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Dokumentinformationen
Autor(en): Ulrike Willmann, Matthias Wurster, Peter Reck
Originalartikel: Willmann, U., Wurster, M., Reck, P. (2002): Entwicklung einer Marktstrategie für die Weißtanne. FVA-Jahresbericht, S. 10-13.
Online-Version: Stand: 10.02.2005
Redaktion: FVA, D
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch

Entwicklung einer Marktstrategie für die Weißtanne

Einführung und Zielsetzung

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich enorme Tannenstarkholzvorräte angereichert, deren Absatz sich für den Waldbesitz aus unterschiedlichen Gründen schwierig gestaltet. Es ist deshalb notwendig geworden neue Wege und Strategien für die Vermarktung und Verwendung von Weißtannenholz zu suchen. Außerdem soll ihr Image gefördert werden um sie, wenn möglich, zu einer Premium-Marke aufzubauen.

Tannenscheibe
Abb. 1: Tannenscheibe vom Stammfuß.

Die Verarbeitung von Tannenholz ist insgesamt aufwendiger als die von Fichtenholz. Dadurch entstehen höhere Kosten, die durch den Produktpreis meistens aber nicht abgedeckt werden können. In der holzverarbeitenden Industrie wird aus diesem Grund häufig Fichte (heimisch oder nordisch) bevorzugt.

Die Gründe für die erhöhten Aufwendungen sind unterschiedlich. Holzfeuchteunterschiede innerhalb eines Stammes erschweren die technische Trocknung der Tanne, wodurch der Trocknungsprozess verlängert wird. Zudem ist die Sortierung durch die zum Teil großen Qualitätsunterschiede innerhalb eines Stammes aufwendiger. Die Ausbeute an qualitativ hochwertigem Schnittholz wird dadurch unberechenbarer und das Verfahren zusätzlich kostenintensiver. Eine hohe Sortimentsvielfalt ist die notwendige Konsequenz, um die Wertschöpfung zu steigern. Zu den holzartbedingten

Schwierigkeiten steht weiterhin der Holzmarkt unter starkem Druck. Bei enormen Konkurrenzkämpfen um Marktanteile müssen die verarbeitungstechnischen Probleme so gering wie möglich gehalten werden. Hinzu kommt, dass die klassischen Märkte in denen Tannenholz eingesetzt wurde wegbrechen. Bauholz nach Liste wird im konstruktiven Bereich häufig durch Holzwerkstoffe ersetzt und die Verwendung von technisch getrocknetem Holz ist üblich geworden. Kurze Lieferfristen und der Zwang zur Rationalisierung in einzelnen Betrieben machen die Verwendung standardisierter, normierter Holzwerkstoffe zu günstigen Preisen zwingend notwendig. Dieser Trend wird außerdem durch die derzeit sehr schlechte Baukonjunktur verstärkt. Aufgrund der dargestellten Problematik ist von der Abteilung Waldnutzung ein von dem Holzabsatzfonds finanziertes Projekt mit dem Titel "Entwicklung eines Vermarktungskonzepts für die Weißtanne" bearbeitet und bereits abgeschlossen worden.

Methoden

Strategien zeigen grundsätzlich Wege und Potenziale der Zielrealisierung auf und haben zentrale Lenkungsaufgaben.

Die Grundvoraussetzung für Planungen sind jedoch Analysen, die den Ausgangszustand wiederspiegeln auf dessen Grundlage die weiteren Planungen zu erfolgen haben.

Aus diesem Grund wurde in einem ersten Schritt eine Rohholzaufkommensprognose von Tannenholz in Baden-Württemberg, Bayern, der Schweiz, Österreich und in Frankreich durchgeführt. Diese gibt darüber Aufschluss in welchen Mengen und Dimensionen sich der künftig zu erwartende Tanneneinschlag bewegen wird und spiegelt somit die naturale Situation wieder.

Des weiteren wurden eine Literatur- und Internetrecherche sowie freie Interviews in Betrieben durchgeführt, die in unterschiedlichen Bereichen der Produktionskette agieren. Das Ziel dieses Schrittes bestand darin, einen möglichst detaillierten Einblick in die Entwicklungen am Markt und in die Holzindustrie zu bekommen. Außerdem sollten die bisherigen Einsatzbereiche sowie weitere Verwendungsmöglichkeiten von Tannenholz aufgedeckt werden. Die Chancen und Möglichkeiten der eigenständigen Tannenverwendung wurden dabei ebenso untersucht, wie die Frage nach Lösungsmöglichkeiten für Probleme, die bei Produktion oder Vertrieb entstehen. Wichtig war in diesem Zusammenhang auch, dass die Erfahrungen, Kenntnisse und Einstellungen der Gesprächspartner mit in die Beurteilung einbezogen wurden.

