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Dossier

Autor(en): Michael Streckfuß
Redaktion: LWF, Deutschland
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Dossier Eichenprozessionsspinner

Es sieht aus wie nach einem Chemieunfall: Experten in Atemschutzmasken und geschlossenen Schutzanzügen klettern auf Bäume, versprühen dort Flüssigkeiten oder hantieren mit Gasbrennern, Müllsäcken und Greifzangen. Die Szene ist beklemmend - aber längst kein Einzelfall mehr.

Jungräupchen des Eichenprozessionsspinners
Abb. 1: Jungräupchen des Eichenprozessionsspinners - in diesem Stadium sind die Haare noch ungefährlich (Foto: Archiv LWF).

Denn die Aktion gilt den Raupen des Eichenprozessionsspinners und den behaarten Hüllen, die die Raupen bei der Häutung zurückgelassenen haben.

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein unauffälliger Nachtschmetterling. Als Forstschädling war die Art in Bayern trotz gelegentlicher Massenvermehrungen bis zum Beginn der neunziger Jahre eher unbedeutend, da sich das wärmeliebende Insekt hier am Rande seines klimatischen Optimalbereichs befindet. Die wärmere und trockenere Witterung der letzten Jahre hat aber zu einer deutlichen Ausweitung des Vorkommens geführt. Auch kam es zu einer ungewohnten Häufung von Massenvermehrungen selbst dort, wo der Falter bisher kaum eine Rolle gespielt hat.

Das alleine wäre noch kein Grund zu größerer Sorge, da sich der forstwirtschaftliche Schaden selbst bei einem einmaligen Kahlfraß der Bäume in der Regel in Grenzen hält. Außerdem werden die Eier bevorzugt an Bestandesrändern und einzeln stehenden, gut besonnten Eichen abgelegt. Das Innere von größeren Waldbeständen und somit die eher wertvolleren Bäume sind also meist gar nicht so stark betroffen.

Hauptproblem: Die Brennhaare

Richtig kritisch und daher zunehmend in den Medien präsent wird der Eichenprozessionsspinner erst durch die Brennhaare seiner Raupen. Nach ihrer dritten Häutung besitzen die dann etwa 2 cm langen Tiere Haare, die bei Berührung leicht brechen und dabei ein hochallergenes Eiweiß freisetzen. Bei jeder weiteren Häutung bleibt die alte, behaarte Larvenhülle zurück. Der Wind kann diese Haare weit verwehen oder sie sammeln sich im Geäst und am Boden an. Von dort können sie jederzeit wieder aufgewirbelt werden und so auf die Haut oder Schleimhäute gelangen. Dank ihrer Widerhaken bleiben sie dort auch haften und lösen im besten Fall nur Hautrötungen aus, im schlimmsten Fall ein lebensgefährliches Kreislaufversagen. Bei Schleimhäuten und in den Augen fallen die Reaktionen besonders stark aus, heftige Entzündungen sind oft die Folge.

Weil die Raupen bevorzugt frei oder sonnig stehende Bäume befallen, ist der hygienische Aspekt der Raupenhaare besonders brisant. Denn solche Bäume stehen eben selten mitten im Wald, sondern meistens an Waldrändern in Siedlungsnähe, in Parks oder gar mitten in Ortschaften. Daher gelangen die gefährlichen Haare direkt in die Nähe der Bevölkerung. Das Ausmaß der Betroffenheit geht also weit über die Beschäftigten im Forstsektor hinaus!

Allergene Dauerwirkung

Hinzu kommt, dass die Beeinträchtigung durch die Brennhaare nicht auf die relativ kurze Zeit der Raupenaktivität beschränkt ist. Vielmehr reichern sich die Haare wie ein Giftstoff über Monate und Jahre hinweg im Gelände an. Die allergene Wirkung bleibt dabei erhalten und kann ganzjährig Probleme verursachen. Wer bei einer Bekämpfungsaktion an einen Chemieunfall erinnert wird, liegt also gar nicht mal so falsch.

Und welcher Selbstwerber oder Waldarbeiter denkt schon bei der Arbeit im Winter an Raupen und deren Haare? Welcher Waldbesucher erinnert sich beim Streifen durchs Unterholz noch an die Raupenplage vom Vorjahr? Zwar sind viele Bewohner der stark betroffenen Gebiete bereits sensibilisiert, alle anderen jedoch müssen ganzjährig auf die Gefahr hingewiesen werden.

Auch die Bekämpfung gestaltet sich schwierig. Ein flächendeckender Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist in Siedlungsnähe sehr problematisch. Die manuell-mechanische Bekämpfung gefährdet wegen der Haare alle Akteure und ist nicht zuletzt wegen der aufwändigen Sicherheitsmaßnahmen extrem teuer.

Im vorliegendem Dossier bieten wir eine Reihe von Informationen an, die sich mit der zunehmenden Bedeutung dieses Insekts in unserer Landschaft befassen.

Weiterführende Informationen zum Eichenprozessionsspinner

Eichenprozessionsspinner und Eichenschadgesellschaft

Aktueller Hinweis zum Eichenprozessionsspinner Aktueller Hinweis zum Eichenprozessionsspinner

Die Raupen befinden sich im 3. Larvenstadium. In diesem Stadium bilden sie Gifthaare aus und sind ab sofort eine Gefahr für die menschliche Gesundheit. Wer präventiv regulieren will, hat jetzt die letzte Möglichkeit dazu.

11.05.2017
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LWF-Merkblatt Nr. 15 - Eichenprozessionsspinner LWF-Merkblatt Nr. 15 - Eichenprozessionsspinner

Ein früher eher seltener Schmetterling macht vor allem in Nordbayern immer öfter Probleme, die über die direkte Schäden der Bäume hinausgehen.

