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Dokumentinformationen
Autor(en): Redaktion waldwissen.net - WSL
Originalartikel: -
Online-Version: Stand: 01.09.2007
Redaktion: WSL, CH
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch

Totholz

liegendes Totholz
Foto: T. Reich (WSL)

Seit längerer Zeit ist Totolz ein viel diskutiertes Thema. Totholz ist ein charakteristisches Merkmal natürlicher Wälder. Es spielt im Ökosystem Wald eine zentrale Rolle, denn es bildet die Lebensgrundlage für eine Fülle von Tier- und Pflanzenarten. Säugetiere wie der Siebenschläfer, in Höhlen brütende Vögel oder wärmeliebende Reptilien - alle sind auf Totholz angewiesen oder profitieren davon. Auch zahlreiche Pilze leben vom Totholz und spielen, wie viele Insekten und Wirbellose, bei der Holzzersetzung eine entscheidende Rolle. Wissenschafter haben herausgefunden, dass mindestens 20 % der Waldarten von Alt- und Totholz abhängen.

Daneben trägt Totholz vor allem in Gebirgswäldern auch wesentlich zur Naturverjüngung bei und kann vorübergehend eine gute Schutzwirkung gegenüber Lawinen und Steinschlag bieten.

Wieviel Totholz braucht es im Wald?

Dies ist eine schwierige und bislang weitgehend unbeantwortete Frage. Die Menge an totem Holz hängt einerseits von der Wüchsigkeit des Standortes und von der Zersetzungsgeschwindigkeit des Holzes, andererseits von der Bewirtschaftungsform ab. In osteuropäischen Urwäldern haben Waldforscherinnen und -forscher Totholzmengen von 50-200 m3 pro Hektare gemessen. In sehr alten Beständen können sich vorübergehend sogar 400 m3 ansammeln. In unseren mitteleuropäischen Wirtschaftswäldern gibt es hingegen wenig Totholz. Im Schweizer Mittelland sind es durchschnittlich 5-10 m3 pro Hektare.

Interessenkonflikt: Holznutzung vs. Totholzförderung

Zu früheren Zeiten, als praktisch jeder Ast zum Kochen oder Heizen verwendet wurde, dürfte es kaum Totholz in den Wäldern gegeben haben. Heute, bei tiefen Holzpreisen und häufig unrentabler Forstwirtschaft, steigen die Totholzvorräte vielerorts wieder an.

Spätestens seit dem rasch steigenden Ölpreis und seit der Klimadebatte verstärken sich die Bestrebungen, den CO2-neutralen Baustoff und Energieträger Holz zu fördern, um gleichzeitig die (zu) hohen Vorräte in den Wäldern zu senken. Die verstärkte Holznutzung birgt jedoch Potential für einen Interessenkonflikt mit der ebenfalls angestrebten Totholzanreicherung. Daher gilt es, einen klugen Kompromiss zwischen Holznutzungsförderung und Totholzmenge zu finden.


Lebensraum Totholz
Lebensraum Totholz  

Totholz ist als Lebensgrundlage tausender Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Flechten ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems Wald. In Wirtschafswäldern hat es im Vergleich zu Nat(Ur)-Wäldern oft sehr wenig totes Holz. Ein WSL-Merkblatt möchte das Verständnis für Totholz fördern.

 
Totholz lebt!
Totholz lebt!  

Totes Holz lebt. Es bietet Lebenraum für zahlreiche Arten von Insekten, Wirbellosen, Wirbeltieren oder Pilzen. Das Internetportal www.totholz.ch gibt einen umfassenden Einblick in die Welt des Totholzes.

Österreichische Waldinventur: Totholz
Österreichische Waldinventur: Totholz  

Totholz beeinflusst das Bestandesklima, speichert Feuchtigkeit sowie Nährstoffe und dient als Lebenslaum für Pflanzen und Tiere. Die Österreichische Waldinventur zeigt eine deutliche Zunahme von Totholz auf.

