| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Dietmar Zirlewagen, Klaus von Wilpert | |
| Originalartikel: | Zirlewagen, D., Wilpert, K. v. (2001): Funktionen des Waldbodens in Gefahr. Freiburger Forstliche Forschung, Heft 33. | |
| Online-Version: | Stand: 17.01.2005 | |
| Redaktion: | FVA, D | |
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Was hat Waldbau mit Trinkwasservorsorge zu tun?
Problemfeld
Landläufig
gelten Wälder als Quellbereiche für sauberes Trinkwasser. Die Filter- und Pufferfunktion
von Waldböden ist jedoch zunehmend durch Säure- und Stickstoffeinträge und die
davon ausgelösten biologischen Störungen beeinträchtigt. Chemische Veränderungen
des Niederschlags beeinflussen nicht nur Pflanze und Boden, sondern auch die
aus dem Boden gespeisten Gewässer, dem letzten Glied der ökosystemaren
Wirkungskette.
Trotz SO2- und NO2-Emissionsminderungen in
Deutschland und den angrenzenden Ländern bleiben die Gesamt-Säureeinträge
aufgrund der nach wie vor hohen N-Einträge weitverbreitet über den kritischen Belastungsgrenzen
für Wälder (Smidt et al. 1999, BML 2000). Da davon auszugehen ist, dass
auch in den kommenden Jahren die Belastungsintensität über den
ökosystemverträglichen Schwellenwerten liegen wird, stellt sich die Frage, inwieweit
durch konventionelle waldbauliche Maßnahmen (Baumartenwahl, Durchforstungs- und
Verjüngungsverfahren) unter den heute wirksamen Rahmenbedingungen die bedrohten
Bodenfunktionen unterstützt werden können.
Die Wirksamkeit waldbaulicher
Maßnahmen in bezug auf Gewässer- und Trinkwasserschutz ist im Landschaftsmaßstab
nur unscharf abschätzbar, da für die Beschaffenheit von Grund- und
Oberflächenwässern neben Bodeneigenschaften Puffer- und Umwandlungsprozesse
während der Passage durch den Aquifer verantwortlich sind. Deshalb kann der
prozessuale Zusammenhang zwischen Waldzustand, Bodenzustand und Wasserqualität
nur in modellhaften Ökosystemfallstudien mit hinreichend definierten und
kontrollierbaren Randbedingungen herausgearbeitet werden, wenn auch die
Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse durch die Individualität der Ökosystemstudien
eingeschränkt ist.
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| Abb. 1: Atmogene Gesamtsäureeinträge in der Ökosystemstudie Conventwald 1992-1998. Trennlinie: Vergleich von Freilanddaten und Waldbestandsdaten. |
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| Abb. 2: Input-Output-Analyse 1992-1998. Input = Deposition, Output = Stoffflüsse in 180 cm Tiefe. Vergleich einer Buchen-Naturverjüngungsfläche (linke Abb.) mit einem Kleinkahlschlag (rechte Abb.). |
Untersuchungsfläche
Die Ökosystemfallstudie Conventwald dient dazu, den betrieblichen Spielraum eines ökosystemverträglichen Waldbaus unter den heutigen Eintragsbedingungen auszuloten. Hierzu wird der Stoffhaushalt in buchenreichen und fichtenreichen Beständen, sowie Strukturvarianten von einem Kleinkahlschlag über kleine Bestandeslücken und Naturverjüngungsgruppen bis hin zu geschlossenen Bestandespartien seit 1991 untersucht (v.Wilpert et al. 1996, 2000; Zirlewagen & v.Wilpert 1999, 2001). Stoffflüsse führen in Waldökosystemen zur Bildung oder zum Verlust von Stoffpools und sind damit als Prognoseinstrument für die Ökosystementwicklung einsetzbar. Die Fallstudie ist nahe Freiburg im Südschwarzwald gelegen (Höhenlage: 700-860 m ü. NN, mittlerer Jahresniederschlag: 1400 mm, mittlere Jahrestemperatur: 6.6°C, Bodenentwicklung: tiefgründige Braunerden auf dunklem Paragneis). Auf der Skalenebene eines kleinräumigen Wassereinzugsgebiets können Bodensickerwasserdaten und die hydrochemische Entwicklung des Vorfluters verglichen und damit Rückschlüsse auf Umwandlungsprozesse im Aquifer ermöglicht werden.
Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse der Conventwaldstudie zeigen deutlich, dass
die Funktion von Wäldern als Trinkwasserspeicher unter dem Einfluss von
Stickstoff- und Säureeinträgen gefährdet ist. Waldbaulich können die Folgen
zumindest teilweise dadurch eingegrenzt werden, dass durch verstärkten
Laubholzanbau die Menge der durch den Wald ausgekämmten Immissionen vermindert
werden kann (s. Abb. 1). Dieser Depositionseffekt würde durch unterschiedliche
starke interne Versauerungstendenzen zwischen Laub- und Nadelbäumen und durch
das Nitrataufnahmevermögen der Buche noch verstärkt werden.
Die Vermeidung von
Kahlschlägen kann einen wesentlichen Beitrag zur Vermeidung von
Stoffhaushaltsstörungen leisten und beinhaltet damit einen wichtigen
Gewässerschutzaspekt (s. Abb.2).
Selbst kleinflächige Störungen des Bestandesgefüges zeigen
drastische Auswirkungen auf den Stoffkreislauf, wobei der Begleitvegetation,
insbesondere der Naturverjüngung, eine wesentliche Stabilisierungsfunktion
zukommen dürfte.
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Links
- Wasservorsorge in bewaldeten Einzugsgebieten
- Forstbetriebliche Optionen zur Sicherung der Wassergüte
- Die Wasserrahmenrichtlinie der EU
Kontakt
- Dr. Klaus v.Wilpert
- Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
- Wonnhalde 4
- 79100 Freiburg im Breisgau
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