedlung offen halten. Mit einer Fundamentlänge von 78 m und einer Scheitelbreite von 52 m ist diese Grünbrücke in Brandenburg hinsichtlich Dimension und Gestaltung gegenwärtig einmalig.

Bereits während der Bauausführung wurde unter Federführung der Landesforstanstalt Eberswalde (LFE) eine Arbeitsgruppe gebildet, die mit der Konzipierung und Durchführung der wissenschaftlichen Begleituntersuchungen zur Funktionsfähigkeit der Grünbrücke als Wildtierpassage befasst ist. Sie begleitete die landschaftsplanerischen Maßnahmen zur Gestaltung der Brücke und ihres Umfeldes. Eine Vereinbarung zwischen dem Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg, Niederlassung Autobahn und der LFE regelt die Durchführung der langfristigen Erfolgskontrolle. Im Folgenden wird über den erreichten Arbeitsstand berichtet.

Untersuchungsgebiet und -methoden Untersuchungsgebiet

Die Grünbrücke über die BAB 11 (Berlin - Pomellen) liegt im brandenburgischen Landkreis Uckermark auf dem Territorium des Biosphärenreservates Schorfheide- Chorin und verbindet zwei durch die BAB zerschnittene komplexe Waldgebiete miteinander.

Methoden Abfährten der Grünbrücke

Nach der Fertigstellung der Erdaufschüttung auf der Grünbrücke wurden zwischen September 2004 und Juni 2005 regelmäßige Kontrollen durchgeführt, um auf der Basis von Fährten bzw. Spuren eine Nutzung der Brücke durch Wildtiere nachzuweisen.

Videoüberwachung

Im Frühjahr 2005 erfolgte auf dem Scheitelpunkt der Grünbrücke die Installation von 2 Kameras mit Infrarot-Scheinwerfern und Bewegungsmeldern (Abb. 2). Die zum Betrieb erforderlichen drei Solarzellen wurden an der Innenseite der nördlichen Beton-Sichtschutzwand abgebracht. Die Videobilder werden auf einem Festplattenrecorder gespeichert, der in einer wasserdichten Aluminiumkiste untergebracht ist. Die Aluminiumkiste befindet sich in einem eingegrabenen, verankerten Stahlrohr mit abschließbarem Deckel in unmittelbarer Nähe der Solarzellen. Zwischen Kameratechnik und Aluminiumkiste wurde ein Erdkabel verlegt.

Die Weitwinkelkameras überwachen seit Mai 2005 den Scheitelpunkt der Grünbrücke In regelmäßigen Abständen erfolgt der Wechsel der Festplatte sowie die Auswertung der Videobilder.

Überwachungskamera auf der Grünbrücke
Abb. 2: Video-Überwachungsanlage auf der Wildbrücke.

Ergebnisse Wildfährten und -spuren

Zwischen September 2004 und Juni 2005 fanden 14 Kontrollen auf der Grünbrücke statt. Die festgestellten Fährten und Spuren wurden protokolliert. Bereits während der Bauphase waren durch die Bauleute vor Ort Schalenwildfährten im Bereich der Erdaufschüttungen an den Brückenköpfen registriert worden, die durch verschiedene Sichtbeobachtungen, insbesondere von Damwild, untermauert werden konnten. Mit der Fertigstellung der Erdauflage auf der Brücke (Herbst 2004) und später nach Neuschneelagen ließen sich diese Beobachtungen durch systematisches Abfährten ergänzen und bestätigen.

Das Damwild "interessierte" sich bereits in den frühen Bauphasen für die Aktivitäten auf der Baustelle und benutzte seit der Fertigstellung der Erdauflage die Grünbrücke regelmäßig zur Querung der Autobahn. Es wechselte wiederholt nachts zwischen den Baufahrzeugen hindurch und konnte auch morgens durch die ankommenden Bauarbeiter direkt beobachtet werden.

Ab Dezember 2004 waren auch Spuren von Beutegreifern (Fuchs, Dachs, Marderhund) auf der Brücke festzustellen.

