| Dokumentinformationen | ||
| Autor(en): | Roman Weber, Fritz Frutig, Michael Gloor | |
| Originalartikel: | Weber, R.; Frutig, F.; Gloor, M. (2004): Mechanisierte Holzernte in Steil- und Gebirgslagen. - Wald Holz 85, 2: 33-37. | |
| Online-Version: | Stand: 24.11.2005 | |
| Redaktion: | WSL, CH | |
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Mechanisierte Holzernte in Steil- und Gebirgslagen
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| Mobilseilkran und Baggerprozessor |
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| Kombiseilgerät |
Im Oktober 2003 führte das Amt für Wald des Kantons Bern Kurse zum Thema "Mechanisierung in Steil- und Gebirgslagen" mit rund 550 Teilnehmern in Grindelwald durch. Die Eidg. Forschungsanstalt WSL und das Bildungszentrum Wald in Lyss unterstützten dieses Vorhaben. Ziel war es, weiten forstlichen Kreisen die gegenwärtig wichtigsten hochmechanisierten Arbeitsverfahren für das steile Gelände im praktischen Einsatz zu zeigen und zu diskutieren.
Fritz Frutig (WSL) gab einen Überblick über die Einsatzschwerpunkte der heutigen hochmechanisierten Holzernteverfahren für steiles Gelände und zeigte auf, warum der Verfahrenswahl eine grosse Bedeutung zukommt, welche Faktoren ein "Bestverfahren" bestimmen und wie man dabei konkret vorgeht. Revierförster Michael Gloor überzeugte dank intensiven Vorarbeiten verschiedene Privatwaldbesitzer der Gegend, dass auch unter erschwerten Rahmenbedingungen eine kostendeckende Holznutzung im Gebirgswald möglich ist. In den Wäldern um Grindelwald wurden vier unterschiedliche Arbeitsverfahren gezeigt, in denen man grössere Holzschläge von je 900 - 1'500 m3 durchführte.
Wahl von zweckmässigen Arbeitsverfahren notwendig
Eine Logistikstudie zur Schweizer Wald- und Holzindustrie hat aufgezeigt, dass unsere Holzernte- und Transportkosten etwa doppelt so hoch sind wie in Süddeutschland und Österreich. Auch wenn diese Unterschiede im Wesentlichen auf unterschiedliche Besitzes- und Bewirtschaftungsstrukturen zurückführbar sind, zeigt sich, dass bei Ernte und Transport noch ein bedeutendes Rationalisierungspotenzial liegt. In den befahrbaren Lagen des Mittellandes hat die hochmechanisierte Holzernte mit Vollernter und Forwarder aufgrund ihrer Vorteile wie Kostensenkung, Arbeitssicherheit und -qualität seit 1990 weite Verbreitung gefunden. Deshalb wird intensiv nach Lösungen gesucht, diese Vorteile auch im steilen Gelände zu nutzen. Der Orkan "Lothar" hat einen Entwicklungsschub zur höheren Mechanisierung der Holzernte in Hanglagen ausgelöst.
Unter einem Arbeitsverfahren versteht man die Art und Weise wie eine Arbeit organisatorisch und technisch abläuft. Ein Holzernteverfahren umfasst die ganze Arbeitskette vom stehenden Baum bis zum abfuhrbereiten Holzlager, wie bspw. Fällen mit der Motorsäge, Rücken der Vollbäume mit dem Mobilseilkran sowie Entasten, Einschneiden und Lagern mit dem Baggerprozessor. Unter einem "Bestverfahren" wird oft nur das für den Waldbesitzer bzw. Forstbetrieb kostengünstigste Holzernteverfahren verstanden. Die Kosten sind wohl ein wichtiger, oft der wichtigste Faktor bei der Wahl eines Verfahrens, jedoch nicht der einzige. Faktoren wie Arbeitssicherheit, Ergonomie, Umweltverträglichkeit und Witterung spielen bei der Wahl des "Bestverfahrens" ebenfalls eine Rolle.
