| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Hans Sonderegger, Rudolf Litscher (SUVA) | |
| Originalartikel: | Sonderegger, H. (2006): Praxistest: Holzrücken mit Kunststoffseil. - Wald Holz 87, 7: 50-51. | |
| Online-Version: | Stand: 29.08.2006 | |
| Redaktion: | WSL, CH | |
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Praxistest: Holzrücken mit Kunststoffseil
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| Abb. 1- Rückefahrzeug HSM 805 C beim Bergabziehen von ganzen Bäumen mit dem Kunststoffseil. |
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| Abb. 2- Hervorragende Seilwicklung auf der Seiltrommel. |
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| Abb. 3 - Endkausche mit Haken, Chocker und Ketten. Bei voller Zugkraft wurde das Kunststoffseil durch die Choker abgeschert. |
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Abb. 4 - Die
längste Lebensdauer des Kunststoffseils liess durch Anspleissen eines
Stahlseils mit Haken und Kausche erreichen. |
Dyneema ist eine hochfeste Polyethylen-Faser, die bei gleichem Gewicht bis zu 15 mal zugfester ist als Stahl. Verwendet wird Dyneema unter anderem zur Herstellung von Angelschnüren, Fischernetzen, Bandschlingen, kugelsicheren Schutzwesten, Motorradhelmen, Handschuhen, Snowboards und diverser Hilfsmittel im Bereich Klettersport.
Quelle: Wikipedia
Die Forstgemeinschaft Altstätten (Kanton St. Gallen) erntete im Winter 2005/2006 im Rahmen eines Praxistests rund 300 m3 Buchen- und Fichtenstarkholz mit einem Dyneema-Kunststoffseil. Der Vergleich mit einem kompaktierten Stahlseil brachte aufschlussreiche Ergebnisse.
Vom Dezember 2005 bis März 2006 wurden im Betrieb der Forstgemeinschaft Altstätten rund 300 m3 Buchen- und Fichtenholz mit einem Dyneema-Kunststoffseil im Bodenzug gerückt. Die Starkholzschläge befanden sich ober- und unterhalb von Waldstrassen. Die Stämme wurden bei einer mittleren Zuzugsdistanz von 60 m über Waldboden, Sandsteinplatten und Wiesen gerückt (Abb. 1).
Forstmaschinenführer Hanspeter Meier setzte dafür das betriebseigene Rückefahrzeug HSM 805 C ein. Die Doppeltrommelwinde mit einer Zugkraft von 2 x 80 kN war mit einem kompaktierten 12-mm-Stahlseil von 150 m Länge (132 kN Mindestbruchkraft) und einem ebenfalls 150 m langen 14-mm-Kunststoffseil (Dyneema "Dynatec T12", 177 kN Mindestbruchkraft) ausgerüstet. Das Dyneema-Windenseil ist als seelenloses Rechteckgeflecht aus 12 Litzen gefertigt. Das Gewicht dieses Kunststoffseils beträgt nur 10,8 kg pro 100 m. Es wurde von der Seilerei Kuert + Co. AG in Langenthal zum Preis von Fr. 19.50 pro Laufmeter bezogen. Ein vergleichbares Stahlseil wiegt das Zehnfache.
Beide Seile wurden vor Testbeginn mit hoher Zugkraft auf die Windentrommeln aufgewickelt, um die Seile an die Seiltrommeln anzupassen (Abb. 2). Trotz des grösseren Durchmessers konnte auch das Kunststoffseil in voller Länge aufgespult werden. Die Seillagen wurden so zusammengepresst, dass sich keine Hohlräume bildeten. Das Kunststoffseil wurde nicht nur zum Rücken, sondern auch als Fällhilfe eingesetzt. Die zu Beginn des Tests verwendeten Seilendverbindung wie Kauschen, Knöpfe, Haken und Chocker (Abb. 3) bewährten sich nicht. Das Kunststoffseil wurde an den Biegungen am Seilende von Chockern oder Haken schon nach kurzer Zeit durchgeschnitten. Zur Lösung dieses Problems wurde von der Seilerei Kuert ein 4 m langes Stahlseil angespleisst (Abb. 4).
Aufschlussreiche Testergebnisse
Die im Verlaufe des Tests gesammelten Erfahrungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Das Aufspulverhalten des Kunststoffseils war sehr gut. Es liess sich sehr dicht aufwickeln. Die Wicklungen lösten sich nicht selbsttätig. Bei allfälligen Seilkreuzungen entstanden keine Quetschungen. Beim Unterziehen verhielt sich das Kunststoffseil wie ein Stahlseil. Weder beim Auf- noch beim Abwickeln entstanden Krangel.
