| Autor(en): | Philippe Duc, Anne Herold Bonardi, Esther Thürig |
| Redaktion: | WSL, Schweiz |
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Abb. 1 - Die Nutzungsmengen nahmen seit dem LFI2 auch beim Laubholz stark zu. Foto: Paul Rienth (WSL) |
Wegen der schwierigen
wirtschaftlichen Bedingungen war bis vor wenigen Jahren die Holznutzung
deutlich kleiner als der Holzzuwachs. Die steigende Nachfrage nach Holz und die
Zwangsnutzungen nach "Lothar" führten dazu, dass der Zuwachs in den letzten 10
Jahren zu 93% genutzt wurde. Dies zeigen die Ergebnisse des dritten Schweizerischen Landesforstinventars. Für die Zukunft ist gar mit einer leicht
intensiveren Nutzung zu rechnen.
Holz ist eine der wichtigsten natürlichen Ressourcen der Schweiz. Die "Erhaltung und Stärkung der produktiven Funktionen der Wälder" ist sowohl national als auch international Ziel einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Gemäss vorhandener Planungsgrundlagen oder Gutachten der Revierförster weisen derzeit 56% der Schweizer Waldfläche eine Holzproduktionsfunktion auf und auf 38% hat die Holzproduktion Vorrang vor allen anderen Funktionen.
Das Schweizerische Landesforstinventar (LFI) liefert präzise Schätzungen für den Schaftholzvorrat in Rinde sowie für den Zuwachs, die Nutzungen und die Mortalität zwischen zwei Inventuren. Im Unterschied dazu liefert die Schweizer Forststatistik jährliche Mengen von genutztem und bereitgestelltem Derbholz ohne Rinde. Die Nutzungsmengen der Forststatistik sind darum nicht ohne weiteres mit jenen des LFI vergleichbar.
Der Zuwachs zwischen LFI2 und LFI3 betrug 9,7 Mio. m3 pro Jahr oder 8,7 m3 pro ha und Jahr. Damit ist er im Vergleich zur Periode LFI1/LFI2 um 5% zurückgegangen. Nutzung und Mortalität betrugen zusammen 9,1 Mio. m3 pro Jahr oder 8,2 m3 pro ha und Jahr. Davon entfielen 7,2 Mio. m3/Jahr (79%) auf die Nutzung und knapp 2 Mio. m3/Jahr (21%) auf die Mortalität. Im Vergleich zur Periode LFI1/LFI2 haben Nutzung und Mortalität um 22% zugenommen.
Der wichtigste Indikator für die nachhaltige Holznutzung ist der Vergleich von Nutzung und Zuwachs. In Brändli und Cioldi (2009) wurden dazu Nutzung und Mortalität zum Bruttozuwachs in Beziehung gesetzt. In den internationalen Statistiken (MCPFE) ist es üblich, die Nutzung alleine zu betrachten und sie mit dem Nettozuwachs (Zuwachs ohne Mortalität) zu vergleichen. Insgesamt wurde 93% des Nettozuwachses genutzt (Tabelle 1). Im Mittelland überstiegen die Nutzungen den Nettozuwachs um 27%, und in Jura und Voralpen wurde der Zuwachs nahezu abgeschöpft. Auf der Alpensüdseite mit ihren überwiegend schlecht erschlossenen Waldflächen hingegen wurde nur 15% des Nettozuwachses genutzt.
Die Nutzungsraten unterschieden sich sehr stark zwischen den Baumarten. Insgesamt wurde bei der Fichte 26% und bei der Föhre 58% mehr genutzt als zugewachsen ist. Dadurch ergibt sich für die Nadelbäume eine um 9% höhere Nutzung verglichen mit dem Nettozuwachs. Die starke Nutzung von Fichten und Föhren fand hauptsächlich im Mittelland statt. Bei der Fichte wurde dort fast das Doppelte, bei der Föhre sogar mehr als das Zweieinhalbfache des Zuwachses genutzt. Entsprechend haben sowohl der Fichten- als auch der Föhrenvorrat im Mittelland deutlich abgenommen (Cioldi und Ulmer 2009). Im Gegensatz dazu wurde insgesamt nur 62% des Laubholzzuwachses genutzt, obwohl der Zuwachs der Buchen und Eichen im Jura und im Mittelland fast vollständig abgeschöpft wurde.
