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Artikel

Autor(en): Christoph Leuthold (externer Autor)
Redaktion: WSL, Schweiz
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Waldpädagogik in der Schweiz

Keimling betrachten
Abb. 1 - Was, aus diesem kleinen Sämling wird einmal so ein grosser Baum wie der da?!
 
Waldsofa
Abb. 2 - Eine gemütliche Runde beim Znüni oder für eine spannende Waldgeschichte: Das "Waldsofa" ist universell einsetzbar.
 
Wie entstehen Jahrringe?
Abb. 3 - Wie entstehen eigentlich diese Jahrringe genau?
 
Fotos: Christoph Leuthold

Mitte der Achtziger Jahre, gleichzeitig mit der Waldsterben-Debatte, entstand eine neue Art von Pädagogik: Die Waldpädagogik. Ein Rückblick auf 20 Jahre CH-Waldwochen/SILVIVA.

Mitte der Achtziger Jahre zeigte der Schweizer Wald drastisch zunehmende Krankheitssymptome. Der Blick der meisten Forstleute und einer breiten Öffentlichkeit war damals mit Sorge auf den Patienten Wald gebannt mit der bangen Frage: stirbt unser Wald ab? Ganz andere Fragen stellten sich ÖkopädagogInnen. Schon damals war aus der Erfahrung von mehr als zehn Jahren Umwelterziehung eines klar geworden: mit dramatischen Beschreibungen von Ökokatastrophen, mit Angstmache und Verhaltensregeln führt man Kinder mehr auf Distanz zur Natur, als dass man deren Interesse und Zuwendung gewinnen würde - diese Art von Umwelterziehung der 70er-Jahre war "Katastrophenpädagogik" im doppelten Sinne gewesen.

Allein positive emotionale Bindungen, die innere Berührung mit dem Leben, schaffen die Grundlagen für ein späteres Engagement für unsere Mitwelt: nur was wir intim kennen und lieben, sind wir auch bereit, zu pflegen und zu schützen. So wird auch deutlich, dass unser Umweltproblem in Wahrheit vor allem ein Innenweltproblem ist, dem wir mit äusseren Massnahmen, mit Wissen und Geld alleine nie beikommen werden.

Zu jenen Pädagogen, welche diese Einsicht ernst nahmen, gehörte auch Franz Lohri - Biologe und Lehrer - damals Mitarbeiter am Zentrum für Umwelterziehung des WWF in Zofingen. Seine Reaktion auf die Waldsterbedebatte war ebenfalls konkret: Als Kontrastprogramm zur allgemeinen Konsternation und zu den forstpolitischen Debatten startete er 1985 im Rahmen des UNO-Jahres der Jugend eine Kampagne "Wald erleben". Zusammen mit Stephan Jost - ebenfalls Lehrer - gelang es, auf Anhieb elf Verbände aus den Bereichen Erziehung, Forst, Umwelt- und Naturschutz für die Idee einer Wald-Jugend-Woche zu gewinnen und die Kinder von rund 100 Schulklassen zu einem intensiven Walderlebnis zu führen. Das breite positive Echo ermutigte die Initianten zum Weitermachen: die weiteren Aktionen liefen in der Folge unter dem Namen CH-Waldwochen (CHWW).

Geburt der "Waldpädagogik"

Bis Ende der 80er-Jahre wurden weitere begeisternde Projekte entwickelt und neue Mitarbeitende, auch aus Forstkreisen, stiessen zum Kernteam. Damit gelang der Durchbruch in die offizielle Forstwelt: die Forstdirektion (BAFU) erkannte im Wirken von CHWW ein wertvolles Instrument für nachhaltige Formen von Öffentlichkeitsarbeit für den Wald und unterstützte ab 1990, nebst inzwischen 17 Kantonen, 22 Städten und privaten Sponsoren, diese Arbeit. Daraus ergab sich eine Partnerschaft, die zu einer tragenden Grundlage für die professionelle Weiterentwicklung der Organisation wurde. Nicht nur eine neue Organisation, sondern auch eine neue Art von Pädagogik, die "Waldpädagogik" war geboren, die bald weit über unsere Landesgrenzen hinaus wahrgenommen und angewandt wurde.