Auswertung der Video-Aufzeichnungen

Nach einer Testphase konnten ab Mai 2005 Aufnahmen beider Kameras ausgewertet werden. Der Betrieb beider Kameras verlief während des Untersuchungszeitraumes (Mai 2005 bis April 2006) besonders in den lichtschwachen Jahreszeiten aufgrund von Energieengpässen diskontinuierlich.

Insgesamt konnten 2.286 Wildtiere auf der Grünbrücke registriert und ausgewertet werden. Es ist darauf hinzuweisen, dass die Angaben zur Brückenfrequentierung durch Wildtiere sicherlich Mehrfachzählungen beinhalten und deshalb keine quantifizierbaren Aussagen zu Populationshöhen oder Wilddichten im Untersuchungsgebiet zulassen.

Die mit Abstand am häufigsten auf der Grünbrücke registrierte Wildart ist das Damwild. Im Zeitraum zwischen Mai 2005 und April 2006 konnten insgesamt 2.046 Stück Damwild durch die Kameras registriert werden, das sind fast 90 % aller beobachteten Wildtiere. Neben dem Damwild (89,5 %) nutzten im betrachteten Zeitraum sieben weitere Wildarten (zusammen ca. 10 %) die Grünbrücke als Querungshilfe.

Im Einzelnen konnten 62 St. Schwarzwild (2,8 %), 58 Rotfüchse (2,5 %), 45 Feldhasen (2,0 %), 35 St. Rehwild (1,5 %), 23 Dachse (1,0 %), 12 Marderhunde (0,5 %) sowie 5 Marder (0,5 %) registriert werden.

Damwild

Anhand der Kameraaufzeichnungen konnten 1.134 St. weibliches Damwild, 270 St. männliches Damwild sowie 642 Kälber beiderlei Geschlechts registriert werden (Abb. 3). Daraus ist abzuleiten, dass weibliches Damwild gemeinsam mit seinen Kälbern am häufigsten von der Grünbrücke Gebrauch machen und sie als Querungshilfe nutzen.

Damwild auf der Grünbrücke
Abb. 3: Damwild auf der Wildbrücke.

Obwohl männliches Wild im Allgemeinen größere Streifgebiete nutzt und höhere Aktivitäten zeigt, betrug der Anteil an Damhirschen auf der Grünbrücke nur 13 %.

Die Auswertung der jahreszeitlichen Frequentierung der Grünbrücke nach Geschlechtern zeigt, dass weibliches Damwild und Kälber die Grünbrücke das ganze Jahr über in unterschiedlicher Häufigkeit nutzen, während Damhirsche nur zwischen September und November 2005, also nur zur Brunftzeit, registriert wurden.

Weitere Wildarten

Das Rehwild nutzte die Grünbrücke nur sporadisch und überwiegend tagsüber. Insgesamt konnten 33 Querungen registriert werden.

Auch das Schwarzwild wechselte nicht regelmäßig über die Grünbrücke. Zwischen Juli und Oktober 2005 erfasste die Überwachungskamera insgesamt 61 mal Sauen. Allein im August waren es 42, die nachts meist einzeln die Autobahn auf der Brücke überquerten. Rotten wurden bislang nicht festgestellt. Die häufige Brückennutzung während der Sommer- und Herbstmonate steht mit einiger Sicherheit mit dem Wechsel der Einstände aufgrund sich ändernder Äsungs- und Deckungsverhältnisse im Zusammenhang.

Feldhasen nutzten die Grünbrücke zwischen Mai und September 2005 mit steigender Tendenz zur Querung der Autobahn, aber auch zur Äsung. Anschließend ließ sich bis Februar 2006 kein Feldhase nachweisen.

Von den auf der Grünbrücke registrierten Raubwildarten war der Rotfuchs häufigster Brückennutzer (58 Querungen). Zur Ranzzeit wurden im Januar 2006 die häufigsten Frequentierungen festgestellt (11 Exemplare).

Auch der Dachs ist mit Ausnahme der Wintermonate Januar und Februar regelmäßig auf der Grünbrücke nachgewiesen worden.

Der aus Ostasien stammende Marderhund ist im Landkreis Uckermark ein besonders häufiger Neubürger. Im Untersuchungszeitraum erfolgten 12 Nachweise der Brückennutzung durch diese Raubsäugerart.