 
Naturverjüngung im Bergwald
Naturverjüngung im Bergwald  

Im Bergwald ist die Verjüngung der Bäume zum grossen Teil auf vermoderndes Holz angewiesen. Durch gezieltes Anordnen von Moderholz ist es möglich, die Naturverjüngung langfristig zu fördern. Dies zeigen Untersuchungen aus der Ostschweiz.

Schlagräumung
Schlagräumung  

Schlagräumungen führt man aus Gründen wie Arbeitssicherheit, Bestandesbegründung, Bestandespflege oder Forstschutz durch. Eine undifferenzierte "Saubere Wirtschaft" ist jedoch nicht mehr zeitgemäss.

 
Wie viel Totholz braucht's im Wald?
Wie viel Totholz braucht's im Wald?  

Natürliche Wälder zeichnen sich durch bedeutende Mengen von abgestorbenem Holz aus. Schwierig abzuschätzen ist jedoch, wie viel totes Holz für die Erhaltung der Artenvielfalt nötig ist.

Förderung von saproxylischen Arten
Förderung von saproxylischen Arten  

Tier- und Pflanzenarten, die auf Totholz angewiesen sind, gehören zu den am meisten gefährdeten Organismen Mitteleuropas. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über Massnahmen zur Erhöhung des Totholzanteils in Wäldern, beleuchtet mögliche Zielkonflikte und zeigt Lösungsansätze auf.

 
Saproxylische Arten in der Schweiz
Saproxylische Arten in der Schweiz  

Die Schweiz trägt zur Erhaltung der von totem Holz abhängigen Artenvielfalt Mitteleuropas eine besondere Verantwortung. Für einen sinnvollen Schutz ist es notwendig zu wissen, wo sich die grössten Erhaltungs- und Förderungspotenziale für diese so genannten saproxylischen Organismen befinden.

Der Alpenbock
Der Alpenbock  

Im Gegensatz zu anderen gefährdeten Arten mangelt es dem Alpenbock in Mitteleuropa nicht an Lebensraum. Vielmehr macht ihm die intensive Nutzung von Buchenwäldern zu schaffen.

 
Holzbewohnende Käfer
Holzbewohnende Käfer  

In den letzten drei Jahrzehnten fand eine intensive Diskussion um das Totholz im Wald statt. Unbestritten ist, dass die Artenvielfalt steigt, wenn genügend totes Holz in den Wäldern vorhanden ist. Durch zusätzliches Auflichten entstehen Lebensräume, in denen auch viele seltene Arten leben können.

Totholz als Pilzlebensraum
Totholz als Pilzlebensraum  

Wenn ein geworfener Baumstamm im Wald liegen bleiben darf, durchläuft er eine Reihe von Zersetzungsstadien, die von einer beeindruckenden Vielfalt entsprechend angepasster pilzlichlicher Bewohner begleitet wird. Mit mehr als 250 nachgewiesenen Pilzarten sind tote Buchenstämme der Renner für Totholzpilze.

 
Totholz und Privatwald
Totholz und Privatwald  

Obwohl Totholz aus wirtschaftlichen und sicherheitstechnischen Gründen zweischneidig ist, hält der Privatwald einen unerwartet hohen Totholzanteil vor. Die Gründe dafür sind vielfältig, doch meist geschieht dies bewusst und freiwillig, weshalb weitere staatliche Vorgaben eher schädlich als hilfreich sein könnten.

Spechte – anspruchsvolle Waldbewohner
Spechte – anspruchsvolle Waldbewohner  

Spechte gehören zu den bekanntesten waldbewohnenden Tierarten. Der Klang ihrer auffälligen Trommelwirbel kennt fast jedes Kind. Als sogenannte Schlüsselarten schaffen sie unentbehrliche Lebensraumelemente für weitere Tiere.

 
Totholz als Lebensraum für Insekten
Totholz als Lebensraum für Insekten  

Totholz ist ein wichtiger Lebensraum für Insekten. Aber auch andere Tiergruppen profitieren davon.