Zwischen dem zweiten und dritten LFI wurde innerhalb von zehn Jahren auf 511'000 ha oder 44% der zugänglichen Waldfläche des LFI3 eingegriffen. Die regionalen Unterschiede in der Waldbewirtschaftung sind dabei sehr gross.
Im Jura und in den Voralpen wurde auf rund der Hälfte der Waldflächen genutzt und gepflegt, im Mittelland insgesamt gar auf fast drei Viertel (Abb. 2). In den Alpen und auf der Alpensüdseite hingegen wurden deutlich kleinere Anteile des Waldes behandelt. Auf der mit dem LFI2 vergleichbaren Waldfläche nahm der Anteil der innerhalb von zehn Jahren bewirtschafteten Flächen von 43% auf 46% zu. Auch der Anteil der seit 50 Jahren nicht bewirtschafteten Waldflächen stieg, nämlich von 14% auf fast 17%.
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Abb. 2 - Anteil Waldfläche mit Eingriffen in den letzten zehn Jahren nach Wirtschafts- region, mit Angabe des einfachen Standardfehlers (± entspricht dem 68%-Vertrauensbereich). |
Die Jahre 1996 bis 2003 sind gekennzeichnet durch eine Zunahme der behandelten Waldfläche von rund 43'000 ha im Jahr 1996 auf 79'000 ha im Jahr 2003 (Abb. 3). Im Jahr 2000 wurden viele der durch "Lothar" entstandenen Sturmschadenflächen aufgearbeitet. Entsprechend war die behandelte Fläche mit 125'000 ha deutlich grösser; 78% davon waren Sanitärhiebe. In den Jahren 2001 bis 2003 blieb der Anteil der Zwangsnutzungen aufgrund der Schäden durch Borkenkäfer und der ausgeprägten Trockenheit im Jahr 2003 mit rund 40% sehr gross. Als Folge von "Lothar" nahmen die Durchforstungsflächen von 15'000 bis 20'000 ha auf rund 10'000 ha pro Jahr ab, die gepflegten Jungwaldflächen dagegen blieben über die ganze Periode konstant. Ab 2001 nahmen zudem die Pflanzflächen markant zu.
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| Abb. 3 - Waldfläche nach Eingriffsjahr und Eingriffsart. |
Gemäss Umfrage bei den Revierförstern sind in den nächsten zehn Jahren auf rund der Hälfte der Schweizer Waldfläche Eingriffe vorgesehen. Würden alle geplanten Eingriffe durchgeführt, dann betrüge die behandelte Waldfläche 574'000 ha, was einer Zunahme der Eingriffsfläche um rund 10% entspräche. Die Waldbewirtschaftung könnte sich also zukünftig leicht intensivieren.
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Abb. 4 - Die waldbaulichen Eingriffe im Schweizer Wald waren ab dem Jahr 2000 stark geprägt von Zwangsnutzungen. Foto: Fritz Frutig (WSL) |
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Abb. 5 - Waldstrassen sind die Voraussetzung für den Mobilseilkran, der hauptsächlich im Alpenraum eingesetzt wird. Foto: Fritz Frutig (WSL) |
Grundlage einer nachhaltigen Holznutzung ist die Planung der Eingriffe und Nutzungen. Für 56% der Waldfläche lagen Betriebspläne oder Waldbauprojekte vor. Auf 16% der Fläche wurden diese aber vor 1987 erstellt. Aktuelle betriebliche Grundlagen existierten zum Zeitpunkt der LFI3-Umfrage entsprechend nur für rund 40% der Waldfläche. Der Anteil der Waldflächen mit Betriebsplänen nahm gegenüber LFI2 um 5 Prozentpunkte ab. Im öffentlichen Wald ist der Anteil der Fläche mit Betriebsplan oder Waldbauprojekt mit 74% um ein Mehrfaches grösser als im Privatwald (16%). Die meisten Privatwälder unterstehen wegen ihrer geringen Fläche keiner betrieblichen Planungspflicht.
