deutsch | english | français | italiano | slovenian
Home
Home Kontakt | Impressum | Wir über uns | RSS-Feed | Sitemap
Themen  >  Inventur und Monitoring  >  Waldentwicklung  > 
Dokumentinformationen
Autor(en): Hansruedi Stierlin
Originalartikel: Stierlin, H.R., 1998: Der Laubholzanteil hat zugenommen. Ulmen welken, Bergahorn und Linde legen kräftig zu! - Wald Holz 79, 11: 31-34.
Online-Version: Stand: 29.08.2006
Redaktion: WSL, CH
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch

Zweites Landesforstinventar: Ulmen welken, Bergahorn und Linde legen kräftig zu

Entwicklung der Baumartenanteile im Schweizer Wald

Bergahorn
Abb.1  - Beim Bergahorn (Acer pseudoplatanus) überstieg der Zuwachs die Nutzung um das Dreifache.
Foto: U.-B. Brändli (WSL)
 
Bergulme
Abb. 2 - Die Bergulme (Ulmus glabra) leidet seit etwa 1975 unter der Ulmenwelke. Innert ca. 10 Jahren ist die Zahl der lebenden Ulmen um 30% zurückgegangen.
Foto: H. Stierlin (WSL)
 
Linde
Abb. 3 - Bei der Sommerlinde (Tilia platyphyllos) lag der Zuwachs zwischen 1985 und 1995 wesentlich über der Nutzung.
Foto: H. Stierlin (WSL)

Zwischen 1985 und 1995 haben die Stammzahlen von Bergahorn und Linde überdurchschnittlich stark zugenommen; dagegen sank der Anteil der Ulme um rund 30%. In der ganzen Schweiz waren junge Bestände1995 laubholzreicher als 10 Jahre zuvor. Die Wälder sind aber auch älter und dichter geworden, und der Anteil an Verjüngungsflächen ist zurückgegangen.

Im Jahre 1914 verfasste Philipp Flury, Adjunkt an der forstlichen Versuchsanstalt (heute WSL), einen Bericht über die forstlichen Verhältnisse der Schweiz. Er ermittelte damals anhand von Umfragen und Schätzungen einen flächenmässigen Nadelholzanteil im Schweizer Wald von 70%. Rund 70 Jahre später brachte das erste Landesforstinventar (LFI) erstmals genaue Zahlen über den Schweizer Wald. Die Zahlen von Flury lassen sich am ehesten mit den Flächenangaben des LFI zur im Bestand vorherrschenden Baumart vergleichen. Dabei ist zu beachten, dass die Waldfläche seit 1914 erheblich zugenommen hat, überwiegend im Areal der Nadelwälder. Der Anteil der Nadelholzbestände beträgt im zweiten LFI 66%. Der Vergleich der Baumartenanteile zeigt folgendes:

  Flury (1914)
LFI2 (1993/1995)
Fichte  40 %   43 %
Tanne  20 %
 11 %
übriges Nadelholz
 10 %
 12 %
Buche  15 %  18 %
übriges Laubholz
 5 %  16 %

Weniger Tannen, mehr Laubbäume

Eine Abnahme der Tanne von 20% auf heute 11% erscheint plausibel. Waldbauprofessor H. Leibundgut beschreibt 1987 den Tannenrückgang - vor allem denjenigen im Mittelland - als Folge...

Zudem erzielt die Tanne auf dem Holzmarkt einen schlechteren Preis als die Fichte. Auch das dürfte ein Grund sein, dass die Tanne weniger häufig angebaut wird als zur Zeit des Tannenbooms um die Jahrhundertwende. Der flächenmässige Anteil der Laubbäume hat seit dem ersten LFI um 1% zugenommen. So hat die Buche ihren Flächenanteil um rund 1% auf 18% gesteigert, während die Waldbestände, in denen eine Nadelbaumart vorherrscht, leicht abgenommen haben.

Im Landesforstinventar wurden insgesamt 82 verschiedene Gehölzarten aufgenommen. Eine gute Übersicht über die Verbreitung der Baumarten, wie sie im ersten LFI festgestellt wurde, und Aspekte des Standortes gibt der WSL-Bericht 342 "Die häufigsten Waldbäume der Schweiz". Die Zweitaufnahme des LFI macht es erstmals möglich, die Veränderungen der Baumartenanteile im Schweizer Wald festzuhalten.