14.12.2004
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Der Eichenprozessionsspinner Der Eichenprozessionsspinner

Die forstwirtschaftliche Bedeutung des Prozessionsspinners ist in der Regel gering, da es selten zum Kahlfraß ganzer Bestände kommt. Weitaus größer ist die gesundheitliche-hygienische Bedeutung.

05.01.2005
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Informationen zum Eichenprozessionsspinner in Bayern Informationen zum Eichenprozessionsspinner in Bayern

Der Eichenprozessionsspinner ist dank der warmen Witterung der letzten Jahre auf dem Vormarsch. Trotz größerer Fraßschäden in Nordbayern ist das Insekt nicht in erster Linie als Forstschädling, sondern wegen der gesundheitsgefährlichen Haare seiner Raupen gefürchtet.

31.07.2007
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Der Eichenprozessionsspinner als ernste Gefahr für Waldbäume Der Eichenprozessionsspinner als ernste Gefahr für Waldbäume

Das Frühjahr 2011 war optimal für die Entwicklung des Eichen-Prozessionsspinners. Aufgrund des Klimawandels ist es denkbar, dass sich das Insekt im Verbreitungsgebiet der Eiche in Baden-Württemberg langfristig etabliert. (Pfeil: Ei einer Raupenfliege)

23.08.2011
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Massenvermehrung von Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner Massenvermehrung von Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner

Während es beim Schwammspinner erstmals seit 1993/1994 wieder zu einer Massenvermehrung kam, breitete sich der Eichenprozessionsspinner räumlich sehr stark aus. Er trat an Orten auf, an denen er zuvor nicht gesehen worden war.

12.04.2006
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Klimaveränderungen und Biotische Schäden im Wald Klimaveränderungen und Biotische Schäden im Wald

Die Auswirkungen kurzfristiger Witterungseinflüsse auf die wichtigsten Forstschädlinge lassen sich meist gut abschätzen. Dies trifft jedoch keineswegs auf die Auswirkungen einer längerfristigen Änderung der Witterung im Zuge des Klimawandels zu.

23.12.2004
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Eichenschäden Eichenschäden

Eichenschadorganismen mögen es gerne warm und trocken. Ideale Verhältnisse haben sie in den letzten Jahren auf der Fränkischen Platte gefunden. Und das ist an den dortigen Eichen nicht spurlos vorüber gegangen.

13.08.2012
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Eichenschädlinge im Klimawandel in Südwestdeutschland Eichenschädlinge im Klimawandel in Südwestdeutschland

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21.08.2012
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Waldschutz bei der Traubeneiche Waldschutz bei der Traubeneiche

Die Traubeneiche ist eine sehr belebte Baumart. Einige der vielen Bewohner machen ihr allerdings auch zu schaffen. Besonders kritisch wird es, wenn früh- und spätfressende Arten gemeinsam auftreten.

18.12.2014
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Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners

Bacillus thuringiensis-Präparate gegen freifressende Schmetterlingsraupen im Forst Bacillus thuringiensis-Präparate gegen freifressende Schmetterlingsraupen im Forst

Antworten zu den 12 häufigsten Fragen zum Einsatz von Bacillus thuringiensis-Präparaten bei der Bekämpfung von freifressenden Schmetterlingsraupen.

06.06.2008
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Bacillus thuringiensis: unentbehrlich für den integrierten Pflanzenschutz Bacillus thuringiensis: unentbehrlich für den integrierten Pflanzenschutz

Bacillus thuringiensis-Präparate werden seit den 1970er Jahren erfolgreich gegen freifressende Schmetterlingsarten im Forst eingesetzt. Seit Ende 2010 steht es aber nicht mehr für Waldschutzmaßnahmen mit Luftfahrzeugen zur Verfügung.

21.11.2012
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Eichenprozessionsspinner und andere "reizende" Raupen

Eichen sollst du weichen! Eichen sollst du weichen!

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners werden alljährlich zwischen Mitte Mai und Juli zu einem Problem: Der ökologische Schaden durch Blattfraß ist meist gering, da die Eiche rasch wieder austreiben kann, wogegen die Gifthaare für den Menschen ein erhebliches Gesundheitsrisiko sind. Tipps, wie man sich sich davor schützen kann.

13.04.2006
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Vorsichtsmaßnahmen bei Holzernte in Beständen mit Eichenprozessionsspinnerbefall Vorsichtsmaßnahmen bei Holzernte in Beständen mit Eichenprozessionsspinnerbefall

Was tun, wenn Bestände mit Gespinsten des Eichenprozessionsspinners zur Holzernte anstehen? Im Folgenden einige Ratschläge zum Schutz vor Kontamination mit den Spiegelhaaren der Raupen.

16.11.2005
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"Reizende" Raupen "Reizende" Raupen

Der Goldafter ist ein forstlich eher unbedeutender Schmetterling. Allerdings besitzen seine Raupen Brennhaare, die Hautreizungen hervorrufen können – ähnlich wie beim Eichenprozessionsspinner. Die Bekämpfung des Goldafters ist aber nicht schwierig.

19.07.2011
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Vorsicht vor Schmetterlingsraupen mit Brennhaaren Vorsicht vor Schmetterlingsraupen mit Brennhaaren

Die Raupen einiger Schmetterlingsarten besitzen Brennhaare, die starken Juckreiz, Hautreizungen aber auch Schädigungen an Atemwegen und Augen hervorrufen können. Bei der Baum-, Waldrand- oder Böschungspflege ist also Vorsicht geboten.

07.06.2006
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