Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Boden und Umwelt
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| Autor(en): | Stefan Meining, Jürgen Schäffer und Klaus von Wilpert |
| Redaktion: | FVA, Deutschland |
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Infobox
Waldschadensinventur 2008
Die 26. Terrestrische Waldschadensinventur (TWI) erfolgte im Sommer 2008 bereits im dritten Jahr in Folge auf dem 8x8 km-Raster (Monitoringnetz). Von den insgesamt 303 Stichprobenpunkten konnten dieses Jahr 277 Punkte mit insgesamt 6.590 Bäumen aufgenommen werden. An 26 Stichprobenpunkten ruhte die Aufnahme.
Neben der
Waldschadensinventur werden auf dem Monitoringnetz die Bodenzustandserhebung
(BZE), Ernährungsuntersuchungen sowie waldwachstumskundliche Untersuchungen
durchgeführt.
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| Abb. 1: Eichenblatt mit Verfärbungen: Die Dichte und die Farbe der Belaubung bzw. Benadelung gibt Auskunft über die Vitalität der Bäume. |
Der Waldzustand in
Baden-Württemberg hat sich im Jahr 2008 deutlich verbessert. Der mittlere
Nadel-/Blattverlust aller Bäume verringerte sich um 2,2 Prozentpunkte auf 23,6
%. Die bereits im letzten Jahr beginnende Erholung des Kronenzustandes der
Bäume setzte sich somit auch in diesem Jahr fort, wenn auch das Schadensniveau
weiterhin sehr hoch ist. Insgesamt 35 % der Waldfläche Baden-Württembergs sind
deutlich geschädigt. Ursächlich hierfür sind in erster Linie extreme
Witterungseinflüsse, die in Kombination mit erhöhten Stoffeinträgen und dem
Befall von biotischen Schaderregern zu einer erhöhten Destabilisation der
Wälder führen. Die Auswirkungen der extremen Trockenheit des Jahres 2003 sind
noch nicht in allen Landesteilen und noch nicht bei allen Baumarten
gleichermaßen überwunden. Gleichwohl konnte sich die Vitalität vieler Bäume
unter anderem durch eine gute Wasserversorgung und, daraus resultierend, durch
eine gute Nährstoffmobilisierung in den letzten Jahren deutlich verbessern.
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Abb. 2: Mittlerer Nadel-/Blattverlust nach Baumarten. Links Bu/Ei, rechts Fi/Ta/Kie. (Zum Vergrößern bitte die jeweilige Abbildung anklicken) |
An den
Aufnahmepunkten des Monitoringnetzes (8x8 km Raster) wurde in den Jahren 2006/2007 zusätzlich eine Ernährungsinventur an Nadeln und Blättern durchgeführt. Es
handelt sich dabei um die fünfte Wiederholungsinventur seit 1983. In
Fichtennadeln konnte gegenüber früheren Analysen eine überproportionale
Verbesserung der Nährelementversorgung von Magnesium, Kalium, Stickstoff und
Phosphor festgestellt werden. Dies ist als Nachwirkung der extremen Trockenheit
des Jahres 2003 anzusehen. In Folge der Trockenperiode reicherte sich viel tote
organische Substanz (Streu, tote Feinwurzeln) im Boden an, die in den
nachfolgenden Jahren verstärkt mineralisiert und so Grundlage für eine,
wahrscheinlich zeitlich begrenzte, Verbesserung der Nährstoffversorgung wurde.
Die gute Versorgung mit Nährelementen stärkt die Vitalität der Fichten und
führt insbesondere in Regionen mit einer eher schlechten Nährstoffversorgung zu
einer deutlichen Revitalisierung der Bäume. So könnte beispielsweise die deutliche
Verbesserung des Kronenzustands der Fichten im Südwestdeutschen Alpenvorland
erklärt werden. Diese verbesserte Nährstoffversorgung auf Grund erhöhter
Mineralisierung im Jahr 2006 überprägt alle langfristigen Ernährungstrends: Die
gute Versorgung mit Magnesium - durch ein langfristig ausgerichtetes
Kalkungskonzept - wird dadurch zusätzlich verstärkt. Der latente Kaliummangel
und auch die schwächer werdende Versorgung bei Phosphor und Stickstoff – auf
Grund zunehmender Bodenversauerung und abnehmender biologischer Bodenaktivität
– werden zunächst unterbrochen. Es ist aber davon auszugehen, dass nach der
Mineralisierung der durch die Trockenheit verstärkt auftretenden organischen
Substanz im Boden die Nährstoffversorgung der Nadeln wieder auf den
längerfristigen Trend zurückfällt (Abb. 3).
Auf dem Monitoringnetz werden neben Untersuchungen zum Kronenzustand, Bodenzustand oder Ernährungssituation von Nadeln und Blätter auch Untersuchungen zum Wachstum der Bäume durchgeführt. Ein Zusammenhang zwischen Baumwachstum und Kronenzustand kann durch Bohrkernuntersuchungen an Bäumen des Forstlichen Umweltmessnetzes aufgezeigt werden. Am Beispiel der Fichte zeigt sich, dass der Nadelverlust eines Baumes einen direkten Einfluss auf die Jahrringbreite im Stamm hat. Die Kurven der Nadelverluste und der Jahrringbreite verlaufen weitgehend parallel. Bei Bäumen mit schlechtem Kronenzustand geht der Zuwachs des Baumes zurück, anderseits erhöht er sich bei geringerem Nadelverlust wieder. Zudem zeigen besser benadelte Fichten in nahezu allen Jahren des bisherigen Beobachtungszeitraums der Waldschadensinventur in Baden-Württemberg einen deutlich höheren Zuwachs als Fichten mit schlechterem Kronenzustand (Abb. 4).
Die Bewertung der Kronenverlichtung ist eine wesentliche Kenngröße zur Beurteilung der Vitalität von Waldbäumen. Die von der Bund-Länder Arbeitsgruppe Kronenzustand neu aufgelegten "Bilderserien zur Einschätzung von Kronenverlichtungen" zeigen anhand von Fotoserien Beispiele für unterschiedliche Verlichtungsgrade der häufigsten Waldbaumarten Mitteleuropas. Diese zweite, überarbeitete Auflage wurde mit zusätzlichen Fotoserien sowie mit Bildern spezifischer Kronenmerkmalen ergänzt, und kann sowohl Forstpraktikern als auch der interessierten Öffentlichkeit Hilfestellung bei der Einschätzung des Kronenzustandes der wichtigsten Waldbaumarten geben.
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