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Dokumentinformationen
Autor(en): Heimo Schodterer
Originalartikel: Schodterer, H. (2004): Verjüngung und Wildeinfluss - Inventurergebnisse richtig interpretieren. Forstschutz Aktuell, Wien, Heft 31, Seite 13-16
Online-Version: Stand: 26.01.2005
Redaktion: BFW, A
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch

Wildeinfluss auf die Baumartenmischung in Österreichs Wald

Die Österreichische Waldinventur (ÖWI) klassifiziert den Verbiss an der Einzelpflanze folgendermaßen:

Bei mehrjährigem Leittriebverbiss werden die Pflanzen nicht nur physiologisch geschädigt, sie bleiben auch im Höhenwachstum zurück und fallen später oft konkurrenzbedingt aus. Obwohl auch ein einmaliger Leittriebverbiss zu Infektionen oder Zwieselbildung und damit zu einem Wertverlust führen kann, wurde die Einteilung so getroffen, dass der Wildeinfluss im Zweifelsfall unterschätzt wird. Die Ergebnisse sind daher als Mindestwerte aufzufassen.

Auf der Fläche wird ein Soll-Ist-Vergleich durchgeführt. Sind ausreichend ungeschädigte Pflanzen vorhanden, so liegt kein Wildschaden vor, auch wenn z.B. 90 % aller Pflanzen verbissen sind. Die Orientierung der Zielbaumarten an der natürlichen Waldgesellschaft stellt sicher, dass zum Beispiel Tanne nur im Fichten-Tannen-Buchenwald gefordert werden kann, nicht aber im Buchenwald. Die Sollzahlen wurden so tief wie möglich angesetzt. Auf den Flächen mit zu geringer Pflanzenzahl für einen klassischen Soll-Ist-Vergleich wurden Verbissparameter zur Beurteilung definiert. Beispielsweise wird mehrfacher Leittriebverbiss an bis zu 30 % der Pflanzen als „Wildeinfluss“ eingestuft. Wird auf einer verjüngungsnotwendigen Fläche keine Verjüngung angetroffen, so müssen dafür verantwortliche Hemmfaktoren gutachtlich angesprochen werden. Verbiss darf bei der ÖWI aber nur angegeben werden, wenn konkrete Hinweise dafür zu finden sind. Damit ist man mit dem Ergebnis auf der „sicheren Seite“. Der als Schaden klassifizierte Wildeinfluss wird daher auch in den untenstehenden Ergebnissen wahrscheinlich erheblich unterschätzt (seit 2006 liegen die Ergebnisse des Wildeinflussmonitorings vor: www.wildeinflussmonitoring.at; Anm. d. Red.).

Darstellung des Wildeinflusses

Je nach Befundeinheit (Bund, Land, gesamte verjüngungsnotwendige Fläche (VJNF), VJNF ohne Verjüngung, VJNF mit vorhandener Verjüngung, Gesamtwald, …) und Stratifizierung (z.B. Betriebsarten, Wirtschaftswald, Schutzwald, Eigentumsarten, Waldgesellschaften, usw.), also je nach Blickwinkel, ergeben sich unterschiedliche Prozentsätze. Bei der Interpretation der Ergebnisse muss daher die Bezugsfläche beachtet werden.

Verjüngungshemmfaktoren
Abb. 1: Verjüngungshemmfaktoren
 
Wildschaden an der VNJNF
Abb. 2: Wildschaden auf den verjüngungsnotwendigen Flächen
 
Wildschadensanteil an der VJNF mit vorhandender Verjüngung
Abb. 3: Wildschadensanteil auf den verjüngungsnotwendigen Flächen mit vorhandender Verjüngung
Ursachen für das Fehlen von Verjüngung

Fehlte auf verjüngungsnotwendigen Flächen die Verjüngung, wurde in ein Viertel der Fälle Verbiss durch Schalenwild als Ursache anhand konkreter Hinweise angesprochen. Etwas über ein Zehntel der Fälle ist auf Weidevieh zurückzuführen. Die übrigen Hemmfaktoren (Abb. 1) sind hauptsächlich etwa zu gleichen Teilen Lichtmangel und Konkurrenz durch Bodenvegetation. Keimlingsverbiss, spurloses Verschwinden von Verjüngung, Überlagerung durch andere Hemmfaktoren usw. kann ohne Vergleichszaun nicht quantifiziert werden und bleiben in den Inventurergebnissen unberücksichtigt.

Wildeinfluss und Wildschadensflächen

Auf der gesamten verjüngungsnotwendigen Fläche, das sind 36 % der gesamten Waldfläche, sind im Nadelwald 35 %, im Mischwald 55 %, im Laubwald 48% und im Durchschnitt 44% als Wildschadensflächen einzustufen (Abb. 2).

Die verjüngungsnotwendige Fläche mit vorhandener Verjüngung umfasst 15 % der gesamten Waldfläche. 81 % der Verjüngungsflächen sind durch Wildverbiss beeinflusst (einfacher Leittriebverbiss), auf über zwei Drittel der Fläche wird Verbiss nach obigen Kriterien als Schaden eingestuft.

Gegenüber der letzten Inventurperiode sind diese Werte leicht gesunken. Ursache dafür sind die aktuell höheren Pflanzenzahlen, die sich im Soll-Ist-Vergleich positiv auswirken. Dieses vermutlich durch einige stärkere Samenjahre bedingte, höhere Angebot an Verjüngungspflanzen findet sich aber vor allem in den ersten beiden Höhenklassen. Wie viele dieser Pflanzen unverbissen in obere Höhenklassen durchwachsen können oder durch alljährlichen Leittriebverbiss bis zum endgültigen Ausfall "unten sitzen bleiben", wird sich erst zeigen.

Linktipp

Österreichisches Wildeinflussmonitoring 2004/06: www.wildeinflussmonitoring.at

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