Ergebnisse der Rundholzaufkommensprognose

Die Vorratsentwicklung wird im Folgenden am Beispiel des Staatswaldes in Baden-Württemberg dargestellt. Bei einer Waldinventur 1999 wurde festgestellt, dass es unter anderem bei der Tanne einen enormen Vorratsüberhang im Starkholzbereich (Brusthöhendurchmesser von 50 cm und stärker) gibt, der sich auf 41 % des gesamten Tannenvorrats beläuft. Dies ist im Vergleich zur Fichte (18 %) ein deutlich höherer Anteil. Diese Tendenz ist auch auf den Kommunalwald und den Privatwald, in dem die Tanne mit rund 45 % den größten Anteil des Gesamtvorrats hat, übertragbar.

Holzaufkommen
Abb.2: Vorratsentwicklung im Staatswald Baden-Württemberg.

Die folgende Tabelle stellt den Vorrat, die jährlich potenzielle Nutzung (1999 bis 2011) und den davon betroffenen Starkholzanteil dar. In diese Auswertung wurden die Länder Baden-Württemberg, Bayern, die Schweiz, Österreich und Frankreich einbezogen.

Land Vorrat jährliche Nutzung von1999 - 2011   Starkholzanteil  
  Mio. Vfm Mio. Efm/a % vom Vorrat Mio. Efm/a %
Baden-Württemberg (1999) 48 1,5 3,9 1 68
Bayern (1987) 24 0,4 2,3 0,2 57
Schweiz (1993-`95) 54 1 2,4 - -
Österreich (1992 / `96) 42 0,8 2,5 0,3 40
Frankreich 158 3,1 2,5 - -
Gesamt 327 7 2,5 4,2 60
Tab. 1: Tannenaufkommen (Vorrat, potentielle Nutzung und Starkholzanfall) in den Hauptverbreitungsgebieten der Tanne).

Aufgrund der Erhöhung der Vorräte im Starkholz und durch den gleichzeitigen Rückgang der Vorräte an schwachen und mittelstarken Hölzern ergibt sich ein zunehmender Zwang der Nutzung von starken Rundholzdimensionen. Dies geschieht v.a. vor dem Hintergrund der waldbaulichen Zielsetzung und der Forderung, die Weißtanne als traditionelle Baumart in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet zu erhalten und aus ökologischen Gründen zu fördern. Problematisch für den Absatz des Starkholzes ist jedoch, dass in den letzten Jahren vor allem die Schwachholzprodukte weiterentwickelt wurden. Es macht weder Sinn aus Starkholz nur die klassischen Schwachholzprodukte zu produzieren, noch sind Starkholzprodukte vorhanden, deren Herstellung sich auch aus qualitativ durchschnittlichen Hölzern lohnt. Daher müssen neue, innovative Starkholzprodukte entwickelt werden.

Ergebnisse der Marktstudie

Die Marktanalyse hat u.a. ergeben, dass aufgrund der gegebenen Rahmenbedingungen Tannenholz nur dort gefördert werden sollte, wo es aufgrund seiner Eigenschaften besonders gut geeignet ist, Substitutionsmöglichkeiten bestehen und der Markt im Wachsen begriffen und damit für neue Produkte aufnahmefähig ist.

Deshalb kann die Tanne in den sogenannten qualitativ hochwertigen Nischenprodukten (Dielenböden, Saunabau, Außenbereich, Fensterholz) Verwendung finden. Dort besticht sie durch ihre besonderen Eigenschaften, wie Harzfreiheit, helle Farbe, Resistenz gegenüber Pilzen sowie gute Oberflächenbehandlung (gute Aufnahmefähigkeit für Farben und Lacke, gute Imprägnierung). Nachteilig ist, dass bei der Herstellung dieser Produkte aber nur relativ kleine Mengen, bei in der Regel guten bis sehr guten Rundholzqualitäten, eingesetzt werden. Also der Teil des Rundholzvorrats, der ohnehin weniger Probleme bei der Vermarktung bereitet. Dennoch kann über das permanente Präsentieren und Fördern dieser speziellen Verwendungen eine "positive" Aufmerksamkeit für die Tanne erzielt werden.

Damit ist das Problem des Mengenabsatzes, der künftig auf die Waldbesitzer und die holzverarbeitende Industrie zukommen wird, jedoch noch nicht gelöst. Dieser kann nach derzeitigen Erkenntnissen nur über die Verwendung in sogenannten Massenprodukten garantiert werden. Dort hat es die Tanne besonders schwer, da sie mit anderen Holzarten (i.d.R. Fichte) und den unterschiedlichen Holzwerkstoffen in hartem Konkurrenzkampf steht. Die besonderen Eigenschaften werden nicht honoriert, da sie von anderen Faktoren, wie z.B. den Entwicklungen am Holzmarkt überlagert werden. Es ist schwierig bei den Massensortimenten eine eigene Tannenlinie zu produzieren. Dennoch muss in diesem Bereich der Schwerpunkt des Tannenabsatzes angesiedelt werden.

