| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Fabrizio Cioldi, Ulrich Ulmer | |
| Originalartikel: | Cioldi, F.; Ulmer, U. (2009): Ergebnisse des Landesforstinventars LFI3. Im Alpenraum mehr Holz, im Mittelland weniger. Wald Holz 90, 9: 34-37. | |
| Online-Version: | verändert, Stand: 14.09.2009 | |
| Redaktion: | WSL, CH | |
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Grössere Holzvorräte in den Schweizer Alpen, Vorratsabnahme im Mittelland
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Abb. 1 - Fichten-Douglasienbestand im Mittelland: reine Nadelwälder haben in den letzten 20 Jahren deutlich abgenommen. Foto: S. Speich (WSL) |
Bis vor etwa zehn Jahren nahm der Holzvorrat im Schweizer Wald markant zu. Dies galt für alle Regionen und Baumarten. Das dritte Landesforstinventar (LFI3) zeigt nun, dass der Vorrat nur noch im Alpenraum deutlich angestiegen ist. Im Mittelland hingegen ging er zurück, vor allem bei der Fichte. Dennoch gibt es überall mehr dicke Bäume.
Der Vorrat an lebenden Bäumen im Schweizer Wald – und damit das Kapital der Waldbesitzer – liegt derzeit bei total 405 Mio. m3, was pro Hektare 346 m3 entspricht. Private Wälder sind mit durchschnittlich 418 m3/ha markant vorratsreicher als öffentliche mit 311 m3/ha (Tab. 1). Im Jura entfallen 29%, in den Alpen 28% und auf der Alpensüdseite 24% des Vorrates auf den Privatwald. Im Mittelland (50%) und in den Voralpen (56%) ist der Anteil des Privatwaldes am Vorrat viel höher. Gesamtschweizerisch befinden sich 39% des Vorrats im Privatwald.
Seit dem zweiten LFI (1993–1995) hat der Vorrat total um 10 Mio. m3 oder 2,4% zugenommen, also weit weniger als zwischen dem LFI1 (1983-1985) und dem LFI2, als er um knapp 30 Mio. m3 oder 8,1% gestiegen war.
Auffallend sind die grossen regionalen
Unterschiede. Dies ist eine Folge unterschiedlicher Nutzungsintensitäten und
des Orkans "Lothar" im Dezember 1999 sowie des Trockenjahres 2003,
das ausgedehnte Folgeschäden durch Borkenkäfer auslöste. Während der Vorrat
auf der Alpensüdseite um 20% zunahm, ging er im Mittelland um 7% zurück. Seit
dem LFI2 sank er dort von 423 m3/ha auf
396 m3/ha.
| Tabelle 1 - Vorrat (m3/ha) nach Eigentum und Produktionsregion (Standardfehler siehe Originalartikel) | ||||||
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Jura |
Mittelland |
Voralpen |
Alpen |
Alpensüdseite |
Schweiz |
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öffentlicher Wald |
345 |
338 |
379 |
290 |
222 |
311 |
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Privatwald |
435 |
478 |
493 |
329 |
236 |
418 |
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gesamt |
368 |
396 |
436 |
300 |
225 |
346 |
Öffentlicher Wald und Privatwald unterscheiden sich auch bei der Vorratsveränderung. Im Privatwald nahm der Vorrat gesamtschweizerisch mit rund 5% stärker zu als im öffentlichen Wald mit 1% (Tab. 2). Im Mittelland war die Vorratsabnahme im öffentlichen Wald deutlich grösser (–11%) als im Privatwald (–4%).
| Tabelle 2 - Vorratsveränderung (%) LFI2-LFI3 nach Eigentum und Produktionsregion (Standardfehler siehe Originalartikel) | ||||||
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Jura |
Mittelland |
Voralpen |
Alpen |
Alpensüdseite |
Schweiz |
|
|
öffentlicher Wald |
1,8 |
-10,7 |
-5,3 |
5,8 |
23,5 |
0,9 |
|
Privatwald |
4,1 |
-3.8 |
4,6 |
21,3 |
11,1 |
4,9 |
|
gesamt |
2,5 |
-7,4 |
0,0 |
9,5 |
20,3 |
2,4 |
Buche und Tanne legten zu, Fichte nahm ab
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Abb. 2 - In den Alpen ist der Holzvorrat weiter stark angestiegen, vor allem im Privatwald. Foto: U. Wasem (WSL) |
Dieser Beitrag ist Teil einer Serie über die Ergebnisse
des dritten Landesforstinventars LFI3.
