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Dokumentinformationen
Autor(en): Redaktion waldwissen.net - WSL
Originalartikel: -
Online-Version: Stand: 28.05.2009
Redaktion: WSL, CH
Verfügbare Sprachen: Druckansicht  deutsch
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Kastanien

Kastanienfrüchte
Foto: T. Reich (WSL)

In Mitteleuropa kommen die Edelkastanie (Castanea sativa) und die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) vor. Die beiden Arten sind genetisch nicht näher miteinander verwandt, lediglich die Früchte weisen eine gewisse Ähnlichkeit auf. Die Edelkastanie zählt man zur Familie der Buchengewächse, währenddem die Rosskastanie zur Familie der Seifenbaumgewächse (früher: Rosskastaniengewächse) gehört. Sowohl Edel- als auch Rosskastanie waren ursprünglich bei uns nicht heimisch.

Südschweizer Edelkastanienwälder und "Heisse Marroni"

Die Edelkastanie stammt ursprünglich wohl aus Südosteuropa und dem Gebiet der heutigen Türkei. Sie wurde bei uns ebenso wie die Weinrebe von den Römern eingeführt, denn ihre nahrhaften, wohlschmeckenden und zudem gut lagerfähigen Früchte waren schon lange geschätzt. Obwohl es auch nördlich der Alpen kleinere Kastanienbestände gibt, sind in der Schweiz vor allem die ausgedehnten Kastanienwälder des Kantons Tessin und der Südbündner Täler bekannt.

Edelkastanien sind durch den aus Asien eingeschleppten Kastanienrindenkrebs (Cryphonectria parasitica) bedroht. Die Krankheit scheint derzeit zum Glück unter Kontrolle. Kastanienbäume können alt und sehr dick werden und weisen durch die frühere Bewirtschaftung oft eine typische Wuchsform auf. Die Forschungsanstalt WSL hat die 300 imposantesten Kastanienbäume der Südschweiz inventarisiert.

Rosskastanie: Zierbaum und Schattenspender

Die Rosskastanie hat ihre ursprünglichen Vorkommen in Nordgriechenland, Albanien und Mazedonien. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie nach Mitteleuropa eingeführt und war fortan als Zierbaum im Stadtgebiet oder als Wildfutterlieferant in Wäldern geschätzt. Die Rosskastanie ist auch beliebter Schattenspender an Uferpromenaden oder in Biergärten. 2005 wurde sie zum Baum des Jahres gekürt.


Blütenphänologie der Kastanie
Blütenphänologie der Kastanie  

Die Edelkastanie gehört zu den Arten, die sich nicht selbst befruchten können und deshalb auf Fremdbestäubung angewiesen sind. Diese Baumart weist sowohl die typischen Merkmale der Insektenbestäubung als auch diejenigen der Windbestäubung auf.

 
Wertholzproduktion im Kastanien-Niederwald
Wertholzproduktion im Kastanien-Niederwald  

Forstwissenschafter gehen der Frage nach, ob sich in Umtriebszeiten von 30–40 Jahren qualitatives Kastaniensägerundholz produzieren lässt. Dabei machten sie eine interessante Beobachtung: Scheinbar tote Kastanienstöcke schlagen wieder aus.

40 Jahre Versuchsaufforstung Copera
40 Jahre Versuchsaufforstung Copera  

Mitte des 20. Jahrhunderts drohte der Kastanienrindenkrebs die Kastanienwälder der Alpensüdseite zu zerstören. Um Alternativen für die Esskastanie zu suchen, pflanzte die Forschungsanstalt WSL vor 40 Jahren 71 Baumarten aus aller Welt.

 
Kastanienfrüchte
Kastanienfrüchte  

Die Kastanie hat äusserst delikate aber leicht verderbliche Früchte. Sie vertrocknen schnell und sind anfällig gegen Schimmelpize und Insekten. Ein Merkblatt hilft, die Marroni länger lagern zu können.

Riesenkastanien im Tessin
Riesenkastanien im Tessin  

Über 7 Meter Umfang auf Brusthöhe, Alter 350 bis 700 Jahre: Das sind die eindrücklichen Kennzahlen der 300 imposantesten Kastanienbäume im Tessin und im Misox. Ein Mitarbeiter der WSL hat die Baum-Persönlichkeiten in einem Inventar erfasst.

 
Restauration von Kastanienselven
Restauration von Kastanienselven  

Die Edelkastanie bildete auf der Alpensüdseite einst die Ernährungsgrundlage und prägte Leben und Landschaft. Nachdem die Kastanienkultur weitgehend in Vergessenheit geriet, bemüht man sich heute, die Kastanienselven und die Sortenvielfalt zu erhalten.

