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Dokumentinformationen
Autor(en): Urs-Beat Brändli, Fabrizio Cioldi
Originalartikel: Brändli, U.-B.; Cioldi, F. (2009): Ergebnisse des Landesforstinventars LFI3. Die Holzressourcen in den Kantonen. Wald Holz 90, 4: 22-24.
Online-Version: Stand: 08.04.2009
Redaktion: WSL, CH
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch français italiano

Rekordhohe Vorräte im Schweizer Wald trotz regionaler Abnahme

Laubholz
Abb. 1- Das Laubholz hat in den meisten Kantonen deutlich zugelegt. Damit sind auch die Vorräte an hochwertigem Energieholz gestiegen.
Foto: U.-B. Brändli (WSL)

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie über die Ergebnisse des dritten Landesforstinventars LFI3.

=> zur Übersicht aller Beiträge

Im Schweizer Wald stehen lebende Bäume mit einem Holzvolumen von 406 Mio. m3. Mit 345 m3 zählt der Schweizer Hektarvorrat zu den höchsten in Europa. Diesbezügliche Rekordhalter unter den Kantonen sind die beiden Appenzell. Während der Nadelholzvorrat im Gebiet des Orkans "Lothar" in vielen Kantonen abnahm, wurden in den grossen Gebirgskantonen Tessin, Wallis und Graubünden deutlich weniger als zwei Drittel des Zuwachses genutzt.

"Holz wächst an Holz". Diese Redewendung bringt zum Ausdruck, dass der Zuwachs eines Baumholz-Bestandes in der Regel grösser ist als derjenige einer Dickung. Entscheidend für die künftige Vorratsentwicklung ist also der bestehende Lebendvorrat, der "wach­sende Vorrat".

Dieser Vorrat beträgt gemäss dem dritten Schweizerischen Landesforstinventar (LFI3) rund 406 Mio. m3 Schaftholz in Rinde (siehe Tabelle). Inklusive Tot­holz ergibt sich ein Gesamtvorrat von 427 Mio. m3. Dies ist zweifellos der grösste Holzvorrat seit der Gründung der Schweiz als Bundesstaat Mitte des 19. Jahrhunderts. Davon stehen rund 30% in den beiden Kantonen BE und GR. Weitere 45% entfallen auf die Kantone VD, VS, TI, SG, ZH, LU, AG und FR. Drei Viertel der Schweizer Waldressourcen entfallen auf diese zehn Kantone.

Im Schweizer Wald stehen derzeit lebende Bäume mit einem durchschnittlichen Holzvorrat von 345 m3/ha. Dies ist deutlich mehr als in den bisherigen beiden Landesforstinventaren (1983-1985 und 1993-1995), trotz zunehmen­der Nutzung und Mortalität. Besonders vorratsreich sind die Wälder der Kantone AI, AR, SG, LU, BE und JU. Weit unter dem Durchschnitt liegen die grossen Ge­birgskantone, insbesondere der Kanton Tessin (Abb. 2).

Vorrat der lebenden Bäume pro Hektare und Kanton
Abb. 2 - Vorrat der lebenden Bäume pro Hektare und Kanton. => Kantone der Schweiz

Vorrat zumeist steigend

Durch die grossen Schäden des Orkans "Lothar", durch gravierende Folgeschäden (Borkenkäfer, Trockenjahr 2003) und als Folge der ver­stärkten Holznachfrage, nahm der Vorrat von 1995 bis 2005 mit 2% deutlich weniger zu als noch im Jahrzehnt zuvor. Dazu beigetragen haben vor allem die waldreichen und grossen Gebirgskantone TI, VS und GR mit Vor­ratzunahmen von mehr als 10%. Demgegenüber stehen erhebliche Vorratsabnahmen in den vom Orkan "Lothar" stark betroffenen Kantonen wie NW, FR, AG und ZH sowie in geringerem Masse BE, LU, SO, OW, TG und ZG (siehe Tabelle).

Während der Nadelholzvorrat gesamt­schweizerisch um 1% abnahm, stieg jener des Laubholzes um 10% an. Mit Ausnahme der Kantone NW, ZG, GE, BL, BS und JU nahm dieser in den meisten Kantonen zu. Mehr als 10% betrug die Zunahme des Laubholzvorrates in den Kantonen VS, GL, GR, UR, TI, AI, SH, LU, VD, SZ, FR, SG und TG. Mehr als 10% abgenommen hat hingegen der Nadel­holzvorrat in den Kantonen FR, AG, NW, SO, TG und ZH.

Zuwachs im Mittelland und Jura abgeschöpft

Wie viel Holz kann im Schweizer Wald nachhaltig genutzt werden? Diese Frage soll anhand von Szenarien zu den einzel­nen Waldfunktionen bis Ende 2009 mit LFI-Daten beantwortet werden. Bis zum Vorliegen dieser Resultate wird man sich am laufenden Zuwachs orientieren müs­sen. Die Ergebnisse des LFI3 belegen, dass rund 94% des Zuwachses in der Periode 1993/1995 bis 2004/2006 ge­nutzt wurden oder als ungenutzte natür­liche Mortalität im Wald verblieben sind.

Die regionalen Unterschiede sind je­doch beträchtlich. In den zentralen Teilen der Regionen Mittelland, Jura und Voralpen sowie im östlichen Mittelland lagen Nutzung und Mortalität auch als Folge des Orkans "Lothar" zumeist deutlich über dem Zuwachs. Hier wurden hohe Vorräte abgebaut und mehr oder weni­ger beabsichtigt wichtige Verjüngungs­flächen geschaffen (Abb. 3).

Nutzung und Mortalität in Prozenten des Zuwachses pro Kanton
Abb. 3 - Nutzung und Mortalität in Prozenten des Zuwachses pro Kanton. => Kantone der Schweiz

Nutzungssteigerungen noch möglich

In weiten Teilen des Alpenraumes (TI, VS, GR) verbleibt der Holzzuwachs zu einem grossen Teil im Wald. Auch in den Kantonen AI, GL, SH und AR lagen Nut­zung und Mortalität weit unter dem Zu­wachs. Künftige Nutzungssteigerungen sind beim Laubholz im zuwachsreichen Mittelland sicher noch möglich. Beim Laubholz beträgt der Anteil von Nutzung und Mortalität am Zuwachs lediglich 69%. Von den grossen Laubholzkantonen nutzen nur ZH, AG, BL, BS und JU den laufenden Zuwachs. Eine nachhaltig vermehrte Nutzung von Nadelholz ist dagegen zur Hauptsache nur in den Alpen und in den östlichen Voralpen möglich.

Download

Wenn Sie sich näher für das Schweizerische  Landesforstinventar interessieren, finden Sie auf der folgenden Website zusätzliche Informationen:

=> www.lfi.ch

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