Zertifizierte Wälder stehen für eine umwelt- und sozialverträgliche Holzproduktion. Die Schweiz kennt den internationalen Standard des "Forest Stewardship Council" (FSC-Label) und das nationale Q-Label (Swiss Quality). Rund 46% der Waldfläche waren bei LFI3-Umfrage bereits zertifiziert, auf weiteren 14% war die Zertifizierung vorgesehen oder bereits im Gange. Im öffentlichen Wald war mit 56% deutlich mehr Fläche zertifiziert als im Privatwald (25%). Nach Abschluss der vorgesehenen Zertifizierungen werden 36% der Waldfläche doppelt zertifiziert sein, 22% nur nach den Richtlinien des FSC und 2% nur nach jenen des Q-Labels. Im Privatwald ist auf 60% der Fläche auch in Zukunft keine Zertifizierung vorgesehen.
Regionale Waldpläne, in denen die öffentlichen Ansprüche an den Wald festgehalten werden, lagen zum Zeitpunkt der Umfrage für 43% der Waldfläche vor. Für weitere 36% war die Regionalplanung im Gange, so dass dieser Wert in wenigen Jahren einen Anteil von etwa 80% aufweisen wird.
Die Erschliessung ist eine wichtige Voraussetzung für die Bewirtschaftung des Waldes. Die Gesamtlänge der mit Lastwagen befahrbaren Waldstrassen in der Schweiz beträgt rund 30'500 km. Seit dem LFI2 wurden 969 km Strassen neu gebaut oder ausgebaut. Wenn man die Abnahmen durch aufgelassene oder rückgebaute Strassen berücksichtigt, resultiert eine Zunahme von 845 km oder 2,9%.
Die durchschnittliche Erschliessungsdichte im Schweizer Wald beträgt nun 26,7 Laufmeter pro Hektar. Die regionalen Unterschiede sind beträchtlich: Die Regionen Mittelland und Jura weisen mit 59,6 beziehungsweise 40,5 Laufmeter pro Hektar ein deutlich dichteres mit Lastwagen befahrbares Waldstrassennetz auf als die Regionen Voralpen (17,4 m/ha), Alpen (12,6 m/ha) und Alpensüdseite (6,5 m/ha). Im Vergleich zur Periode LFI1-LFI2 (Zunahme von 2,5 m/ha) hat die Erschliessungsdichte zwischen LFI2 und LFI3 schweizweit nur noch um 0,9 m/ha zugenommen.
Waldflächen mit waldbaulichen Eingriffen zwischen LFI2 und LFI3 verteilen sich zu 80% auf befahrbares und zu 20% auf nicht befahrbares Gelände. Im befahrbaren Gelände kamen hauptsächlich die folgenden Verfahren zur Anwendung: Holzhauerei motormanuell, Rücken mit Schlepper (62%) oder mit Forwarder (8%) sowie Fällen und Aufarbeiten mit Vollernter (7%). Im nicht befahrbaren Gelände erfolgte die Holzhauerei motormanuell, das Rücken mit Mobilseilkran (7%), konventionellem Seilkran (7%) oder mit Helikopter (5%).
Insgesamt wurden auf 84% der behandelten Waldfläche nicht- oder teilmechanisierte Verfahren angewendet, bei denen die Bäume mit einer Motorsäge gefällt und aufgearbeitet werden. Hoch- und voll mechanisierte Verfahren mit Prozessor- oder Vollerntereinsatz kamen auf 16% der Flächen zum Einsatz. Diese Verfahren haben seit dem LFI2 deutlich zugenommen.
Dieser Beitrag ist Teil einer Serie über die Ergebnisse
des dritten Landesforstinventars LFI3.
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Wenn Sie sich näher für das Schweizerische Landesforstinventar interessieren, finden Sie auf der folgenden Website zusätzliche Informationen: www.lfi.ch