Eine gute Möglichkeit zur Nutzung als Massen- und zugleich Nischenprodukt bietet die Verwendung von Tannenholz für Massivholzplatten. Hier können unterschiedliche Schnittholzqualitäten eingesetzt und dennoch ein relativ hoher Mengenabsatz erzielt werden, da die Einsatzbereiche (Möbelindustrie, konstruktiver Bereich sichtbar und nicht sichtbar, Schalungsplatten) und damit die qualitativen Anforderungen sehr vielfältig sind. Tannenholz könnte sowohl für die Decklagen als auch für die Mittellagen verwendet werden. Im Rahmen dieses Projektes wurden gemeinsam mit einem Plattenhersteller Musterplatten produziert, um so die Eignung für die Herstellung von Massivholzplatten aus reinem Tannenholz zu prüfen und gleichzeitig einen industriellen Produktionsprozess in Gang zu bringen. Die Versuchsweise hergestellten Massivholzplatten zeigten dabei v.a. aufgrund der harzfreien Oberflächen zum Teil sehr gute Qualitäten auf. Diese Platten werden in geeigneter Weise präsentiert, um für den Einsatz von Tannenholz zu werben.

Die Ergebnisse einer produktspezifischen Marktanalyse sind in der folgenden Tabelle hinsichtlich der Eignung von Tannenholz in verschiedenen Bereichen zusammengefasst.

Produkt Eignung Qualität, Begründung
Bauholz, Massivholz mäßig geeignet normale und bessere Qualitäten, starke Dimensionen, Starkholz
Brettschichtholz weniger geeignet durchschnittliche Qualitäten, Schwachholzprodukt, Massenware
Konstruktionsvollholz, Duobalken sehr gut geeignet bessere und normale Qualitäten, Starkholz, Vorteile Holzwerkstoff
Massivholzplatten (Dreischichtplatten) sehr gut geeignet alle Qualitäten, Farbe, Oberflächenbehandlung, Harzfreiheit
Fassadenbereich sehr gut geeignet durchschnittliche Qualität, Harzfreiheit, neue Produkte, Oberflächenbehandlung
Fensterkanteln mäßig geeignet hohe Qualitäten, Starkholz, Harzfreiheit, Substitution
Dielenböden mäßig geeignet hohe Qualitäten, Starkholz
Tab. 2: Die Eignung von Tannenholz für den Einsatz in verschiedenen Bereichen.

Empfehlungen für die Vermarktung von Tannenholz

Die Studie ergab, dass eine qualitätsorientierte Preisbildung ab Wald und die konsequente Trennung von der Fichte in der gesamten Verarbeitungskette notwendig ist. Die Verarbeiter müssen einen Anreiz zur Verwendung von Tannenholz bekommen. Nur so kann der Tannenabsatz gefördert und die bisher noch meist erhöhten Aufwendungen der Verarbeiter kompensiert werden. Außerdem können dadurch die Schwierigkeiten (Trocknung, Verleimung, Farbunterschiede) vermieden werden, die sich durch die gemeinsame Verarbeitung mit der Fichte ergeben. Die Tanne muss soweit als möglich in eigenständischen Produkten angeboten werden.

Des weiteren machen Unkenntnis und Informationsdefizite über Tannenholz in weiten Teilen der Verarbeitungskette notwendig, zunächst mit kleinen Schritten auf die Tanne aufmerksam zu machen. Über ihre positive Darstellung in Form qualitativ hochwertiger Produkte (Nischenprodukte) wird die Möglichkeit gesehen einen Grundstein zur Imageverbesserung von Tannenholz zu legen. Dem Kunden muss offensichtlich gemacht werden, dass die Tanne kein Problem beim fertigen Produkt darstellt, sondern allenfalls bei der bisherigen Verarbeitung.

Die Nachfrage muss angeregt werden. Dazu sind Musterprodukte aus Tannenholz und die ständige Präsentation der Tanne notwendig. Aus derzeitiger Sicht kann die Tanne aber nicht zur Premiummarke aufgebaut werden. Die bisherigen Untersuchungen ergaben, dass die höheren Aufwendungen bei der Verarbeitung nicht durch höhere Einnahmen beim fertigen Produkt gedeckt werden können.

Daneben muss die Tanne in Zukunft in allen Bereichen gefördert werden. Zielgruppenspezifische Information und Hinweise für die Verarbeitung und Verwendung sind notwendig um das derzeitige Informationsdefizit auszugleichen. Der holzverarbeitenden Industrie müssen Hinweise für den Umgang mit Tannenholz gegeben werden. Neue Produkte wie z.B. wärmebehandeltes Holz (Thermo-Holz), vorvergrautes Fassadenholz oder Dreischichtplatte aus heimischem Tannenholz sollten gefördert werden. Hier besteht jedoch weiterer Forschungsbedarf. Bisher wurde im Rahmen des Projektes ein Versuch mit vorvergrautem Tannenholz mit Erfolg durchgeführt. Ein Haus und ein Buswartehäuschen sind bereits mit einer vergrauten Tannenfassadenschalung verkleidet worden. Weiterhin ist eine Tannen-3-Schicht-Platte als Musterware hergestellt worden, um diese als ein innovatives Produkt aus Tannenholz vorzustellen.

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