Suche

     Suche nur innerhalb dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Kontakt

PD Dr. Klaus von Wilpert

Klaus v. Wilpert

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Boden und Umwelt

Wonnhalde 4
79100 Freiburg im Breisgau

Tel.: +49 (0)761 / 4018 - 173
Fax: +49 (0)761 / 4018 - 333

Waldwissen Newsletter

Unser Waldwissen-Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Stefan Meining, Jürgen Schäffer und Klaus von Wilpert
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 56.056.056.056.056.0 (28)

Dem Waldzustand auf den Fersen – Ergebnisse aus dem Forstlichen Umweltmessnetz

Infobox

Waldschadensinventur 2008

Die 26. Terrestrische Waldschadensinventur (TWI) erfolgte im Sommer 2008 bereits im dritten Jahr in Folge auf dem 8x8 km-Raster (Monitoringnetz). Von den insgesamt 303 Stichprobenpunkten konnten dieses Jahr 277 Punkte mit insgesamt 6.590 Bäumen aufgenommen werden. An 26 Stichprobenpunkten ruhte die Aufnahme.

Neben der Waldschadensinventur werden auf dem Monitoringnetz die Bodenzustandserhebung (BZE), Ernährungsuntersuchungen sowie waldwachstums­kundliche Untersuchungen durchgeführt.

Verfärbungen an einem Eichenblatt
Abb. 1: Eichenblatt mit Verfärbungen: Die Dichte und die Farbe der Belaubung bzw. Benadelung gibt Auskunft über die Vitalität der Bäume.

Der Waldzustand in Baden-Württemberg hat sich im Jahr 2008 deutlich verbessert. Der mittlere Nadel-/Blattverlust aller Bäume verringerte sich um 2,2 Prozentpunkte auf 23,6 %. Die bereits im letzten Jahr beginnende Erholung des Kronenzustandes der Bäume setzte sich somit auch in diesem Jahr fort, wenn auch das Schadensniveau weiterhin sehr hoch ist. Insgesamt 35 % der Waldfläche Baden-Württembergs sind deutlich geschädigt. Ursächlich hierfür sind in erster Linie extreme Witterungseinflüsse, die in Kombination mit erhöhten Stoffeinträgen und dem Befall von biotischen Schaderregern zu einer erhöhten Destabilisation der Wälder führen. Die Auswirkungen der extremen Trockenheit des Jahres 2003 sind noch nicht in allen Landesteilen und noch nicht bei allen Baumarten gleichermaßen überwunden. Gleichwohl konnte sich die Vitalität vieler Bäume unter anderem durch eine gute Wasserversorgung und, daraus resultierend, durch eine gute Nährstoffmobilisierung in den letzten Jahren deutlich verbessern.

Die Fichte

  • Der mittlere Nadelverlust aller Fichten verringerte sich um 3,7 Prozentpunkte auf 21,6 %. Eine deutliche Abnahme an Kronenschäden ist dabei im Südwestdeutschen Alpenvorland festzustellen. Dort hat sich die deutlich geschädigte Fichtenfläche seit 2006 mehr als halbiert und liegt nun sogar unterhalb des Anteils von 2001.

Die Tanne

  • Der Zustand der Tanne bleibt wie schon in den letzten Jahren sehr stabil. Der mittlere Nadelverlust erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr lediglich um 0,6 Prozentpunkte und liegt nun bei 23,3 %. Seit 1997 hat sich somit der Kronenzustand der Tannen insgesamt nur sehr wenig verändert. Während der Anteil deutlich geschädigter Tannen im Schwarzwald auf hohem Niveau relativ konstant blieb, verringerte sich der Schadflächenanteil im Wuchsgebiet Neckarland wieder.

Die Kiefer

  • Der Kronenzustand der Kiefer hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Der mittlere Nadelverlust erhöhte sich um 0,5 Prozentpunkte auf insgesamt
    26,4 % und liegt damit verglichen mit der gesamten Zeitreihe weiterhin auf leicht erhöhtem Niveau.

Die Buche

  • Der Zustand der Buchen hat sich weiter erholt. Nachdem sich der mittlere Blattverlust der Buchen bereits im letzten Jahr deutlich verringert hatte, war dieses Jahr eine weitere Absenkung des Mittelwertes um 1,1 Prozentpunkte auf nun insgesamt 26,4 % zu erkennen. Damit liegt das Schadniveau aber immer noch oberhalb des mittleren Verlustprozentes von 2001. Die Auswirkungen der Trockenperiode 2003 auf den Kronenzustand der Buchen scheinen noch nicht im vollen Umfang überwunden zu sein.