Vier von zehn Bäumen im Schweizer Wald sind Fichten. Die Fichte prägt das Waldbild entscheidend; sie dominiert oft die Wälder der Tieflagen, aber vor allem die Wälder im Gebirge. Häufiger als die Fichte sind lediglich Buche und Kastanie auf der Alpensüdseite und die Buche im Jura. Fremdländische Baumarten (Exoten) wie Douglasie, Schwarzföhre, Strobe, Thuja, Mammutbaum, Robinie, Roteiche, exotische Pappelarten, Rosskastanie usw. machen nur 0,6% aller Bäume aus und sind gesamthaft unbedeutend.

Bergahorn und Linde legten kräftig zu

Um mehr als 10% haben die Stammzahlen von Bergahorn und Linde zugenommen. Beide Baumarten verzeichnen zudem eine Zunahme des Vorrates um mehr als einen Viertel. Damit gehören sie zu den Baumarten mit der grössten Vorratszunahme. Der Vorrat des Bergahorns ist seit dem ersten LFI so stark gestiegen, weil der Holzzuwachs rund dreimal grösser war als die Nutzung. Auch bei der Linde lag der Zuwachs weit über der Nutzung. Weitere Baumarten mit über 20% Vorratszunahme sind Birke und Esche. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die genannten Baumarten vorwiegend auf guten Standorten wachsen.

Dass bei Fichte, Buche, Tanne, Eiche, Erle und anderen Baumarten die Stammzahlen abgenommen, aber der Vorrat zugenommen hat, ist kein Widerspruch. Bei diesen Baumarten wurden mehr Stämme genutzt als in der gleichen Periode eingewachsen sind. Der Zuwachs der verbleibenden Bäume war jedoch grösser als die Nutzung, was zu einer Vorratszunahme führt. Für alle Baumarten hat die Stammzahl um 1,7% abgenommen, während der Vorrat um 7,3% zugenommen hat.

Zu den Verlierern gehören Ulme und Waldföhre

Die Ulme (Bergulme 98%, Feldulme 2%) leidet in der Schweiz seit etwa 1975 unter der Ulmenwelke. Diese Krankheit wird vom Ulmensplintkäfer übertragen und führt zum Absterben von Zweigen, ganzen Kronenteilen und schliesslich des ganzen Baumes. Im Forstschutz-Überblick des Jahres 1997 wird die Ulmenwelke aus 147 Forstkreisen gemeldet; sie ist nahezu im gesamten Verbreitungsgebiet der Ulmen zu finden. Aus vielen Forstkreisen wird zudem gemeldet, dass die Ulmen praktisch ausgestorben seien. Zwischen dem ersten und dem zweiten LFI hat die Zahl der lebenden Ulmen um über 800’000 abgenommen, was einer Abnahme von 30% entspricht. Der Ulmenvorrat ist um 22% zurückgegangen. Für den Fortbestand und die Entwicklung einer Baumart sind die Anzahl junger Bäume massgebend; doch auch bei jungen Ulmen musste eine Abnahme von 30% festgestellt werden. Für die Ulmen sieht die Zukunft deshalb leider düster aus.

Die Anzahl lebender Waldföhren hat seit dem ersten LFI um rund 10% abgenommen und der Vorrat ist um 2% zurückgegangen. Dieser Rückgang ist vor allem im nordöstlichen Mittelland und in der kollinen/submontanen Höhenstufe zu beobachten. Die Waldföhre ist in der Vergangenheit über ihr natürliches Verbreitungsgebiet hinaus aus wirtschaftlichen Gründen stark gefördert worden. Bekannt und beliebt sind die schönen Waldbilder mit einzeln stehenden Föhren-Überhältern. In vielen Beständen ist die Waldföhre hiebsreif und wird vermehrt genutzt. So übertraf die jährliche Nutzungsmenge seit dem ersten LFI den Zuwachs um rund 25’000 m3.

Weniger reine Nadelwälder, mehr junge Laubbestände

Je nach Standort und langjähriger waldbaulicher Behandlung der Wälder entstehen Reinbestände oder Mischwald. In den Hochlagen (obere montane und subalpine Höhenstufe) herrschen ganz klar die reinen Nadelwälder vor, die dort auch standortsheimisch sind. Nur auf 15% der Fläche sind hier Laubwälder anzutreffen. In den Tieflagen (kolline/submontane und untere montane Stufe) sind die Anteile von Laub- und Nadelwäldern etwa gleich (Abb 4).

