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Dokumentinformationen
Autor(en): Eduard J. Belser
Originalartikel: Belser, E. (2003): Wald im Dienste des Wassers - Wald Holz 84, 12: 44-45.
Online-Version: Stand: 18.11.2005
Redaktion: WSL, CH
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch

Wald im Dienste des Wassers

Wässerstelle
Überflutete Wässerstelle
Foto: E. Belser

Ohne Wasser kein Wald - ohne Wald kein Wasser: Dieser alte Grundsatz ist im Lange-Erlen-Wald zwischen Basel und der Basler Vorortsgemeinde Riehen besonders gut nachvollziehbar. Dort und im Hard-Wald bei Muttenz werden die Grundwasserströme künstlich mit Rheinwasser angereichert – ein weltweit einmaliges Beispiel zum Thema "Wald im Dienste der Trinkwasser-Gewinnung". Dass das Wasser in genügender Menge und einwandfreier Qualität zur Verfügung steht, ist nicht selbstverständlich. In weiten Teilen der Welt herrscht Mangel an sauberem Trinkwasser.

In der Schweiz ist nicht nur der Wasserverbrauch pro Person und Tag besonders hoch, man stellt auch höchste Qualitätsanforderungen an das Trinkwasser aus dem Leitungsnetz. Der Waldboden mit seiner besonders porenreichen Struktur und den darauf stockenden Bäumen mit ihrer gewaltigen Blatt- und Nadeloberfläche spielt beim Speichern, beim biologischen Reinigen und bei der stetigen Abgabe des Wassers an die Grundwasserströme und Quellen eine herausragende Rolle; er ist ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Wasserkreislaufes.

Im Basler Naherholungsgebiet zwischen Basel und der Vorortsgemeinde Riehen nutzen diese Wirkung des Waldes die Industriellen Werken Basel seit langem, um den Grundwasserstrom gezielt mit in der Grobfilterhalle mit Sandfilter mechanisch vorgereinigtem Rheinwasser anzureichern. Damit lässt sich die Grundwasserentnahme für das Versorgungsnetz weit über das natürliche Mass hinaus steigern, ohne dass der Grundwasserspiegel absinkt. Das Rheinwasser wird auf einer bewaldeten Fläche von 22 ha, aufgeteilt in 14 durch kleine Dämme getrennte Wässerstellen (siehe Foto), zum Versickern gebracht. Pro Minute sind dies, je nach Bedarf, 750 bis 1'250 Liter. Man flutet jede Wässerstelle während 10 Tagen mit einem Überstau von 20 bis 50 cm, die sich danach während 20 Tagen, trockengelegt, wieder regeneriert. Im Waldboden und dem darunterliegenden Schotter werden die im Wasser gelösten unerwünschten Bestandteile ausgefällt, gebunden und durch Bodenlebewesen abgebaut. Der Schatten des Waldes sorgt zudem dafür, dass sich das Wasser nicht zu stark erwärmt.

Das so biologisch gereinigte Sickerwasser verstärkt den vorhandenen Grundwasserstrom. Das Grundwasser wird danach in 11 Haupt- und 17 Nebenbrunnen gefasst, im Pumpwerk Lange Erlen chemisch-physikalisch nachbehandelt und in das Netz der Basler Trinkwasserversorgung eingespeist. Dieses Netz verteilt das Wasser an Privathaushalte, Industrie-/ Gewerbebetriebe und an die 170 öffentlichen Brunnen in der Stadt.

Schema der Grundwasseranreicherung

Während man in den Langen Erlen nur soviel Wasser zum versickern bringt, die dem Grundwasserstrom entnommen wird, ist es im Hard-Wald die doppelte Menge. Dadurch entsteht im Untergrund eine Art "Grundwasserberg", der verhindert, dass fremdes, möglicherweise durch die nahegelegenen Chemiebetriebe oder den SBB-Rangierbahnhof verschmutztes Grundwasser in den Bereich der Grundwasserfassungen eindringen kann. Diese beiden Werke in den Langen Erlen und im Hard-Wald liefern je etwa die Hälfte des abgegebenen Trinkwassers. Die erhöhten Abwassergebühren, die Stadtflucht, Gewerbe und Industrie sowie das Umstellen verschiedener Grossbetriebe auf eigene Wasserversorgungen, haben den Trinkwasserverbrauch in den letzten Jahren um jährlich rund 2% zurückgehen lassen.

Zudem sind die Industriellen Werke Basel im Bereich Trinkwasser nicht nur Verkäufer, sie sind auch ein Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen, welches das Trinkwassersparen durch gezielte Aktionen fördert und die Wasserbezüger über verantwortungsbewussten Umgang mit der kostbaren Lebensgrundlage berät. Deshalb lassen sich Investitionen für den quantitativen Ausbau der Versorgung verringern und Mittel für zusätzliche qualitative Verbesserungen gewinnen. Der extrem heisse, trockene Sommer 2003 liess den Wasserverbrauch in den Monaten Juli und August 2003 gegenüber den entsprechenden Vorjahresmonaten um je 10 bis 20 % ansteigen. Eine Spitzenbelastung, welche dank den leistungsfähigen Anlagen und dem Einsatz des Personals ohne Schwierigkeiten bewältigt wurde.

Versorgungsgebiet:
  • Kanton Basel-Stadt + Binningen ca. 40 km2
  • Einwohner ca. 206 000
Wassergewinnung:
  • Quellwasser 0,90 Mio. m3
  • Grundwasser:
    • Lange Erlen 14,30 Mio. m3
    • Hardwasser 13,30 Mio. m3
  • Gesamte Wassergewinnung 28,50 Mio. m3
Wasserabgabe:
  • Haushalte/Kleingewerbe 16,78 Mio. m3
  • Industrie und Gewerbe 5,60 Mio. m3
  • Öffentliche Zwecke 0,86 Mio. m3
  • Eigenverbrauch 0,40 Mio. m3
  • Mess-/Ablesediff., Verluste 3,70 Mio. m3
  • Abgabe im Versorgungsgeb. 27,34 Mio. m3
  • Abgabe an andere Werke 1,40 Mio. m3
Regionale Verteilung:
  • Abgabe im Kanton Basel-Stadt 94,9%
  • Abgabe in Binningen BL 5,1%
Einnahme aus Wasserabgaben:
  • Verkauf im Versorgungsgeb. 36,20 Mio. CHF
  • Verkauf an andere Werke 0,78 Mio. CHF
Betriebs-, Netzdaten:
  • Niederschlagsmenge 810 mm
  • Maximale Tagesmenge 105 385 m3
  • Mittlere Tagesmenge 73 978 m3
  • Mittlere Tagesmenge/Einwohner 360 Liter
  • Wasserhärte (mittelhart) 15–25 ofH
  • Länge des Rohrnetzes 465 km
  • Anzahl Pumpwerke 25
  • Anzahl Reservoire 13
  • Gesamtes Speichervermögen 65 235 m3
  • Anzahl öffentliche Brunnen 170
  • Anzahl Hydranten 5410
  • Installierte Wasserzähler 26 979
Basler Wasserversorgung in Zahlen 2000. Quelle: Kennzahlen IWB 2000.


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