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Dossier

Autor(en): Michael Streckfuß
Redaktion: LWF, Deutschland
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Dossier Urbaner Waldbesitz

Der Lebensstil heutiger Kleinwaldbesitzer wird urbaner. Oft sinken dann Kompetenz und Motivation, den Wald zu bewirtschaften. Die Folge sind steigende Risiken durch Pflegerückstände und fallende Renditen. Spezielle Dienstleistungsangebote können da ganz neue Perspektiven eröffnen.

Vollkommen geastetes aber ungeläutertes Fichtenstangenholz
Abb. 1: Der Pflegezustand dieses Fichten-Stangenholzes entspricht sicher nicht der reinen Lehre, doch offensichtlich wird er wenigstens intensiv betreut, was im keine Selbstverständlichkeit ist (Foto: M. Streckfuß).

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft betrifft auch die kleineren Waldeigentümer, die meist ebenfalls Landwirte sind. Viele Betriebe werden aufgegeben oder nur noch im Nebenerwerb geführt, Flächen werden vererbt oder veräußert. Die Haupteinnahmequelle der Eigentümer liegt immer öfter außerhalb der Landwirtschaft und führt zu neuen sozialen Strukturen und einem weniger traditionellen Lebensstil. Hinzu kommen veränderte Marktbedingungen, neue Technologien und hohe Anforderungen seitens der Holzabnehmer und der Gesellschaft. Das alles überfordert so manchen Kleinwaldbesitzer und hat zur Folge, dass auf solchen Flächen Pflegerückstände entstehen und sogar ganze Betriebe beginnen, der Entwicklung hinterherzuhinken.

"Urbanisierung" der Waldbesitzer

Im Extremfall wird diese Tatsache gar nicht bemerkt oder ignoriert, etwa wenn der Betrieb oder Waldbesitz durch Vererben an eine Generation gerät, die zuvor keinen praktischen Bezug dazu hatte und womöglich noch nicht einmal in der Nähe des Besitzes lebt. Oft wissen die neuen Eigentümer dann nur wenig über ihre Möglichkeiten, von den Pflichten und Haftungsfragen ganz zu schweigen.

Bei dieser neuen Generation von Waldbesitzern spricht man vom so genannten "urbanen Waldbesitzer". Mit "urban" ist weniger ein städtischer Wohnort, sondern der entsprechende Wandel im Lebensstil gemeint. Je urbaner jemand lebt, desto weniger ist sein Lebensstil ländlich-traditionell. Der urbane Waldbesitzer will oder muss nicht mehr von seinem Wald leben – stattdessen ist Erholung und Erleben im Wald wichtiger. Sofern er überhaupt betreten wird. Schon die Umstellung von einem Haupt- in einen Nebenerwerbsbetrieb kann zur schleichenden "Urbanisierung" des Besitzers führen.

Die Konsequenz ist allmählich eine fachliche Entfremdung zwischen Eigentümer und Wald. Sie kann einen Teufelskreis bis hin zur Abwertung des Waldbesitzes in Gang setzen. Denn eine sinkende Wettbewerbsfähigkeit gefolgt von falscher oder gar ausbleibender Waldbewirtschaftung erzeugt teure Pflegerückstände. Diese hemmen die Motivation, die Renditen sinken weiter und die wirtschaftlichen Risiken steigen.

Delegation an Fachleute

Dabei müsste das gar nicht sein – über die bestehenden Zusammenschlüsse und bereits bewährte Waldbewirtschaftungs- oder Beratungsverträge ließe sich der Waldbesitz rentabel erhalten, ohne dass der Waldbesitzer seine Lebensumstände verändern oder den Wald veräußern müsste. Zusammenschlüsse können wirtschaftlicher arbeiten, so dass der Waldbesitzer trotz eigener fachlicher Defizite und kleiner Flächen profitabel am Markt teilnehmen kann. Zudem findet er fachliche Unterstützung, wenn dringender Handlungsbedarf bei Kalamitäten oder anderen Schadereignissen entsteht.