Schließlich erfassten die Überwachungskameras auch 5 mal Marder auf der Grünbrücke.

Verhalten von Wildtieren auf der Grünbrücke

Anhaltspunkte für die Akzeptanz der Grünbrücke im Lebensraum von Wildtieren bieten die Verhaltensanalyse von Tieren während der Brückennutzung sowie der hierfür gewählte Zeitpunkt. Insgesamt wurden 2.708 Querungen von Wildtieren ausgewertet.

Bei 55 % der Querungen zogen die Wildtiere ruhig über die Grünbrücke, bei weiteren 27 % konnte zudem eine Nahrungsaufnahme registriert werden. Lediglich 18 % der die Brücke nutzenden Wildtiere überquerte sie flüchtig. Daraus lässt sich zumindest für diesen Teil der Wildpopulation ableiten, dass die Grünbrücke als Teil des Lebensraumes akzeptiert und das Bauwerk als Wildpassage wahrgenommen wird.

Ihrer an die dichtbesiedelte und vielfach genutzte Kulturlandschaft sowie dem daraus resultierenden Sicherheitsbedürfnis angepassten Lebensweise entsprechend nutzte die Mehrzahl der Wildtiere die Grünbrücke nachts. Das Verhältnis von gegenwärtig 54 % nächtlichen Querungen zu 46 % Querungen tagsüber lässt jedoch eine positive Prognose hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung zu.

In direktem Zusammenhang damit ist auch der Einfluss anthropogener Störungen im Bereich der Grünbrücke zu bewerten.

Anthropogene Einflüsse auf der Grünbrücke

Zwischen Mai 2005 und April 2006 erfassten die Überwachungskameras neben 2.286 Wildquerungen auch 342 mal tagsüber Menschen (13 %) auf der Grünbrücke. Lässt man die unvermeidlichen Aktivitäten zur Wartung des Bauwerkes, der sich anschließenden Wildzäune, der Anpflanzungen und der Videoüberwachungsanlage unberücksichtigt, sind immerhin noch 272 mal Menschen grundlos auf der Grünbrücke gewesen; es wurden Spaziergänger mit und ohne Hund, Jogger, Rad-, Moped- und Autofahrer registriert.

Die Analyse der monatlichen Verteilung anthropogener Störungen auf der Grünbrücke zeigt erfreulicherweise eine abnehmende Tendenz. Zwischen Mai und September 2005 stieg die "Besucherzahl" stetig an. Im Frühling und Sommer sind bei schönem Wetter die Waldspaziergänger und -fahrer generell häufiger, darüber hinaus fanden in diesen Jahreszeiten auch intensive Pflegemaßnahmen an den Anpflanzungen statt. Im Oktober 2005 sind die Störungen durch menschliche Anwesenheit auf der Brücke deutlich gesunken. Im Herbst sind es mit einiger Wahrscheinlichkeit noch Pilzsucher, die hier eine Rolle spielten. Erfahrungsgemäß suchen im Winter nur wenige Menschen den Wald zum Spazieren gehen auf; ab November 2005 waren menschliche Störungen auf der Grünbrücke sehr selten.

Zudem griffen ab Ende 2005 die Maßnahmen zur Sperrung von Zufahrten durch Schilder und Schranken, so dass zwischen November 2005 und April 2006 nur noch sehr selten Menschen auf der Grünbrücke registriert wurden. Auch die umsichtige Strategie einer diskreten Öffentlichkeitsarbeit aller am Projekt "Grünbrücke" beteiligten Institutionen hat entscheidend dazu beigetragen, dass der "Brückentourismus" erfolgreich eingegrenzt wurde. Die weiterlaufenden Untersuchungen werden diesen Trend hoffentlich bestätigen.

Nutzung der Grünbrücke durch Rotwild

Trotz einer überzeugenden Nachweisführung zur Funktionsfähigkeit der Grünbrücke ist es bislang nicht gelungen, Rotwild (Indikatorart) bei der Nutzung der Wildtierpassage zu bestätigen, obwohl es im Untersuchungsgebiet in stabilen Populationen vorkommt. Über die Gründe hierfür kann gegenwärtig nur spekuliert werden.

