| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Josef Metzger, Holger Holland-Moritz | |
| Originalartikel: | Metzger, J.; Holland-Moritz, H. (2002): Schwarze Zahlen beim Schwarzwild. LWFaktuell Nr. 35, Seite 9-13. | |
| Online-Version: | Stand: 09.02.2005 | |
| Redaktion: | LWF, D | |
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Schwarze Zahlen beim Schwarzwild
Entwicklung der Schwarzwildstrecke
Die Schwarzwildbestände haben in Bayern dramatisch zugenommen. Am besten lässt sich dies an bisher unveröffentlichtem Zahlenmaterial ablesen. Dazu wurde die Strecke der letzten 100 Jahre ausgewertet. Alle Daten wurden von der Obersten Jagdbehörde zur Verfügung gestellt. Die Daten haben einige Lücken und Mängel. So gibt es für die Jahre des Dritten Reichs und die Nachkriegsjahre bis 1956 unter alliierter Verwaltung keine Daten. Bis zum Jagdjahr 1971/1972 ist nur die Gesamtstrecke vorhanden. Ab 1972 ist eine detaillierte Aufgliederung der Gesamtstrecke nach Keilern, Bachen, Überläufern und Frischlingen verfügbar, sowohl für staatliche Jagden als auch für private Jagden. Die staatliche Jagd wird seither noch in Regiejagd und verpachteter Staatsjagd unterschieden. Allerdings ist diese Aufteilung für die Jahre 1975–1983 und 1990–1997 nicht vorhanden. Im Jagdjahr 2000/2001 gibt es für die staatlichen Jagden nur die Gesamtstrecke.
Schwarzwildstrecke im bayerischen Staatswald 1902–2002
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| Abb. 1: Schwarzwildstrecken (einschließlich Fallwild) im Bayerischen Staatswald. |
Die Abschusszahlen der letzten 100 Jahre (Abb. 1) weisen einen enormen Anstieg des Wildschweinbestandes seit Mitte der 1970er Jahre auf. Von 1902 bis etwa 1975 schwankt die Zahl der erlegten Wildschweine kontinuierlich in einem Bereich bis 1.000 Stück. Erst ab dann gehen die Abschüsse steil nach oben, bis sie 2001/2002 ihr vorläufiges Maximum bei 9.356 erreichen. In den 1990er Jahren stechen die starken Schwankungen mit einem Minimum von 2.957 und einem Maximum von 7.564 ins Auge.
Schwarzwildstrecke Bayern gesamt 1972–2002
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| Abb.2: Schwarzwildstrecken (einschließlich Fallwild) in Bayern nach Staats- und Nichtstaatsjagd. |
Der interessante Bereich der Strecke für ganz Bayern (Staats- und Privatjagd) zwischen 1972 und 2002 zeigt einen ähnlichen Verlauf (Abb. 2). Hier steigen die Abschüsse von etwa 4.000 Anfang der 70er Jahre auf über 46.000 im Jagdjahr 2001/2002. Der Anteil der Staatsjagd am Gesamtergebnis erscheint niedrig (Abb. 3), allerdings beläuft sich der Flächenanteil der Staatsjagden an der gesamten Jagdrevierfläche nur auf ungefähr 12%.
Vergleich der Abschussklassen in den Staatsjagden (Regiejagd/verpachtete Jagd)
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| Abb. 3: Anteil der Staatsjagd an der Schwarzwildstrecke in Bayern im Jagdjahr 2001/2002. |
Bei der Analyse der Klassen beim erlegten Schwarzwild in der Regiejagd und den verpachteten Jagden im Staatswald fällt auf, dass der Anteil der erlegten Frischlinge in der Regiejagd höher ist als der der Überläufer. In den verpachteten Staatsjagden haben Frischlings- und Überläuferstrecke etwa gleiche Anteile (Abb. 4).
So beträgt der durchschnittliche Anteil der erlegten Frischlinge in den staatlichen Regiejagden seit 1974 59 %, während der Frischlingsanteil in den verpachteten Staatsjagden nur 41 % betrug. Umgekehrt sind die Werte bei den Keilern in den staatlich betriebenen Jagden niedriger. Der Bachenabschuss ist dafür höher als in den verpachteten Staatsjagden.