- Das im Vergleich zu einem ähnlichen Stahlseil zehnmal geringere Eigengewicht des Kunststoffseils wirkte sich ergonomisch gut aus. Besonders beim Ausziehen bergwärts konnte auf eine Ausspulvorrichtung verzichtet beziehungsweise eine Person eingespart werden.
- Beim Einsatz als Fällhilfe hatte das geringere Gewicht des Kunststoffseils ebenfalls einen positiven Effekt: Die Standzeiten des Rückefahrzeugs wegen der Montage waren kürzer.
- Bei einem Seilbruch wurden weder das Seil noch die Anschlagmittel (Ketten, Chocker, Würgestruppen) herumgeschleudert. Alles fiel unverzüglich zu Boden. Durch das Aufwickeln des Kunststoffseils auf die Seiltrommel unter vollem Zug wurde das Seil so weit gedehnt, dass danach praktisch keine Dehnung, kein Federeffekt mehr festzustellen war. Gerissene Seile liessen sich einfach spleissen.
- Das Anspleissen eines 4 m langen Stahlseils am Ende des Kunststoffseils (Abb. 4) verringerte die Zahl der Seilbrüche beziehungsweise die Arbeitsunterbrüche merklich. Durch das Ausprobieren verschiedener Seilendverbindungen entstanden jedoch relativ hohe Seilverluste.
- Das Kunststoffseil erwies sich als schmutz-, wasser-, schnee-, kälte- und wärmebeständig.
- Der mechanische Abrieb, verursacht durch Kontakte mit Umlenkrollen, Boden, Stämmen und Ästen, erzeugte auf der äusseren Manteloberfläche des Seils eine raue "Behaarung". Handverletzungen gab es deswegen aber keine. Die Seilfestigkeit wurde kaum gemindert.
- Beschädigt wurde das Kunststoffseil durch Reibung an Stein- und Metallkanten (Umlenkrollen), beim Chockern und beim Kreuzen des Stahl- und des Kunststoffseils bei der Doppeltrommelseilwinde. Wenn eine Litze gerissen war, musste das Seil verkürzt und gespleisst werden.
- Fazit: Testergebnisse aus Deutschland nur teilweise bestätigt
Das im Vergleich zu einem herkömmlichen Stahlseil zehnmal geringere Gewicht des Dyneema-Windenseils erleichtert die Arbeit des Rückers vor allem beim Bergabseilen massiv. Gerissene Seile stellen keine Gefahrenquelle dar. Trotz rauer Fasern auf der äusseren Manteloberfläche gibt es keine Handverletzungen. Das Kunststoffseil ist widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse. Das Anspleissen eines Stahlseils mit Kausche und Haken hat sich bewährt.
Nachteile des Kunststoffseils sind der markant höhere Seilverschleiss, die damit verbundenen Standzeiten und die im Vergleich zum Stahlseil relativ hohen Anschaffungskosten von Fr. 19.50 pro Laufmeter.
Die positiven Testergebnisse, die bezüglich Ergonomie, Sicherheit und Verschleiss im hessischen Forstamt Weilburg sowie in den niedersächsischen Forstämtern Seesen und Lauterberg ermittelt wurden, bestätigten sich im Praxiseinsatz im Betrieb der Forstgemeinschaft Altstätten nur teilweise.
Weitere Versuche, zum Beispiel auf einer Vorliefereinheit mit einer geringeren Windenzugkraft mit Eintrommelwinde ohne Chockersystem, wären wünschenswert, waren aber nicht Gegenstand dieses Praxistests.
Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Waldwirtschaft Schweiz WVS.
Links
- Praxistest für Kunststoffseile im Forsteinsatz
- Unfallrisiko mit Kunststoffseilen nicht unterschätzen
- Hydraulische Fällhilfen - eine Alternative zu schwerer Keilarbeit
- Dossier Arbeitssicherheit
- Unfallgefahren und Sicherheitsregeln beim Fällen von Bäumen
- Arbeitsschutzausrüstung gestern und heute
Kontakt
- SUVA
Abteilung Arbeitssicherheit
Bereich Holz und Dienstleistungen
Rösslimattstrasse 39
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e-mail: holz.dienstleistungen @ suva.ch
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