deutsch | english | français | italiano | slovenian
Home
Home Kontakt | Impressum | Wir über uns | RSS-Feed | Sitemap
Themen  >  Inventur und Monitoring  >  Waldinventuren  > 
Dokumentinformationen
Autor(en): Wolfgang Russ
Originalartikel: Russ, W. (2004): Verbreitung seltener Holzgewächse laut österreichischer Waldinventur, BFW-Praxisinformation, Wien, (6): 3-5
Online-Version: Stand: 07.02.2005
Redaktion: BFW, A
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch

Verbreitung seltener Holzgewächse laut österreichischer Waldinventur

Seit 1961 erhebt die österreichische Waldinventur auf einem Stichprobennetz ökologisch und ökonomisch relevante Parameter, die repräsentative und statistisch abgesicherte Aussagen über den Zustand des österreichischen Waldes und dessen Veränderungen ermöglichen. Im Zuge der Inventurperiode 1992-1996 wurden erstmals über 140 verschiedene Holzgewächse erhoben.

Anlässlich der jüngsten Inventurperiode 2000-2002 wurde die Liste der aufzunehmenden Holzgewächse erweitert und erstmals wurden auch ihre Schichtzugehörigkeit und die schichtbezogene Artenmächtigkeit nach Braun-Blanquet angegeben. Traditionell konzipierte Großrauminventuren wie die ÖWI stoßen jedoch bei sehr seltenen Ereignissen wie das Antreffen seltener Arten rasch an die Grenzen ihrer Repräsentativität und Aussagekraft. Um jedoch mehr über ihr Vorkommen aussagen zu können, wurde das Erhebungssystem adaptiert und eine spezielle Stichprobentechnik eingeführt. Dabei wurden acht Baum- und vier Straucharten nicht nur auf den Probeflächen, sondern auch außerhalb dieser beim erstmaligen Antreffen im gesamten Bereich der Erhebungscluster nach Art, Fundort, Entfernung und Höhe vermerkt (Distance Sampling, vgl. Tab. 1).

 Tab. 1: Beobachtungshäufigkeit seltener Baum- und Straucharten
Tab. 1: Beobachtungshäufigkeit seltener Baum- und Straucharten

Die Eibe als außerordentlich langsamwüchsige Schattbaumart besitzt ein großes potenzielles Verbreitungsgebiet in Österreich, das allerdings durch ihre geringe Frosthärte und geringe Konkurrenzkraft eng begrenzt wird. Ihr optimaler Standort wären frische Buchenstandorte, sie weicht aber konkurrenzbedingt auf feuchtere wie auch auf trockenere Böden in Steilhang- und Schluchtwäldern aus. Außerhalb dieses Verbreitungsareals ist sie nur selten anzutreffen. Durch Kahlschlagwirtschaft, Wildverbiss und Jahrhunderte lange Übernutzung (Bogenholz) ist das ursprüngliche Eibenvorkommen in Österreich stark zurückgegangen. Auch wegen ihrer Giftigkeit für die in der Land- und Forstwirtschaft als Arbeitstiere eingesetzten Pferde wurde die Eibe von den Bauern stark dezimiert. Insgesamt konnte die Eibe von den Erhebern auf rund 0,03 % aller Erhebungseinheiten (Cluster) der österreichischen Waldinventur angetroffen werden. Die sich daraus ergebende Verbreitungskarte stimmt gut mit vorhandenen Florenkartierungen zusammen. Der Verbreitungsschwerpunkt der Eibe liegt deutlich im Bereich der nördlichen Kalkalpen.