Mischungsgrad in Hoch- und Tieflagen
Abb. 4 - Mischungsgrad in Hoch- und Tieflagen

Seit dem ersten LFI ist der Anteil der reinen Nadelwälder gesamtschweizerisch von 50% auf 46% zurückgegangen; dafür haben die Mischwälder leicht zugenommen. In den Jungwüchsen und Dickungen der Region Mittelland ist der Anteil der reinen und gemischten Laubholzbestände von 38% auf 50% angestiegen. Jüngere Bestände, vor allem solche in den Tieflagen, sind heute wesentlich laubholzreicher als ältere Bestände, was eine Folge der naturnaheren Waldpflege ist.

Aus ökologischer Sicht interessieren auch die Anteile der Baumarten in den verschiedenen Waldgesellschaften. In den Nadelwaldgesellschaften dominiert die Fichte klar. Aber auch auf Standorten, die natürlicherweise Buchenwälder tragen würden, beträgt der Anteil der Nadelbäume immerhin 53%, davon sind 32% Fichte. Dieser hohe Anteil an Fichte und anderen Nadelbäumen ist dem Waldbau der vergangenen Jahrzehnte zuzuschreiben. Seit dem ersten LFI ist der Anteil der Nadelbäume in den Buchenwäldern leicht zurückgegangen. Die "übrigen Laubwälder" sind bedeutend laubholzreicher; hier beträgt der Anteil der Laubbäume 72%.

Ältere und dichtere Wälder

Die Waldbestände sind in den letzten 10 Jahren älter geworden. Das mehrheitlich geschätzte Alter der Waldbestände betrug im ersten LFI durchschnittlich 91 Jahre; es hat im zweiten LFI auf 97 Jahre zugenommen. In der Altersklasse bis 30 Jahre ist die Waldfläche verglichen mit dem ersten LFI kleiner; es sind also weniger junge Bestände vorhanden als vor 10 Jahren. Dagegen ist der Flächenanteil der Altersklassen über 90 Jahre grösser geworden. Dies ist ein Hinweis darauf, dass weniger Waldfläche verjüngt wurde. Tatsächlich konnte festgestellt werden, dass der Anteil der Jungwüche und Dickungen seit dem ersten LFI von 10% auf 8% zurückgegangen ist.

Die Wälder sind aber auch dichter geworden. Die Basalfläche pro Hektare als Mass für die Dichte von Beständen hat seit dem ersten LFI im Schweizer Durchschnitt von 30 m2/ha auf 32 m2/ha zugenommen. Die Basalfläche ist allerdings altersabhängig; werden die Bestände älter, so steigt auch die Basalfläche an. Andere Strukturmerkmale, die altersunabhängig sind wie z.B. der Bestandesdichteindex oder der Schlussgrad zeigen ebenfalls eine Tendenz zu dichteren Beständen.

Wie geht die Entwicklung im Schweizer Wald weiter ?

Das Wichtigste in Kürze

- Fichte, Buche und Tanne sind die dominierenden Baumarten. Sie machen zusammen rund 70% aller Bäume aus.

- Der Anteil der Laubbaumarten hat zugenommen.

- Nur 0,6% aller Bäume sind fremdländische Baumarten (Exoten).

- Die Anteile von Bergahorn und Linde haben überdurchschnittlich zugenommen;  diejenigen von Ulme und Waldföhre haben abgenommen.

- Der Anteil reiner Nadelwälder hat von 50% auf 46% abgenommen.

- Die Wälder sind älter und dichter geworden.

- Der Flächenanteil von Jungwüchsen und Dickungen ist von 10% auf 8% zurückgegangen

In der relativ kurzen Zeitspanne von 10 Jahren konnten mit dem zweiten LFI zum Teil erhebliche Veränderungen im Schweizer Wald nachgewiesen werden. Falls diese Entwicklung anhält, werden unsere Wälder in den kommenden Jahren zunehmend dichter, vorratsreicher und älter. Wie es um die Nachhaltigkeit längerfristig aussieht und wie sich diese Entwicklungen fortsetzen werden, darüber wird das dritte Landesforstinventar ab 2007 Auskunft geben.

Publikation

Links

Kontakt


(erweitert)