=> zur Übersicht aller Beiträge
Bei den Baumarten zeigen sich je nach Region unterschiedliche Tendenzen: Im Jura konzentriert sich die Vorratszunahme auf Tanne und Bergahorn. In den Alpen leisteten die Fichte, in den Voralpen die Buche und die Esche die grössten Beiträge zur Vorratszunahme. Auf der Alpensüdseite konzentriert sich die Vorratszunahme vor allem auf Fichte, Buche und Lärche. Im Mittelland nahm der Vorrat aller Laubhölzer zu und derjenige der Nadelhölzer ab (starke Abnahme bei der Fichte, leichte Abnahme bei Lärche und Föhre, Tanne praktisch unverändert).
Fichte, Buche und Tanne sind nach wie vor die drei dominierenden Baumarten im Schweizer Wald. Sie machen rund 66% der Stammzahl und 77% des Holzvorrates aus.
- Der Anteil der Fichte am Vorrat beträgt 44%. Er variiert zwischen 59% in den Alpen und je 29% im Jura und auf der Alpensüdseite. Der Fichtenvorrat ging seit dem LFI2 gesamtschweizerisch um 4% zurück. Im Mittelland nahm er um mehr als 9 Mio. m3 oder 23% (mit einem Maximum von –30% im westlichen Mittelland, Abb. 3) markant ab; der Fichtenanteil beträgt hier nun 34%. Deutlich weniger ausgeprägt, aber dennoch erkennbar, ist der Rückgang der Fichte in den benachbarten Regionen Voralpen und Jura. In den Alpen und auf der Alpensüdseite stieg der Fichtenvorrat hingegen an.
- Der Anteil der Tanne ist im Jura (21%) und in den Voralpen (22%) am grössten und beträgt landesweit 15%. Der Tannenvorrat nahm landesweit sogar um 5% zu, wobei in den Nord-und Südwestalpen mit 29% und auf der Alpensüdseite mit 24% die grössten Zunahmen zu verzeichnen sind. Der Tannenvorrat nahm auch im Jura (8% bis 11%) und in den westlichen sowie östlichen Voralpen um 9 beziehungsweise 13% zu. Im Mittelland blieb ihr Vorrat hingegen mehr oder weniger konstant.
- Der Anteil der Buche ist im Jura mit 31% am grössten und beträgt gesamtschweizerisch 18%. Der Buchenvorrat nahm insgesamt um rund 6% zu, mit einem Maximum von 42% auf der Alpensüdseite und 39% im Wallis (Abb. 4). Auch in den restlichen Alpenregionen, in den Voralpen und im Mittelland gab es bei der Buche eine leichte Vorratszunahme. Im Jura hingegen ist ihr Vorrat praktisch unverändert geblieben.
Seit dem LFI2 nahm der Laubholzvorrat in allen Regionen im Durchschnitt um 10% zu. Dagegen ist der Nadelholzvorrat leicht gesunken (–1%), wobei im Mittelland eine starke Abnahme von 16% zu verzeichnen ist. Gesamtschweizerisch ging der Nadelholzanteil von 71% auf 69% des Vorrates zurück, im Mittelland sogar von 62% auf 56%.
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Abb. 3 -Vorratsveränderung LFI2–LFI3 der Fichte in Prozenten pro Wirtschaftsregion (mit Angabe des einfachen Standardfehlers der Stichprobenerhebung; ± entspricht dem 68%-Vertrauensbereich) |
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Abb. 4 - Vorratsveränderung LFI2–LFI3 der Buche in Prozenten pro Wirtschaftsregion (mit Angabe des einfachen Standardfehlers der Stichprobenerhebung; ± entspricht dem 68%-Vertrauensbereich). |
Rückgang der reinen Nadelwälder
Heute sind rund 25% der Schweizer Wälder reine Laubwälder, 43% reine Nadelwälder (Abb. 5). Letztere liegen zu 69% in den Voralpen und Alpen. Insgesamt ist der Flächenanteil der reinen Nadelwälder im LFI3 um rund drei Prozentpunkte kleiner als im LFI2; derjenige der reinen Laubwälder hingegen um fast fünf Prozentpunkte grösser als elf Jahre zuvor.
Wenn man die Entwicklung seit dem LFI1 (1983–1985) anschaut, ist der Rückgang der reinen Nadelbestände sogar noch ausgeprägter. Auf der gemeinsamen Waldfläche ist der Flächenanteil der reinen Nadelwälder seit dem LFI1 von 51% auf heute 43% zurückgegangen, mit einer Abnahme in allen fünf Regionen. Im Mittelland war die Abnahme von 39% auf 26% am grössten.