Die Bergulme ist die in Mitteleuropa am weitesten verbreitete Ulmenart der Ebene, des Hügellandes und des Mittelgebirges (bis 1300 m). Sie ist von den drei in Österreich heimischen Arten aufgrund ihres größeren Verbreitungsgebietes und des häufig isolierten Vorkommens in schattigen Tälern und Schluchten außerhalb der Flugweite des Ulmensplintkäfers am wenigsten durch das Ulmensterben gefährdet. Sie wurde von allen Arten am häufigsten angetroffen und auch in ihrem Fall stimmt die festgestellte Verbreitung gut mit bereits vorhandenen Florenkartierungen überein. Der Verbreitungsschwerpunkt der Feldulme als anspruchsvolle, wärmebedürftige Baumart der Ebene, der Flusstäler und Auen erstreckt sich vorwiegend auf den Osten Österreichs. Vereinzelte Vorkommen in der Südsteiermark und in Oberösterreich sind auf Au- und Flussgebiete beschränkt und wurden auch durch vorhandene regionale Florenkartierungen bestätigt. Die Feldulme ist die durch das Ulmensterben am meisten gefährdete, heimische Ulmenart und hat dadurch bedingt bereits massive Arealverluste zu verzeichnen. Die weniger anspruchsvolle, jedoch sehr licht- und wärmebedürftige Flatterulme ist die seltenste der heimischen Ulmenarten. Ihr Verbreitungsgebiet ist an den Donaulauf sowie auf das niederösterreichische Weinviertel beschränkt. Vereinzelte Vorkommen in der Steiermark und im Burgenland sind auf Flussauen begrenzt.

Der flachwurzelnde Holzapfel liebt kalkhältige, frische Böden in lichten Lagen, stockt aber oft auch auf kalkfreien, tiefgründigen Böden. Er ist zerstreut in Hecken, Gebüschen, an Waldrändern und in lichten Waldbeständen anzutreffen. Aufgrund seines geringen Wuchses bei gleichzeitig hohem Lichtbedarf kann er sich in geschlossenen Beständen gegen konkurrenzstärkere Hauptbaumarten nicht durchsetzen und dunkelt nach und nach aus. Durch die Überführung vieler Nieder- und Mittelwälder in Hochwälder, aber auch durch Wildverbiss ist das Vorkommen des Holzapfels in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Dennoch ist der Holzapfel in ganz Österreich anzutreffen, sein Hauptverbreitungsgebiet liegt in den niederösterreichischen Voralpen, dem Wiener Becken, im Weinviertel, dem Mittel- und Südburgenland sowie der Ost- und Weststeiermark. Die tiefwurzelnde Wildbirne ist hinsichtlich ihrer Standortsansprüche dem Holzapfel ähnlich, jedoch wärmeliebender, noch lichtbedürftiger und stellt höhere Ansprüche an den Boden. Sie ist wie der Holzapfel durch Intensivierung des Hochwaldbetriebes und Wildverbiss in den letzten Jahrzten stark zurückgegangen und auch ihr Verbreitungsgebiet ähnelt dem des Holzapfels, erstreckt sich jedoch nicht so weit nach Westösterreich. Insgesamt ergibt sich auch beim Wildobst eine gut Übereinstimmung der festgestellten Verbreitungsgebiete mit bereits vorhandenen Florenkartierungen.

Der Speierling als tiefwurzelnde Baumart auf mineralkräftigen, bindigen, frischen Böden des sommerwarmen Ostens ist die seltenste der erhobenen Baumarten. Insgesamt konnten von den Erhebern der ÖWI nur sechs Einzelexemplare in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet im Weinviertel, dem Wiener Becken, dem Marchfeld und dem Mittelburgenland angetroffen werden.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die großräumigen Verbreitungsschwerpunkte der nach der ÖWI-Sondererhebung (Distance Sample) erfassten seltenen Baumarten sehr gut mit vorhandenen regionalen Florenkartierungen übereinstimmen und von diesen großflächig bestätigt wurden. Diese Inventurmethode scheint demnach als großräumiges Erhebungswerkzeug, um Informationen über die Verbreitung seltener Arten zu erhalten, geeignet zu sein.

Kontakt


(erweitert)