60–80% der Endkosten sind bereits durch die Verfahrenswahl und die Planung festgelegt. Durch eine gute Arbeitsausführung lassen sich dann nur noch die verbleibenden 20–40% der Kosten beeinflussen. Im ersten Schritt wird abgeklärt, welche Holzernteverfahren aufgrund der Rahmenbedingungen (Gelände, Erschliessung, Boden, Bestand und Nutzung) in Frage kommen. Die technisch machbaren Verfahren sind im zweiten Schritt hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit zu beurteilen. Mit Hilfe von Erfahrungswerten oder Kalkulationsmodellen schätzt man die Holzerntekosten. Zusammen mit dem abgeschätzten Erlös ergibt sich der holzerntekostenfreie Erlös. Das so ermittelte kostengünstigste Verfahren ist im dritten Schritt bezüglich der Faktoren Mensch und Umwelt zu analysieren. Ein wohl kostengünstiges Verfahren, das aber z.B. hohe Boden- oder Bestandesschäden zur Folge hat, kann kein "Bestverfahren" sein. Das ausgewählte Verfahren muss zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sein. Eine Rolle kann auch die Anfälligkeit auf Witterungseinflüsse spielen, etwa dann, wenn Holz "just-in-time" zu liefern ist.
Einsatzschwerpunkte mechanisierter Holzernteverfahren im befahrbaren steilen Gelände werden hauptsächlich durch Bestandes- und Geländedaten (Bodentragfähigkeit, Bodenrauhigkeit und Hangneigung) bestimmt. Die Sortimente (Kurz-, Langholz oder Vollbaum), der Holzanfall sowie die Entwicklungsstufen der Bäume sind gleichfalls von zentraler Bedeutung. Falls die Bodentragfähigkeit schlecht ist oder die Hangneigung mehr als ca. 60% beträgt, befinden wir uns im nicht befahrbaren steilen Gelände. Hier kommen nur noch seilkrangestützte Verfahren oder der Helikopter zum Einsatz.
| Einige Kennzahlen zu der in Grindelwald eingesetzten Holzerntetechnik | |||
| Schlagbeschrieb |
Eingesetzte Maschinen |
Systemkosten (Fr./ Std.) |
Produktivität (m3/ Tag) |
| LKW-Strasse bergseitig/ Bringungsrichtung bergauf, Distanz 300 m, Hangneigung 65%, zwei Seillinien, mittleres-starkes Baumholz, Fichte 100%, Holzmenge 1'200 m3. | Mobilseilkran mit Baggerprozessor, Traktor mit Kran und Rückeanhänger | 490.- | 80 - 100 |
| LKW-Strasse berg- und talseitig/ Bringungsrichtung bergauf, Distanz 800 m, zwei Seillinien, Hangneigung 65%, mittleres-starkes Baumholz, Fichte 100%, Holzmenge 1'500 m3. | Kombiseilgerät (LKW, Seilkran, Kranprozessor), LKW mit Kran | 500.- | 70 - 140 |
| LKW-Strasse bergseitig, Hangneigung 25% befahrbar, grosse Bodenrauheit, schwaches-(mittleres) Baumholz, Fichte 100%, Holzmenge 900 m3. |
Radharvester Forwarder |
280 - 350.- 160 - 180.- |
80 - 300 80 - 100 |
| LKW-Strasse bergseitig, Hangneigung 40%, teilweise befahrbar, mittleres-starkes Baumholz (z.T. Vorfällen mit Motorsäge), Fichte 100%, Holzmenge 1'000 m3. |
Schreitharvester "Menzi Muck" Mobilseilkran (inkl. Montage, Lagern) |
300 - 340.- 280 - 350.- |
100 - 150 60 - 90 |
Schaffung besserer Rahmenbedingungen für die Holzproduktion
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| Radharvester |
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| Schreitharvester "Menzi Muck" |