Seltene Fledermausarten in Kastanienhainen
Seltene Fledermausarten in Kastanienhainen  

Die vom Menschen erschaffenen und gepflegten Kastanienhaine im Tessin, so genannte Selven, beherbergen doppelt so viele Fledermausarten wie nicht mehr bewirtschaftete Haine. Dies fanden Wissenschafter der Forschungsanstalt WSL heraus.

 
Wald und Waldpolitik im Kanton Tessin
Wald und Waldpolitik im Kanton Tessin  

Aufgrund der Topografie, der kleinflächigen Eigentumsstruktur und der fehlenden Erschliessung werden im Tessin lediglich 10% des Holzzuwachses genutzt. Im Hinblick auf einen gesicherten Holzabsatz ist die Förderung von Holzheizungen im öffentlichen Bereich ein Ziel von hoher forstpolitischer Priorität.

Die Rosskastanie - Baum des Jahres 2005
Die Rosskastanie - Baum des Jahres 2005  

Die Rosskastanie war der Baum des Jahres 2005. Für einmal stand kein eigentlicher Waldbaum, sondern einer der bekanntesten und beliebtesten Stadt-, Park- und Alleebäume im Mittelpunkt.

 
Die Rosskastanie
Die Rosskastanie  

Kaum einer, der nicht als Kind mit ihren Früchten gespielt oder in der sommerlichen Hitze unter ihrem markanten Blätterdach den Aufenthalt in einem Biergarten genossen hat. Nun endlich wurde sie als Baum des Jahres 2005 entsprechend gewürdigt.

Die Japanische Esskastanien-Gallwespe
Die Japanische Esskastanien-Gallwespe  

Die Gallwespe wurde in Europa zum ersten Mal 2002 in Italien festgestellt und breitet sich seitdem weiter aus. Gefährdet ist vor allem die heimische Esskastanie. Nach einem Befall kann der Zuwachs zurückgehen und die Ernte der Maronen ausfallen.

 
Die Edelkastanien-Gallwespe hat das Tessin erreicht
Die Edelkastanien-Gallwespe hat das Tessin erreicht  

Im Mai 2009 wurde im Siedlungsgebiet von Mendrisio (Kanton Tessin) erstmals die ursprünglich aus China stammende Edelkastanien-Gallwespe entdeckt. Die Art gilt als Schädling in Kastanienkulturen und droht sich weiter auszubreiten.

Der Kastanienrindenkrebs
Der Kastanienrindenkrebs  

Anfang des letzten Jahrhunderts wurde der Kastanienrindenkrebs von Asien in die USA eingeschleppt. Diese Pilzkranheit zerstörte dort innerhalb von 30 Jahren die ausgedehnten Kastanienwälder fast vollständig. In Europa verläuft die Krankheit glücklicherweise weniger dramatisch. Trotzdem ist Vorsicht angebracht.

 
Dauerproblem Kastanienkrebs?
Dauerproblem Kastanienkrebs?  

Eingeschleppte Organismen sind in ihrer neuen Umgebung oft erstaunlich erfolgreich und vom Menschen nur schwer zu kontrollieren. Beim Kastanienrindenkrebs scheint die Kontrolle zu gelingen.

Der Kastanienrindenkrebs ist kontrollierbar
Der Kastanienrindenkrebs ist kontrollierbar  

Bis jetzt gelang es nicht, den Kastanienrindenkrebs auf der Alpennordseite auszumerzen. Die Rindenkrebse können aber mit einem so genannten Hypovirus behandelt werden.

 
Der Esskastanien-Rindenkrebs
Der Esskastanien-Rindenkrebs  

Der ursprünglich aus Asien stammende Pilz wurde 1992 erstmalig in Deutschland (Ortenau) nachgewiesen. Die Beseitigung der befallenen Bäume ist dringend notwendig, um die weitere Ausbreitung des aggressiven Pilzes zu verhindern.

Esskastanienrindenkrebs
Esskastanienrindenkrebs  

Der Kastanienrindenkrebs hat sich in Europa fast im gesamten Esskastanienareal ausgebreitet - auch in Deutschland. Die so genannte "Hypovirulenz" gibt Hoffnung, die Entwicklung des Krebses unterdrücken und dessen Weiterverbreitung verhindern zu können.

 
Stamminjektionen gegen Miniermotte
Stamminjektionen gegen Miniermotte  

Um zu testen, inwieweit Injektionsverfahren zur Bekämpfung der Rosskastanienminiermotte geeignet sind, wurden Bäume mit einem systemischen Insektizid behandelt. Der Befall war geringer, aber schädliche Nebenwirkungen traten auf.


(erweitert)