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Dokumentinformationen
Autor(en): Redaktion waldwissen.net - WSL
Originalartikel: Redaktion waldwissen.net - WSL (2007): Bäume und Wälder in Gedichten. http://www.waldwissen.net, 07.05.2007.
Online-Version: Stand: 07.05.2007
Redaktion: WSL, CH
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch

Bäume und Wälder in Gedichten

Baumgedichte
 
alle Fotos: T. Reich (WSL)

Bäume liefern nicht nur seit jeher Nahrungsmittel und andere nützliche Produkte, sie prägen auch Brauchtümer und Rituale unseres Lebens. Es erstaunt daher nicht, dass sich auch viele Dichter mit dem Thema "Bäume und Wälder" auseinandergesetzt haben.

Im Leben der Menschen spielen Bäume eine bedeutende Rolle. Seit jeher liefern sie Nahrungsmittel und andere nützliche Produkte: Holz als Bau- oder Brennmaterial, Zweige für Reisigbesen oder zum Flechten von Körben, Rinden für Gerbstoffe, Laub als Füllmaterial, Blüten für Tee, Früchte und Samen in verschiedensten Formen oder Stoffe wie Terpentin, Zucker, Kautschuk oder Harz.

Bäume prägen auch Brauchtümer und Rituale unseres Lebens: Zu Weihnachten stellen wir Tannenbäume in die Stuben. Bei der Geburt eines Kindes ist es in verschiedenen Regionen üblich, Nadelbäume als Zeichen der Niederkunft aufzustellen oder einen Obstbaum für ein Kind zu pflanzen. Im Mai tanzt man mancherorts um einen Maibaum, die Ahnenforscher und Darwinisten verwenden Stamm-Bäume, und Richtbäume zieren die Dachstühle neu gebauter Häuser. In Deutschschweizer Stuben und Restaurants jassen Spielbegeisterte mit Karten, auf denen unter anderem Eicheln abgebildet sind.

Auch in der Bibel werden Bäume immer wieder erwähnt. Das bekannteste Beispiel: Eine Schlange überredete Adam und Eva entgegen dem Verbot Gottes vom Baum der Erkenntnis zu essen. Weil Bäume viele Bereiche des Lebens beeinflussen, erstaunt es nicht, dass Bäume in der Mythologie eine grosse Rolle spielen. Beispielsweise wurden in vielen alten Kulturen und Religionen Bäume oder Haine als Sitz der Götter oder anderer übernatürlicher Wesen verehrt. Man sagt auch, dass in Wäldern Feen, Elfen oder Kobolde leben.

Viele Dichter haben sich mit Bäumen und Wäldern auseinandergesetzt und diesem Thema zahlreiche Gedichte gewidmet. Auf verschiedenen Internetseiten sind Sammlungen von Baumgedichten zu finden, zum Beispiel:

 

Beispiele von Baumgedichten

Der verwundete Baum

Sie haben mit dem Beile dich zerschnitten,
Die Frevler - hast du viel dabei gelitten?
Ich selber habe sorglich dich verbunden
Und traue: Junger Baum, du wirst gesunden!

Auch ich erlitt zu schier derselben Stunde
Von schärferm Messer eine tiefre Wunde.
Zu untersuchen komm ich deine täglich,
Und meine fühl ich brennen unerträglich.

Du saugest gierig ein die Kraft der Erde,
Mir ist, als ob auch ich durchrieselt werde!
Der frische Saft quillt aus zerschnittner Rinde
Heilsam. Mir ist, als ob auch ichs empfinde!

Indem ich deine sich erfrischen fühle,
Ist mir, als ob sich meine Wunde kühle!
Natur beginnt zu wirken und zu weben,
Ich traue: Beiden geht es nicht ans Leben!

Wie viele, so verwundet, welkten, starben!
Wir beide prahlen noch mit unsern Narben!

Conrad Ferdinand Meyer (1825 - 1898)

Schnittwunde  
     
     
Die Linde

Unter deinem mächtigen Gestühle
Überfällt mich ahnungslose Kühle,
Strömt mich an des Sommers Atemstoß,
Und ich spüre aus der Blätter Wehen
Fremden Lebens heimliches Geschehen,
Deine Seele groß.

Wie sie sich verzweigt im Baume,
Aufwärts steigt und wirkt im Raume,
Überwindend ihren Erdengrund:
Wie sie schauert, klingt und leuchtet,
Lichtgesalbt und regenangefeuchtet,
Mit dem Himmel schloss sie ihren Bund.

Wölbig wohnen, wunderbare Haube,
Licht und Finsternis in deinem Laube,
Nacht und Tag.
Wenn die Abendsterne blinken,
Wenn die Morgensterne sinken,
Grüßt sie deines Herzens Schlag.

Friedrich Schnack (1888 - 1977)

Lindenblüten  
     
     
Die Erlen

Wo hier aus den felsichten Grüften
Das silberne Bächelchen rinnt,
Umflattert von scherzenden Lüften
Des Maies die Reize gewinnt,

Um welche mein Mädchen es liebt
Das Mädchen so rosicht und froh
Und oft mir ihr Herzchen hier gibt,
Wenn städtisches Wimmeln sie floh;

Da wachsen auch Erlen, sie schatten
Uns beide in seliger Ruh,
Wenn wir von der Hitze ermatten
Und sehen uns Fröhlichen zu.

Aus ihren belaubeten Zweigen
Ertönet der Vögel Gesang
Wir sehen die Vögelchen steigen
Und flattern am Bache entlang.

O Erlen, o wachset und blühet
Mit unserer Liebe doch nur
Ich wette, in kurzer Zeit siehet
Man euch als die Höchsten der Flur.

Und kommet ein anderes Pärchen,
Das herzlich sich liebet wie wir
Ich und mein goldlockiges Klärchen,
So schatte ihm Ruhe auch hier.

Friedrich Freiherr von Hardenberg (Novalis) (1772 - 1801)

Schwarzerlenblätter  
     
     
Der scheidende Sommer

Das gelbe Laub erzittert,
Es fallen die Blätter herab;
Ach, alles, was hold und lieblich,
Verwelkt und sinkt ins Grab.

Die Gipfel des Waldes umflimmert
Ein schmerzlicher Sonnenschein;
Das mögen die letzten Küsse
Des scheidenden Sommers sein.

Mir ist, als müsst ich weinen
Aus tiefstem Herzensgrund;
Dies Bild erinnert mich wieder
An unsre Abschiedsstund'.

Ich musste von dir scheiden,
Und wusste, du stürbest bald;
Ich war der scheidende Sommer,
Du warst der kranke Wald.


Heinrich Heine (1797- 1856)

scheidendner Sommer  

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