In Jungwüchsen und Dickungen nahm der Anteil an reinen und gemischten Laubwäldern seit dem LFI2 von 51% auf 68% zu, im Mittelland sogar von 49% auf 75%. In den Jungwaldflächen der Tieflagen dominieren reine Laubwälder mit einem Anteil von 62%. Mit zunehmender Entwicklungsstufe nimmt sowohl in den Tief- als auch in den Hochlagen der Nadelholzanteil zu. Die Entwicklung in Richtung laubholzreichere Wälder, sei es als reine oder gemischte Laubbestände, dürfte sich somit in den nächsten Jahren fortsetzen.
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Abb. 5 - Waldfläche nach Mischungsgrad und Inventur (Standardfehler siehe Originalartikel) |
Starkholzanteil weiterhin steigend
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Abb. 6 - Der Vorratsanteil von Bäumen ab 52 cm BHD hat weiter zugenommen. Foto: S. Speich (WSL) |
Wenn Sie sich näher für das Schweizerische Landesforstinventar interessieren, finden Sie auf der folgenden Website zusätzliche Informationen:
=> www.lfi.ch
Das Verhältnis von Nadelholz zu Laubholz am Vorrat beträgt heute bei BHD ab 52 cm rund 80 : 20, bei BHD zwischen 12 und 15 cm hingegen etwa 50:50. Unter den Weisstannen und Lärchen gibt es besonders viele dicke Bäume. 44% ihres Vorrates befinden sich in der Durchmesserklasse "ab 52 cm".
Die Trends zunehmender Starkholzanteile fielen bereits im LFI2 auf. Die Ergebnisse der drei Inventuren ermöglichen nun eine Analyse der Entwicklung über einen Zeitraum von 21 Jahren. Seit dem LFI1 lässt sich feststellen, dass die Starkholzvorräte bei allen Baumarten markant zunahmen. Diese Entwicklung ist sowohl im Privatwald als auch im öffentlichen Wald und in allen Regionen zu beobachten.
Der Starkholzanteil (ab 52 cm BHD) stieg zwischen LFI1 und LFI3 im Durchschnitt von 24% auf 34% an. Bei den drei häufigsten Baumarten sieht die Zunahme folgendermassen aus:
- - bei der Fichte von 27% auf 38%
- - bei der Tanne von 26% auf 44%
- - bei der Buche von 17% auf 27%
Während im LFI1 landesweit rund 84 Mio. m3 auf Starkholz über 52 cm BHD entfielen, weist diese Stärkeklasse heute fast 134 Mio. m3 Holz auf. Einzig bei der Fichte im Mittelland gab es zwischen dem LFI2 und dem LFI3 mengenmässig eine leichte Abnahme des Vorrats in der Stärkeklasse ab 52 cm BHD, obwohl anteilmässig eine Zunahme von 30% auf 36% festgestellt wurde.
Ähnliche Trends zeigen auch die Ergebnisse der nationalen Waldinventuren in Deutschland (insbesondere in den Regionen Baden-Württemberg und Bayern) und Österreich. Die Starkholzzunahme ist eine Folge der Waldbaupraxis der vergangenen rund 100 bis 150 Jahre, die vom Vorratsaufbau und der naturnahen Waldbewirtschaftung geprägt war.
Download
- Der Originalartikel ist als PDF-Datei verfügbar (2.15 MB).
Links
- Das Schweizerische Landesforstinventar LFI
- Rekordhohe Vorräte im Schweizer Wald trotz regionaler Abnahme
- Indikatoren zur Biodiversität in Waldinventuren
- Österreichische Waldinventur 2000-2002: Holzgewächse
- Österreichische Waldinventur 2007/09 startet
- Die wichtigsten Ergebnisse der zweiten Bundeswaldinventur (Deutschland)
- Methodik der Bundeswaldinventur (Deutschland)
- Waldinventuren - aktuelle Bedeutung und Weiterentwicklung
Kontakt
Fabrizio Cioldi
Eidg. Forschungsanstalt WSL
Wissenschaftlicher Dienst LFI
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 BirmensdorfTel: +41 44 739 26 84
Fax: +41 44 739 22 15
Urs-Beat Brändli
Eidg. Forschungsanstalt WSL
Wissenschaftlicher Dienst LFI
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 BirmensdorfTel: +41 44 739 23 43
Fax: +41 44 739 22 15
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