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Dokumentinformationen
Autor(en): Andri Baltensweiler, Dionys Hallenbarter
Originalartikel: Baltensweiler, A., Hallenbarter, D. (2007): Mit Modellen dem Schutzwald auf der Spur. Jahresbericht der Eidg. Forschungsanstalt WSL 2006: 10-11. ISSN 1424-2699
Online-Version: Stand: 20.09.2007
Redaktion: WSL, CH
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch english français

Mit Modellen dem Schutzwald auf der Spur

Schutzwald oberhalb von Leukerbad, Wallis.
Schutzwald oberhalb von Leukerbad, Wallis.
Foto: R. Laessig (WSL)
 
Modellierter Lawinenschutzwald
Modellierter Lawinenschutzwald.

Intakte Wälder schützen vor Naturgefahren. Doch die Mittel für die Waldpflege werden immer knapper. Was tun? Zwei an der WSL entwickelte Modelle sollen die bestehenden Entscheidungs­hilfen für die Forstpraxis ergänzen.

Es geht schlussendlich um viel Geld. Wie soll nämlich der Bund die Subventionen für den Erhalt der Schutzwälder verteilen? Und welche Massnahmen lohnen sich langfristig? Richtige Antworten zu finden ist schwierig. Denn der Faktor Zeit spielt im Schutzwald eine bedeutende Rolle. Die Eingriffe von heute zeigen erst in Jahrzehnten ihre Wirkung. Nicht voraussehbar sind zudem die Auswirkungen der gekürzten Bundessubven­tionen auf die Wälder. Standen Ende der 1990er Jahre rund 55 Millionen Franken jährlich für den Schutzwald zur Verfügung, waren es 2006 noch 47 Millionen. Es gilt also, die knapper werdenden Mittel so effizient wie möglich einzusetzen.

Zwei neue Modelle, die an der Forschungsanstalt WSL er­arbeitet wurden, sollen die vorhandenen Grundlagen unterstützen, mit denen die Forstpraxis Schutzwälder beurteilt. Mit dem einen Modell ist es möglich, sämt­liche Lawinenschutzwälder der Schweiz mittels einheitlicher Kriterien auszuscheiden. Das Modell ist Teil des Projekts SilvaProtect-CH, das der Bund zur gezielteren Verteilung von Subventionen lanciert hat. Das andere Modell, das Schutzwaldmodell, liegt als Prototyp vor. Mit ihm sollte es ­möglich werden, Kosten und Nutzen verschiedener Managementstrategien im Schutzwald abzuschätzen. Und zwar für einen Zeitraum von 150 Jahren.

SilvaProtect-CH

Die kantonalen Schutzwaldausscheidungen sind bis heute über die Schweiz gesehen sehr unterschiedlich und erschweren einen Vergleich zwischen den Kantonen. Doch die knapper werdenden Mittel für den Schutzwald setzen ein gesamtschweizerisches, objektives Vorgehen und damit eine klar begründbare Verteilung der Subventionen auf die Kantone voraus. Das Projekt SilvaProtect-CH ­liefert die Grundlagen für den verbesserten Verteilschlüssel der Gelder für die Schutzwaldpflege. In Zukunft erhält jeder Kanton entsprechend seiner prozentualen Fläche am Schweizer Schutzwald Subventionen vom Bundesamt für Umwelt BAFU. Wie die Verteilung im Detail aussieht, wird zurzeit erarbeitet.

Für die Ausscheidung der Schutzwälder dienen Simulationen verschiedener Naturgefahren und deren räumliche ­Beziehung zu möglichen Schäden an Menschen und Infrastruktur. Die WSL hat für SilvaProtect-CH die Lawinenschutzwälder modelliert. Dafür waren aufwendige Simulationen von Lawinen notwendig. Lawinen- und GIS-Spezia­listen der WSL arbeiteten gemeinsam am Projekt. Wie komplex die Modellierung der Lawinenschutzwälder war, verdeutlichen folgende Zahlen: Um die Lawinengebiete automatisiert für die ganze Schweiz zu simulieren, rechneten 20 Computer sechs Monate lang. Während eines weiteren Monats wurde die Verknüpfung des Schadenpotentials mit den relevanten Waldflächen berechnet. Denn der Bergwald gilt nur dort als Lawinenschutzwald, wo er Siedlungen und ­Strassen vor Lawinen schützt.

Schutzwaldmodell

Im Schutzwald stehen dem Bewirtschafter verschiedene Managementstrategien zur Verfügung. Präventive Eingriffe machen den Wald widerstandsfähiger. Dazu gehören unter anderem Durchforstungen oder die Entnahme dicker Bäume ­zugunsten der Baumverjüngung. Nach Störungen – zum Beispiel einem Sturm – können reaktive Eingriffe die Schutzwirkung wieder herstellen. Arbeiten wie die Räumung der Sturmfläche, das Errichten von technischen Verbauungen oder Pflanzungen zählen dazu. Es ist heute schwierig, Kosten und Nutzen der verschiedenen Eingriffe abzuschätzen und deren Langzeitwirkung vergleichend zu bewerten.

Der Prototyp eines neuen, an der WSL entwickelten Schutzwald-Simulationsmodells ermöglicht nun ­solche Bewertungen. Berücksichtigt ­werden die Bestandesentwicklung, die Gefahr, dass Wind oder Insekten den Wald flächig zerstören, Naturgefahren und die mög­liche Schadenshöhe. Das Modell verknüpft diese Informationen über einen Zeitraum von 150 Jahren. Es schätzt ab, wie viel die Eingriffe kosten und welche Schäden durch Naturge­fahren zu er­warten sind. Ziel ist es, für bestimmte Managementstrategien Kosten-Nutzen-Analysen durchführen zu können.

Gemeinsam mit Fachleuten aus der Praxis wurde das Modell in einem Steinschlag-Schutzwald geprüft. Dabei ergaben sich auch unerwartete Resultate. So schnitt zum Beispiel eine Mischung aus Lärchen und Laubbäumen auf einem Buchenstandort überraschend gut ab. Grund sind die geringe Anfälligkeit für Störungen und die geringe Borkenkäfergefahr dieses Waldtyps. Zudem verjüngten sich die Laubbäume schnell, da sie weniger von Wildverbiss betroffen sind als die Weisstannen in einem benachbarten Wald.

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