Es sollten aber beide Seiten aufeinander zugehen und insbesondere die Zusammenschlüsse und Dienstleister müssten der neuen Kundschaft aktiver als bisher passende Angebote machen. Denn viele Kleinwaldbesitzer zögern, die Bewirtschaftungskompetenz ganz oder teilweise abzugeben. Die Überzeugungsarbeit dürfte sich aber lohnen – das Geschäft ist chancenreich und staatliche Stellen ziehen sich verstärkt aus diesem Feld zurück.

Holzmobilisierung

Holzabnehmer und Gesellschaft sind sehr daran interessiert, den "urbanisierten" Waldbesitz zu erschließen, Stichwort Holzmobilisierung. Auch hier kann eine für beide Seiten wirtschaftliche Lösung aus einer Kooperation zwischen Holzindustrie und den Zusammenschlüssen bestehen.

Vorteile bei der Mobilisierung dieses Holzes sind zum einen die Deckung des Holzbedarfs der Holzindustrie. Schließlich sind gerade die Waldflächen im Kleinprivatwald mit ihren oft hohen Vorräten eine attraktive Holzquelle vor Ort. Zum anderen die Erhaltung einer gepflegten (Wald-)Kulturlandschaft. Schon das ist in Tourismusregionen ein echter Wirtschaftsfaktor. Und der regionale Holzmarkt erhält seinerseits Arbeitsplätze oder schafft sogar neue. Nicht zuletzt hat die Forstwirtschaft als Ganzes ein Interesse daran, überhöhte und damit aus Sicht der Forsthygiene und des Risikomanagements kritische Durchforstungsrückstände abzubauen.

Bedürfnisse des Kleinwaldbesitzers bedienen

Letztlich müssen bei allen Lösungsansätzen rund um den "urbanen Waldbesitz" die Bedürfnisse dieser Klientel erkundet und gezielt bedient werden. Mit Hilfe von Testbetriebsnetzen und Forschungsarbeiten wird bereits versucht, die Informationsdefizite über das noch "unbekannte Wesen" dieser Betriebe zu beheben.

Die folgenden Dokumente geben eine Übersicht über die Facetten des urbanen Waldbesitzes.

Aus der Tradition in die Moderne Aus der Tradition in die Moderne

Forst- und Holzwirtschaft wandeln sich drastisch. Die konzentrierte Macht der Holz- und Papierindustrie sorgt für Druck auf die Holzpreise und höhere Ansprüche an die Qualität des Holzes. Kleinere Waldbesitzer können dies nur über Kosteneinsparungen und vor allem über Zusammenschlüsse kompensieren.

31.03.2007
56.3356.3356.3356.3356.33 (58)
Das Potenzial von Waldbewirtschaftungsverträgen Das Potenzial von Waldbewirtschaftungsverträgen

Immer öfter können oder wollen Waldbesitzer ihren Wald nicht mehr selbst bewirtschaften, Stichwort fehlende Hofnachfolge oder urbaner Waldbesitzer. Hier könnten Forstliche Zusammenschlüsse Überzeugungsarbeit für Waldbewirtschaftungsverträge leisten und viel erreichen.

03.09.2008
60.6760.6760.6760.6760.67 (56)
Der "urbane Waldbesitzer" - das unbekannte Wesen Der "urbane Waldbesitzer" - das unbekannte Wesen

Der "urbane Waldbesitzer" steht für einen auswärtigen Städter, einen passiven und uninformierten Eigentümer oder kurz für einen "Problemwaldbesitzer". Die Forstpraxis sollte ihm dringend mehr Aufmerksamkeit schenken, zumal immer öfter auch bäuerliche Waldbesitzer "urban" werden.