Die Eiche

  • Der Schädigungsgrad der Eichen stagniert weiterhin auf sehr hohem Niveau. Der mittlere Blattverlust verringerte sich nur gering um 0,2 Prozentpunkte auf 33,2 %. Eine merkliche Erholung des Kronenzustandes bei der Eiche ist trotz geringer Belastung durch Blattfraß von Schmetterlingsraupen und geringer Fruchtausbildung sowie günstiger Witterungsbedingungen dieses Jahr nicht festzustellen.
zum Vergrößern bitte anklicken   zum Vergrößern bitte anklicken
Abb. 2: Mittlerer Nadel-/Blattverlust nach Baumarten. Links Bu/Ei, rechts Fi/Ta/Kie.
(Zum Vergrößern bitte die jeweilige Abbildung anklicken)

Ernährungsinventur

zum Vergrößern bitte anklicken
Abb. 3: Versorgung der Fichte mit Magnesium (oben links), Kalium (oben rechts), Stickstoff (unten links), und Phosphor (unten rechts), jeweils 1. Nadeljahrgang in Relation zu den an der FVA verwendeten Versorgungsklassen.
(Zum Vergrößern bitte die Abbildung anklicken)
 
zum Vergrößern bitte Abbildung anklicken
 Abb. 4: Jährliche Jahrringbreite in Abhängigkeit vom Nadel-/Blattverlust.
(Zum Vergrößern bitte die Abbildung anklicken)

An den Aufnahmepunkten des Monitoringnetzes (8x8 km Raster) wurde in den Jahren 2006/2007 zusätzlich eine Ernährungsinventur an Nadeln und Blättern durchgeführt. Es handelt sich dabei um die fünfte Wiederholungsinventur seit 1983. In Fichtennadeln konnte gegenüber früheren Analysen eine überproportionale Verbesserung der Nährelementversorgung von Magnesium, Kalium, Stickstoff und Phosphor festgestellt werden. Dies ist als Nachwirkung der extremen Trockenheit des Jahres 2003 anzusehen. In Folge der Trockenperiode reicherte sich viel tote organische Substanz (Streu, tote Feinwurzeln) im Boden an, die in den nachfolgenden Jahren verstärkt mineralisiert und so Grundlage für eine, wahrscheinlich zeitlich begrenzte, Verbesserung der Nährstoffversorgung wurde. Die gute Versorgung mit Nährelementen stärkt die Vitalität der Fichten und führt insbesondere in Regionen mit einer eher schlechten Nährstoffversorgung zu einer deutlichen Revitalisierung der Bäume. So könnte beispielsweise die deutliche Verbesserung des Kronenzustands der Fichten im Südwestdeutschen Alpenvorland erklärt werden. Diese verbesserte Nährstoffversorgung auf Grund erhöhter Mineralisierung im Jahr 2006 überprägt alle langfristigen Ernährungstrends: Die gute Versorgung mit Magnesium - durch ein langfristig ausgerichtetes Kalkungskonzept - wird dadurch zusätzlich verstärkt. Der latente Kaliummangel und auch die schwächer werdende Versorgung bei Phosphor und Stickstoff – auf Grund zunehmender Bodenversauerung und abnehmender biologischer Bodenaktivität – werden zunächst unterbrochen. Es ist aber davon auszugehen, dass nach der Mineralisierung der durch die Trockenheit verstärkt auftretenden organischen Substanz im Boden die Nährstoffversorgung der Nadeln wieder auf den längerfristigen Trend zurückfällt (Abb. 3).

Bohrkernuntersuchungen

Auf dem Monitoringnetz werden neben Untersuchungen zum Kronenzustand, Bodenzustand oder Ernährungssituation von Nadeln und Blätter auch Untersuchungen zum Wachstum der Bäume durchgeführt. Ein Zusammenhang zwischen Baumwachstum und Kronenzustand kann durch Bohrkernuntersuchungen an Bäumen des Forstlichen Umweltmessnetzes aufgezeigt werden. Am Beispiel der Fichte zeigt sich, dass der Nadelverlust eines Baumes einen direkten Einfluss auf die Jahrringbreite im Stamm hat. Die Kurven der Nadelverluste und der Jahrringbreite verlaufen weitgehend parallel. Bei Bäumen mit schlechtem Kronenzustand geht der Zuwachs des Baumes zurück, anderseits erhöht er sich bei geringerem Nadelverlust wieder. Zudem zeigen besser benadelte Fichten in nahezu allen Jahren des bisherigen Beobachtungszeitraums der Waldschadensinventur in Baden-Württemberg einen deutlich höheren Zuwachs als Fichten mit schlechterem Kronenzustand (Abb. 4).

Buchvorstellung zum Thema

Die Bewertung der Kronenverlichtung ist eine wesentliche Kenngröße zur Beurteilung der Vitalität von Waldbäumen. Die von der Bund-Länder Arbeitsgruppe Kronenzustand neu aufgelegten "Bilderserien zur Einschätzung von Kronenverlichtungen" zeigen anhand von Fotoserien Beispiele für unterschiedliche Verlichtungsgrade der häufigsten Waldbaumarten Mitteleuropas. Diese zweite, überarbeitete Auflage wurde mit zusätzlichen Fotoserien sowie mit Bildern spezifischer Kronenmerkmalen ergänzt, und kann sowohl Forstpraktikern als auch der interessierten Öffentlichkeit Hilfestellung bei der Einschätzung des Kronenzustandes der wichtigsten Waldbaumarten geben. 

Waldbäume - Bilderserien zur Einschätzung von Kronenverlichtungen bei Waldbäumen

Links

Mehr auf waldwissen.net