Abschussklassen der Schwarzwildstrecke in Bayern
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| Abb. 4: Verteilung der Schwarzwildstrecken im Staatswald differenziert nach Regie- und verpachteter Jagd. Beim Klicken auf das Bild erhalten Sie eine größere Version. |
Die Gesamtstrecke weist in den 1980er und 1990er Jahren einen Überläuferabschuß auf, der gleich hoch ist wie der Frischlingsabschuß (Abb. 5). Allerdings ist gerade beim Frischlingsabschuß zu bedenken, dass Frischlinge ab dem 01.04. eines jeden Jahres als Überläufer gemeldet werden müssen, obwohl sie aus wildbiologischer Sicht erst mit Vollendung des ersten Lebensjahres (Wechsel der äußeren Schneidezähne) zu Überläufern werden. Im Durchschnitt waren seit 1980 43 % der Gesamtstrecke Frischlinge und 41 % Überläufer (Abb. 6).
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| Abb. 5: Verteilung der Schwarzwildstrecken (einschl. Fallwild) in Bayern in den Jagdjahren 1970/71 bis 2001/02. Beim Klicken auf das Bild erhalten Sie eine größere Version. |
Derartige Eingriffe in eine Schwarzwildpopulation verändern langfristig das Altersverhältnis zu Gunsten der Jugendklasse, da zu wenige Wildschweine alt werden können. Mittelfristig führt dies zu einer gestörten Sozialstruktur, da ältere Stücke und ihr steuernder Einfluss fehlen. Ein hoher Anteil an Überläufern und Frischlingen beteiligt sich an der Fortpflanzung. Die Gefahr einer zeitlich und zahlenmäßig unkontrollierten Vermehrung wächst.
Abb. 5 zeigt auch, dass v.a. in den 1970er Jahren mit einem Keilerabschuß von bis zu 27 % und einem Bachenabschuss von bis zu 15 % am falschen Ende abgeschossen wurde. Abb. 6 stellt die durchschnittlichen Anteile dieser Klassen in dieser Zeit am Gesamtabschuß dar.
Auch heute werden die Vorgaben der Hegerichtlinien, die von einem Frischlingsabschuss von 75 % ausgehen, in der Praxis nicht annähernd erreicht. Das Maximum liegt bei weniger als 50 %. So ist wohl auch bei großen jagdlichen Anstrengungen im Hinblick auf die hohe, absolute Gesamtabschusszahl davon auszugehen, dass Vorgaben in dieser Höhe in der Praxis kaum umzusetzen sind.
Verteilung der Streckenergebnisse in Bayern (Gesamt) (Vergleich der Jagdjahre 1987/1988 und 2001/2002)
Der enorme Anstieg des Wildschweinbestands innerhalb von nur 15 Jahren zeichnet sich auch beim Vergleich der Verteilung der Abschusshöhe in den Hegegemeinschaften in Bayern für die Jagdjahre 1987/1988 und 2001/2002 ab (Abb. 7). 1987/1988 wiesen nur sieben Hegegemeinschaften eine Schwarzwildstrecke von über 200 Stück auf, im Jagdjahr 2001/2002 sind es dagenen 57!
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| Abb. 6: Durchschnittliche Verteilung der Schwarzwildstrecke getrennt nach Blöcken: Jagdjahr 70/71 bis 79/79 und 80/81bis 01/02. |
Nordwest-Bayern und die Bereiche entlang der Donau bis etwa Straubing gelten als Schwerpunkte des Schwarzwildvorkommens im Freistaat (siehe Abb. 9). Der Anteil Unterfrankens an der gesamten Schwarzwildstrecke Bayerns beträgt 41%.
Diese Schwerpunkte decken sich nahezu mit den Hauptvorkommen von Laubwäldern in Bayern. Schwarzwild kommt heute in Bayern nahezu flächendeckend vor und breitet sich immer noch aus.
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| Abb. 7: Regionale Verteilung der Schwarzwildabschüsse 1987/88 und 2001/02. |
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