Freitagabend, das Mobiltelefon des Pressesprechers des Forstbetriebes Fichtengrün klingelt. Es ist der Redakteur des Radiosenders "Buschfunk". Am Sonntag komme doch ein großer Sturm und er bräuchte für Montagmorgen um 8 Uhr im Frühstücksradio einen Interviewpartner "aus dem Wald". Und wie lautet Ihre Antwort auf diese Frage? Wenn Sie mit "Kein Problem, ich kenn da jemand" antworten, dann finden Sie hier wahrscheinlich wenig Neues. Aber sollte die Antwort "Kein Kommentar" lauten, dann lesen Sie bitte weiter…

Warum Krisenkommunikation?

Die meisten forstwirtschaftlichen Krisen sind für die Bevölkerung nicht von Belang. Andere hingegen, dazu zählen überregionale Sturmereignisse und große Waldbrände, rufen ein großes Interesse hervor und wecken Emotionen. Neben den speziell forstlichen Krisen können ebenso Betrugsfälle, Missmanagement oder Unfälle eine erhöhte Beachtung bei Interessensvertretern und in der Öffentlichkeit auslösen. Wird die Kommunikation in brenzligen Situationen eingestellt oder die Floskel "Kein Kommentar" gegenüber den Medienvertretern geäußert, dann entsteht der Eindruck, dass etwas verschwiegen wird. Zudem sind Behörden zur Auskunft gegenüber der Presse laut den Landespressegesetzen verpflichtet. Durch passives Verhalten überlässt man das Feld anderen und hat keinerlei Einfluss auf die Berichterstattung über das Ereignis.

Kritische Situationen treten immer wieder ein. Oft überraschend, manchmal schleichend. Aber alle Krisen fordern eine Kommunikation. Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Transparenz bei der Öffentlichkeit, Kunden und Partnern sowie bei den eigenen Mitarbeitern sind wichtige Bestandteile der Zusammenarbeit und des Zusammenlebens. Diese können durch falsche Handlungen, Botschaften oder zu späte Informationen leicht verspielt werden. Daher erfordert die Kommunikation in Krisen eindeutige Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten sowie ein einheitliches, offenes, ehrliches Auftreten.

Ziel der Krisenkommunikation

Ziel der Krisenkommunikation ist es schnell, ehrlich und transparent Informationen an die Öffentlichkeit, Medien, Kunden und Partner sowie eigene Mitarbeiter zu übermitteln. Mittels einer offensiven und aktiven Berichterstattung gestalten und steuern wir den Informations- und Meinungsbildungsprozess selbst. Das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit werden durch die richtigen Maßnahmen erhalten und gestärkt. Bei passivem und defensivem Verhalten oder gar fehlender Berichterstattung, liefern "Dritte" entsprechende Informationen und Meinungen werden durch andere gebildet. Diese passive Haltung führt zum Zugzwang, Informationen richtig zu stellen oder sich zu rechtfertigen, anstatt selbst den Ton anzugeben.

Verlauf und Wahrnehmung von Krisen

Grundsätzlich haben alle Krisen einen ähnlichen medialen Verlauf. Nach Eintritt einer Krise ist das Interesse innerhalb der ersten Woche sehr groß. In dieser ersten Phase berichten die Medien z. T. mit reißerischen Schlagzeilen. Anschließend folgen bei großem Interesse Hintergrundberichte zum Thema. Treten in dieser Phase (Dauer ca. 2 Wochen) widersprüchliche Aussagen auf oder "kriselt" es im Krisenmanagement, wird diesem hohe Aufmerksamkeit geschenkt, die Medien forschen nach und die Krisenphase verlängert sich.

Danach flaut das Interesse langsam ab. Zu diesem Zeitpunkt berichten die Medien über Hintergrundinformationen und über die Folgen des Ereignisses. Das Thema verschwindet danach wieder aus den Medien oder es findet sich nur noch in Fachzeitschriften.

Literatur

    • Bundesministerium des Inneren (2008): Krisenkommunikation – Leitfaden für Behörden und Unternehmen. 1. Aufl.
    • Bachhofer, M.; Freidhager, R. (1995): PR-Wegweiser für Forstleute. Österreichische Bundesforste.

    Ratgeber Forstliches Krisenmanagement

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