Das heutige Umfeld für die Holznutzung im Gebirgswald ist wegen steigender Lohnkosten, tiefer Holzpreise und mit billigem Käferholz übersättigtem Holzmarkt ungünstig. Für die nähere Zukunft zeichnet sich keine deutliche Verbesserung dieser Rahmenbedingungen ab. Mit den herkömmlichen Ernteverfahren sind Schläge vielerorts nicht mehr kostendeckend ausführbar. Somit bleibt das Holz stehen, die Schutzwälder überaltern oder sind es schon längst, und eine nachhaltige Verjüngung fehlt. Wichtige Schutzwälder nehmen in ihrer Leistungsfähigkeit ab; ihre Funktionstauglichkeit ist mittelfristig in Frage gestellt. Um dieser schlechten Entwicklung entgegenzuwirken, müssen die Gebirgswälder wieder vermehrt genutzt werden. Da die Holzpreise in absehbarer Zeit kaum ansteigen, sind die übrigen Rahmenbedingungen zu optimieren:
- "Bestverfahren": Wahl des in jeder Beziehung rationellsten Ernteverfahrens ohne Rücksicht auf eigene Ressourcen. Nur so ist die Wirtschaftlichkeit effektiv festzustellen.
- Holzmenge/ überbetriebliche Zusammenarbeit: Je grösser die anfallende Holzmenge, desto rationeller und kostengünstiger ist die Nutzung. Das Verschieben der Holzerntemaschinen ist teuer (Ausfall produktiver Stunden, Transportkosten) und belastet den tiefen Holzerlös für den Waldbesitzer zusätzlich. Daher ist eine Bündelung der Angebote anzustreben (grössere Holzmenge pro Holzschlag, mehr Holzschläge pro Region). Eine grössere Holzmenge bietet eine bessere Verhandlungsbasis beim Holzverkauf. Beide Massnahmen wirken kostensenkend und sind im Interesse des Waldbesitzers. Durch eine räumliche und zeitliche Koordination der Schläge lässt sich der Unternehmereinsatz optimieren, was sich für den Waldbesitzer und den Unternehmer auszahlt.
- Waldbau: Wo es die Schutzfunktion erlaubt, sind die Eingriffe grosszügig mit Schlitzen oder gar Saumschlägen durchzuführen. Nur so kann man den Wald einerseits genügend verjüngen und andererseits wirtschaftlich nutzen. In Beständen, die über Jahrzehnte nicht gepflegt wurden, gefährdet eine einzelbaumweise Nutzung meist ohnehin die Bestandesstabilität.
- Überzeugungsarbeit/ Information: Die Waldbesitzer müssen genau über die heute möglichen Holzernteverfahren und waldbaulichen Eingriffe informiert werden. Nur so kann man sie überzeugen und das brach liegende Potenzial nutzen.
- Unternehmerwahl: Vor einer Arbeitsvergabe sind Referenzen einzuholen. Es gibt heute bestens ausgerüstete und ausgebildete Unternehmer, die qualitativ einwandfreie Arbeit leisten. Wichtig ist ein entsprechender Vertrag mit einer geregelten Holzschlagabnahme, der für beide Seiten stimmt. Er verhindert spätere Probleme und Unstimmigkeiten.
Mit diesen Massnahmen ist es auch heute noch möglich, den Gebirgswald vielerorts kostendeckend oder gar gewinnbringend zu nutzen. Die vier Waldbesitzer in Grindelwald konnten ihre Holzschläge mehr oder weniger gewinnbringend ausführen. Sie lösten im Verkauf ab Stock durchschnittlich Fr. 1.– bis Fr. 10.– pro m3.
Download
- Der Originalartikel ist als PDF-Datei verfügbar (1.1 MB).
Links
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Kontakt
Fritz Frutig
Eidg. Forschungsanstalt WSL
Programm Waldnutzung
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 BirmensdorfTel: +41 44 739 24 56
Fax: +41 44 739 22 15
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