02.09.2008
66.6766.6766.6766.6766.67 (46)
Der Forstliche Zusammenschluss aus Sicht der Waldbesitzer Der Forstliche Zusammenschluss aus Sicht der Waldbesitzer

In Bayern wird jährlich eine Befragung der Privatwaldbesitzer zum Thema Holzeinschlag durchgeführt. Neben Standardfragen zur Holzvermarktung wurden die Waldbesitzer über die forstliche Beratung im Privatwald um Auskunft gebeten.

25.11.2009
50.050.050.050.050.0 (114)
Der Schweizer Privatwald und seine Eigentümer Der Schweizer Privatwald und seine Eigentümer

Eine umfangreiche Studie zeigt die strukturelle und personelle Zusammensetzung der Schweizer Privatwaldeigentümer, deren Bezug zum Wald sowie deren Einschätzung von Forstwirtschaft, Waldpolitik und Fremdnutzungen.

14.01.2006
62.3362.3362.3362.3362.33 (31)
Die Entwicklung des Privatwaldes nach 1945 Die Entwicklung des Privatwaldes nach 1945

Bis zur ersten Bundeswaldinventur 1987 waren die Kenntnisse über die waldbauliche Situation im Privatwald sehr lückenhaft. Gleichzeitig nahm die Forderung der Holz- und Forstwirtschaft sowie der politischen Entscheidungsträger nach verlässlichen Daten über den Privatwald zu.

11.02.2005
61.6761.6761.6761.6761.67 (47)
Forstliche Zusammenschlüsse in Deutschland Forstliche Zusammenschlüsse in Deutschland

Welche verschiedenen Arten von forstlichen Zusammenschlüssen gibt es in Deutschland, wie sind sie aufgebaut und welche Aufgaben werden sie in Zukunft vor dem Hintergrund sich ändernder Verwaltungsstrukturen tragen müssen?

11.02.2005
53.6753.6753.6753.6753.67 (381)
Funktion des bäuerlichen Waldbesitzes im ländlichen Raum Funktion des bäuerlichen Waldbesitzes im ländlichen Raum

Bäuerlicher Waldbesitz nimmt im Schwarzwald einen erheblichen Flächenanteil ein. Die Nutzung dieser Waldflächen birgt viele Funktionen in sich.

10.02.2005
61.061.061.061.061.0 (23)
Dossier Holzmobilisierung Dossier Holzmobilisierung

Die nachhaltige Nutzung des Holzzuwachses hat viele Vorteile. Aus diesem Grund befasst sich die forstliche Forschung intensiv mit diesem Thema. Die ausgewählten Beiträge sollen eine erfolgreiche Holzmobilisierung unterstützen und fördern.

05.08.2008
60.060.060.060.060.0 (25)
Internetservice für Forstliche Zusammenschlüsse Internetservice für Forstliche Zusammenschlüsse

Was früher das Branchenbuch war, ist heute das Internet. Ein entsprechender Auftritt ist daher unverzichtbar, doch gerade Forstliche Zusammenschlüsse tun sich oft noch schwer damit. Der Förderverein Zentrum Wald-Forst-Holz bietet Hilfe.

13.08.2014
62.6762.6762.6762.6762.67 (25)
Struktur, Verhalten und Einstellung von Schweizer Privatwaldeigentümern Struktur, Verhalten und Einstellung von Schweizer Privatwaldeigentümern

Rund ein Viertel des Schweizer Waldes gehört privaten Waldeigentümern. Aufgrund ihrer Anzahl (246'000), der Altersstruktur und dem beruflichen und demographischen Kontext sind sie schwierig zu erreichende Ansprechpartner.

14.01.2008
58.6758.6758.6758.6758.67 (38)
Urbane Waldbesitzer sind gegenüber Naturschutzaktivitäten aufgeschlossen Urbane Waldbesitzer sind gegenüber Naturschutzaktivitäten aufgeschlossen

Bäuerliche Waldbesitzer haben eine geringe Bereitschaft zu Naturschutzleistungen und stellen ungern Waldflächen für Erholungseinrichtungen unentgeltlich zur Verfügung. "Urbane" Waldbesitzer sind eher dazu bereit.