Rotwild ist gegenüber anthropogenen Störeinflüssen (menschliche Witterung, Licht, Lärm und Stoffeinträge durch den Verkehr) deutlich sensibler als beispielsweise das Damwild. Mit einiger Wahrscheinlichkeit hat es das Bauwerk bislang nicht als Bestandteil seines Lebensraumes akzeptiert.

Die BAB 11 ist gegenwärtig nur im unmittelbaren Brückenbereich auf ca. 2,2 km Länge gezäunt, so dass Rotwild auch über die Autobahn wechseln kann, ohne die Brücke nutzen zu müssen. Offenbar bevorzugte es bislang diese Variante. Die Analyse der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Wildtieren von 2003 bis April 2006 bestätigte für den untersuchten Bereich vier Unfälle mit Rotwildbeteiligung.

Insgesamt war zwischen 2004 und 2006 ein Sinken der Wildunfallzahlen im untersuchten Bereich zu verzeichnen. Vor zwei Jahren wurden 30 Unfälle mit Wildbeteiligung registriert, im Vorjahr waren es nur 25. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Trend anhält. Unter Berücksichtigung der gegenwärtig vorliegenden Erkenntnisse ist festzustellen, dass die Grünbrücke ihre volle Funktionsfähigkeit erst bei kompletter Zäunung der Autobahn erreicht haben wird. Bis dahin bleibt auch ein eingeschränktes Wildunfall- Risiko bestehen.

Weitere Projekte

Im Bereich des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin laufen seit 2 Jahren Untersuchungen zum Raum-Zeit-Verhalten des Rotwildes durch Kollegen der Bundesforschungsanstalt. Mit Hilfe der GPS-Satelliten-Telemetrie erfolgt die Analyse der Lebensraumnutzung dieser Wildart unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses der BAB 11. Erste Untersuchungsergebnisse zu Streifgebietsgrößen liegen vor.

Weiterhin gibt es Anzeichen dafür, dass die Autobahn einen lebensraumbegrenzenden Einfluss auf das Rotwild ausübt. Parallel laufende Untersuchungen werden in den nächsten Jahren ebenfalls Ergebnisse zur Lebensraumnutzung des Damwildes im Brückenumfeld liefern. Die ersten Tiere wurden zu diesem Zweck bereits mit Sende-Halsbändern ausgestattet.

Um quantitative Aussagen zur Lebensraum- und Grünbrückennutzung durch Schwarzwild zu erarbeiten, erfolgt mittelfristig zusätzlich die Markierung von Frischlingen beiderseits der Autobahn.

Ausblick

Die Erfolgskontrolle zur Funktionsfähigkeit der Grünbrücke über die BAB 11 ist auf 10 Jahre festgelegt. Die ersten Untersuchungsergebnisse haben bereits gezeigt, dass die Brücke ihrem Namen (Grünbrücke) und ihrer Funktion im ersten Jahr nach ihrer Fertigstellung gerecht wird. Weitere Forschungsarbeiten werden Schlussfolgerungen zur Nutzung durch Rotwild und weitere Arten zulassen.

Mittelfristig sind Analysen unserer Kooperationspartner zur Nutzung des Bauwerkes durch Kleinsäuger und Fledermäuse geplant. Als langfristige Zielstellung steht die Erarbeitung von Empfehlungen zur Platzierung, Dimensionierung und Gestaltung von Grünbrücken als funktionsfähige Wildpassagen.

Literatur

BARTH, W.-E., GLAGLA - DIETZ, S., 2005. Naturwalddynamik als Leitbild für ökologische Vernetzungen durch wildnisartige Grünbrücken und Natur- Korridore. In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.), Lebensraumkorridore für Mensch und Natur. Naturschutz und biologische Vielfalt, 17: 127-148
JAEGER, J., GRAU, S., HABER, W., 2005. Landschaftszerschneidung und die Folgen. GAIA, 2: 98-100
KRAMER-ROWOLD, E. M., ROWOLD, W. A., 2001. Zur Effizienz von Wilddurchlässen an Straßen und Bahnlinien. Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen, 21., 1: 68 S. SUCHANT, R., STREIN, M., MÜLLER, U., 2004. Lebensraumvernetzung für Wildtiere. FVA-Einblick

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