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Artikel

Autor(en): Annelie Bloß, Hilmar von Bodelschwingh
Redaktion: FVA, Deutschland
Kommentare: Artikel hat 1 Kommentar
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Praxistest: Der Göttinger-Förster-Stick

Lieber ein einfaches, kompaktes Messgerät, das man mit in den Wald nimmt, als ein unhandliches und kompliziertes, das zu Hause im Schrank bleibt. Daher wurde an der Abteilung für Forstökonomie und Forsteinrichtung der Georg-August-Universität Göttingen der Versuch unternommen, ein kompaktes Messwerkzeug für die Hosentasche zu entwickeln, das bei der täglichen Arbeit im Wald ein gutes Hilfsmittel bei der Erfassung wichtiger Bestandesgrößen sein kann. Das Ergebnis ist der Göttinger-Förster-Stick.

Der Förster-Stick kann bei der Abteilung für Forstökonomie und Forsteinrichtung (E-Mail: forecon @ gwdg.de) zu einem Preis von 7 € zzgl. Porto und Verpackung bezogen werden.

Ermittlung der Volumenprozente mit dem Förster-Stick
Abb. 1: Ermittlung der Volumenprozente mit dem Förster-Stick.

Auf der Vorderseite ist der Göttinger-Förster-Stick ein ganz gewöhnlicher Gliedermaßstab von einem Meter Länge, der zum Beispiel bei der Kontrolle von Zopf- und Stammfußdurchmessern oder der Ermittlung des Zuwachses der letzten Jahre an frisch gefällten Baumstubben sehr hilfreich sein kann. Auf der Rückseite des Maßstabs sind zwei Skalen für die Volumenanteile am stehenden Baum und für die Messung von Brusthöhendurchmessern vorgesehen.

Volumenprozente und Durchmesserschätzung

Um am stehenden Baum eine Wertansprache durchzuführen, benötigt man häufig Informationen über die Anteile einzelner Stammabschnitte am Baumvolumen. Hier kann der Göttinger-Förster-Stick hilfreich sein. Der Betrachter entfernt sich soweit vom Baum, bis dieser ganz in den senkrecht gehaltenen Göttinger-Förster-Stick passt. Die jeweiligen Volumenprozente können anschließend abgelesen werden (Abb. 1). Zugrundegelegt ist hier der Schaftaufbau nach den Ausbauchungsreihen mit der echten Formzahl 0,5 für Fichte nach Prodan (1965, S. 122), die vereinfachend auch für andere Baumarten angewendet werden kann.

Der Durchmesserschätzung funktioniert nach dem Prinzip des aus Nordamerika stammenden Biltmore-sticks. Für die Messung müssen immer alle drei Durchmesser-Segmente des Förstersticks ausgeklappt werden; die beiden verbliebenen dienen rechtwinklig umgeklappt als Griff. Der Beobachter stellt sich nun mittig so weit vor den Baum, dass die drei ausgeklappten Durchmesser-Segmente genau zwischen seinem rechten (oder linken) Auge und der auf Brusthöhe angepeilten Baummitte passt. Nun den Kopf nicht mehr bewegen, das andere Auge zukneifen und den Försterstick so an den Baum drehen, dass die linke Baumkante genau über den senkrechten Strich am linken Ende der Durchmesserskala angepeilt wird. Der Wert, der mit der rechten Seite der Skala abschließt, ist der Durchmesser (Abb. 2).

Ablauf bei der Durchmesserermittlung: Der Abstand zwischen Auge und Baum muss genau der Lände des Förster-Sticks entsprechen.   Der aktuelle Durchmesser lässt sich dann an der Skala ablesen (hier forstlich gerundete 18 cm).
Abb. 2a: Ablauf bei der Durchmesserermittlung: Der Abstand zwischen Auge und Baum muss genau der Lände des Förster-Sticks entsprechen.
  Abb. 2b: Der aktuelle Durchmesser lässt sich dann an der Skala ablesen (hier forstlich gerundete 18 cm). Fotos: Markus Dög 

Einfach und genau

Auf diese Weise können Durchmesser bis 84 cm ermittelt werden. Das Verfahren der Durchmesserschätzung mittels Göttinger-Förster-Stick erfolgt nach kurzer Einübung recht genau, wie die Ergebnisse der Bachelorarbeit von Bloss (2014) zeigten. Im Zuge der Arbeit wurden unter anderem 50 Lärchen und 50 Rotbuche im Wald aufgenommen und zur Kontrolle gekluppt. 91 der 100 Messungen wiesen dabei Abweichungen von unter einem Zentimeter auf. In Abb. 3 sind jeweils die mit dem Försterstick und der Kluppe ermittelten Durchmesser dargestellt.

Ergebnisse der Vergleichsmessung des Durchmessers von 100 Bäumen mit Kluppe und Förster-Stick.
Abb. 3: Ergebnisse der Vergleichsmessung des Durchmessers von 100 Bäumen mit Kluppe und Förster-Stick.

Die BHD-Ermittlung erfolgt nach diesen Ergebnissen praktisch verzerrungsfrei mit sehr geringer Streuung. Damit lassen sich die Genauigkeitsanforderungen, wie sie beispielsweise beim Auszeichnen von Zielstärkennutzungen oder bei der Schätzung von Durchmesserverteilungen im Rahmen der Forsteinrichtung gestellt werden, "spielend" erfüllen. Für Anwendungen mit hohen Präzisionsanforderungen wie Waldbewertungen, Betriebsinventuren oder Holzverkaufsgeschäften kann die Anwendung dieses Schätzverfahrens hingegen nicht empfohlen werden.

Kluppe vs. Förster-Stick

Im Verlauf der Datenermittlung für die Bachelorarbeit wurde auch ein wesentlicher Vorteil des Gerätes deutlich: Während die 80 cm Kluppe, die zur Referenzmessung diente, durch Sperrigkeit und ein hohes Eigengewicht auffiel, konnte der Förster-Stick in der Hosentasche verstaut werde und behinderte auf diese Weise kaum.

Getreu dem Motto "You can't manage what you can't measure" gelingt es dem Göttinger-Förster-Stick einen raschen und hinreichend genauen Eindruck über relevante Bestandesparamter zu geben und den Alltag des Försters auf diese Weise gleich auf zwei Wege wortwörtlich zu "erleichtern".

Links

Literatur

  • Bloß, A. (2014): Untersuchung zur Genauigkeit und praktischen Anwendung der Durchmesser-Erhebung mit dem "Göttinger-Förster-Stick". Bachelorarbeit an der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Georg-August-Universität Göttingen
  • Prodan, M. (1965): Holzmesslehre. J.D. Sauerländer‘s Verlag. Frankfurt am Main.
Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift AFZ-DerWald. AFZ-DerWald

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