Totholz im Fließgewässer
Totholz im Fließgewässer  

Viele Fließgewässer in Mitteleuropa wurden durch anthropogene Einflüsse schwerwiegend verändert Selbst die Bäche in unseren Wäldern sind von der menschlichen Nutzung nicht unbeeinflusst geblieben. So können zahlreiche Charakteristika natürlicher Waldbäche nur ansatzweise wiedergefunden werden.

 
Biotopbäume und Totholz
Biotopbäume und Totholz  

Totes Holz ist nicht tot. Der Wert von abgestorbenen Bäumen oder Baumteilen ist meist viel höher als der geringe Restwert des Holzes selbst.

Schatztruhen im Buchenwald
Schatztruhen im Buchenwald  

Baum- und Mulmhöhlen haben eine herausragende Funktion in Waldökosystemen. Uralte, mächtige und zerklüftete Eichen sind typische Höhleninseln. Entsprechende Buchen sind zwar ähnlich gut geeignet, haben aber wegen der meist intensiveren Holznutzung in Buchenwäldern oft keine Habitattradition mehr.

 
Urwaldreliktbäume mit Tradition
Urwaldreliktbäume mit Tradition  

Waldbesitzer denken in langen Zeiträumen. Dennoch dürfte nur wenigen bewusst sein, dass sie mit der unbedachten Fällung eines alten, scheinbar kranken Baumes innerhalb von Minuten die vielleicht seit Jahrtausenden existierende Generationenfolge einer Tierart in der gesamten Region für immer beenden können.

Mulmhöhlen-Staubsauger
Mulmhöhlen-Staubsauger  

Wie nähert man sich dem Innenleben einer 300-jährigen Eiche? Eine Antwort auf diese Frage gilt es zu finden, wenn man beispielsweise die prioritäre FFH-Art Eremit kartieren will. Den Baum umsägen wäre eine zielführende, aber kontraproduktive Methode. Es gibt kreativere und schonendere Lösungen.

 
Waldvögel und Totholz
Waldvögel und Totholz  

Totholz ist ein wichtiges Strukturelement in unseren Wäldern und Vögel sind mit die auffälligsten Bewohner. Doch die Wirkung von Totholz auf die Lebewesen im Wald geht weit über die direkte Nutzung des Holzes hinaus.

Die Bedeutung des Kleinstandortes
Die Bedeutung des Kleinstandortes  

Der Erfolg einer Aufforstung im Gebirge hängt stark von der Wahl des Pflanzortes ab. In hohen Lagen entscheiden minimale Standortsunterschiede über den Anwuchserfolg.

 
Schwebfliegen brauchen Mulmhöhlen
Schwebfliegen brauchen Mulmhöhlen  

Schwebfliegen sind eher weniger prominente Vertreter der vielen Tierarten, deren Überleben unmittelbar vom Angebot bestimmter Totholzstrukturen abhängig ist. Viele Schwebfliegen sind wahre Spezialisten, denn sie brauchen unbedingt besonders feuchtes Totholz.

Die Eiche und ihre Prachtkäfer
Die Eiche und ihre Prachtkäfer  

Die Eiche bietet von allen Baumarten mit Abstand der größten Anzahl von Insektenarten Lebensraum und Nahrung. Auch 17 der 100 heimischen Prachtkäferarten finden auf ihr Platz ohne sich ins Gehege zu kommen, darunter neben großen Schädlingen auch wahrhaft prächtige Farbwunder.

 
Käferbäume
Käferbäume  

Die Zwangsnutzung von Käfernestern erfolgt vielerorts verspätet oder unterbleibt aus verschiedenen Gründen vollständig. Was kann man mit abgestorbenen Käferbäumen tun? Sie bieten Lebensraum für natürliche Feinde des Borkenkäfers und vergrössern das Totholzangebot.


(erweitert)