Naturbezogene Umweltbildung

In den 90er-Jahren entwickelte sich die Organisation zu einem Kompetenzzentrum für naturbezogene Umweltbildung . Mit Projekten wie "Treffpunkt Wald" (Didaktik- Weiterbildung für Förster), "Schulstube Wald" (neuartige Aktionsideen für Lehrkräfte) oder ab 1991 mit der jährlichen Organisation des Internationalen Tages für den Wald (ITW) für die Schweiz, erlangte CH-Waldwochen zunehmend an Bedeutung.

Aus jahrelanger Erfahrung mit dem Projekt "Waldzyt" (Familienwochen im Wald) wurde der "Lehrgang Natur- und Umweltpädagogik" entwickelt und 1996 als zweijähriges berufsbegleitendes Weiterbildungsangebot lanciert. Seit 2004 wird diese Ausbildung in modularisierter Form angeboten. Die Schulung von MultiplikatorInnen war begleitet von wegleitenden Publikationen wie "Wald erleben - Wald erkunden", "Quattro stagioni - Wald und Holz im Unterricht" oder "Treffpunkt Wald", einem praxisnahen waldpädagogischen Handbuch für Forstleute und UmweltpädagogInnen, das in der Schweiz, in Deutschland und Österreich heute als Standardwerk fast in jedem Forstamt verwendet wird.

Erster Höhepunkt - Umbruch - Neuauftritt

Als CH-Waldwochen 1995 ihr Zehn-Jahr-Jubiläum feierten, war die Organisation als ein gesamtschweizerischer gemeinnütziger Verein mit Koordinationsstellen in der Romandie ("Découvrir la Forêt") und im Tessin ("Vivere il bosco") definitiv unter den anerkannten Organisationen für Umweltbildung etabliert. Die erreichte Grösse und Vielfalt der Organisation sowie ein sich wandelndes bildungs- und umweltpolitisches Umfeld riefen jedoch nach angepassten Strukturen. Äusserer Ausdruck des Wandels war 1999 ein neuer Auftritt unter dem gesamtschweizerisch einheitlichen Namen SILVIVA, sowie die Verlegung des Geschäftssitzes von Zofingen nach Zürich.

Dem Geschäftsleiter Fredy Nipkow gelang es in der Folge, nebst der langjährigen Partnerschaft mit der Forstdirektion (BAFU) zwei wichtige neue Partnerschaften zu begründen: mit der Schweizer Berghilfe (SBH) und mit der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). All diesen Partnern gebührt im Namen von ganz SILVIVA ein grosser Dank und Anerkennung für den Weitblick, mit dem sie trotz oft schwierigen Umständen die Anliegen der Umweltbildung unterstützen.

Bezüglich Projektentwicklung ging es bei SILVIVA auch nach 2000 intensiv weiter:

  • Zum Thema Naturgefahren entstanden im Projekt "schutz.wald.mensch" bis heute sieben Naturlernpfade.
  • Das Projekt "Waldzyt für Familien" wurde 2001 in Zusammenarbeit mit Tourismus- und Naturschutzorganisationen als Angebot für Aktivferien im Wald unter dem Titel "Freizeit" mit Erfolg neu lanciert.
  • "Treffpunkt Wald" steht mitten in einer ambitiösen Kampagne, die zwischen 2004 und 2006 in Zusammenarbeit mit zahlreichen Förstern möglichst viele Schulklassen zur Nutzung des Lernortes Wald animieren will.
  • Seit 2004 läuft mit dem Projekt "KerbHolz28" eine von den Medien sehr beachtete Pionier-Waldschule zur Reintegration von Schülern, die für drei Monate vom regulären Schulunterricht ausgeschlossen sind.
  • Im Tessin wird die "Aula nel bosco", eine Art fachlich betreutes Schulzimmer und Labor im Wald, von Lehrkräften mit ihren Schulklassen immer häufiger benutzt.
  • In der Romandie erfreut sich das Projekt "Pépinière" (Baumschule), ein Angebot für erlebnisbetonte geführte Schultage im Wald, zunehmender Beliebtheit.

Ende 2005 liefen bei SILVIVA neun Projekte mit ganz unterschiedlichen Grössen und Zielgruppen. Seit Sommer 2006 ist Marcel Fierz der neue Geschäfsleiter dieser gesamtschweizerischen Organisation für Umweltbildung und Wald.


  • Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Stiftung SILVIVA.

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