21.10.2008
57.057.057.057.057.0 (45)
Waldbesitz ist immer öfter Frauensache Waldbesitz ist immer öfter Frauensache

Der genaue Anteil von Frauen unter den Waldbesitzern Bayerns ist unbekannt, wird aber sicher zunehmen. Deshalb sollten auch im Forstsektor die Motive und Bedürfnisse von Frauen stärker berücksichtigt werden.

13.08.2008
56.6756.6756.6756.6756.67 (176)
Waldbesitz ist meist nah am Wohnort Waldbesitz ist meist nah am Wohnort

Immer mehr Waldbesitzer entfernen sich zwar fachlich von ihrem Wald, nicht jedoch räumlich. Dies bewahrt die Chance, sie durch Beratung erreichen zu können, macht aber eine daran angepasste Beratung erforderlich.

12.08.2008
62.062.062.062.062.0 (21)
Waldbesitzer auf dem Weg in die Zukunft Waldbesitzer auf dem Weg in die Zukunft

Privatwaldbesitzer haben eine sehr heterogene Betriebsausstattung und Zielrichtung. Auch die zunehmende "Urbanisierung" verschlechtert ihre Marktposition in einer globalisierten Welt. Zusammenschlüsse können diese Nachteile wettmachen und sogar weitere Vorteile erschließen.

05.09.2008
52.6752.6752.6752.6752.67 (178)
Waldbesitzervereinigung und Beratungsförster Waldbesitzervereinigung und Beratungsförster

Das altbekannte Thema Holzmobilisierung im Privatwald hat seit der Forstreform in Bayern neue Rahmenbedingungen. Erste Erfahrungen zeigen jedoch, dass die Partnerschaft zwischen Waldbesitzervereinigungen und staatlicher Beratung nach wie vor erfolgreich sein kann.

05.03.2007
58.6758.6758.6758.6758.67 (116)
Waldwirtschaftsgemeinschaft - gemeinsam erfolgreich Waldwirtschaftsgemeinschaft - gemeinsam erfolgreich

Vor mehr als 30 Jahren schlossen sich in Österreich erstmals Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer zusammen, um gemeinsam Holz zu vermarkten. Heute gibt es über 237 Waldwirtschaftsgemeinschaften.

26.08.2008
68.6768.6768.6768.6768.67 (33)
Wem gehört Österreichs Wald? Wem gehört Österreichs Wald?

Mit dem Strukturwandel schwindet auch die traditionelle Bindung von Waldeigentum an landwirtschaftliche Betriebe. Wer die „neuen" Waldeigentümer sind und wie sie ihrem Wald gegenüber stehen, zeigt eine Studie.

15.10.2008
58.058.058.058.058.0 (88)
Wie wichtig ist Gewinnerzielung für die Waldbesitzer? Wie wichtig ist Gewinnerzielung für die Waldbesitzer?

Während der Forstmesse in Luzern 2001 befragte die Forschungsanstalt WSL die Besucher zur aktuellen Lage der Forstwirtschaft. Unter anderem: Wie wichtig ist es für Waldbesitzer, einen Gewinn aus der Waldbewirtschaftung zu erzielen?

15.02.2006
64.064.064.064.064.0 (25)
Zukunftsmarkt Waldpflegeverträge Zukunftsmarkt Waldpflegeverträge

Durch die Forstreform in Bayern gibt der Staat zunehmend die betriebsbezogene Beratung der Waldbesitzer ab, zum Beispiel an forstliche Zusammenschlüsse. Neben der Holzvermarktung sind Waldpflegeverträge künftig ein besonders chancenreiches Betätigungsfeld derartiger Selbsthilfeeinrichtungen.

15.12.2006
63.6763.6763.6763.6763.67 (56)